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Bildung Man(n), diese Frauen
Leipzig Bildung Man(n), diese Frauen
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14:07 19.05.2015

Das Gelernte an dem Abend will sie später anwenden können und auch etwas über Materialkunde erfahren. "Ich hätte ja gerne früher teilgenommen, aber diese Handwerkskurse für Frauen sind immer ausgebucht", sagt die Tagesmutter.

Do-it-yourself-Kurse liegen im Trend. Das bestätigt auch Obi-Marktleiter ­Stefan Dietel. "Die Nachfrage in diesem Bereich und das Interesse der Frauen, sich in diesem Feld Fähigkeiten anzueignen, ist extrem hoch." Mehrmals jährlich werden diese Kurse vom Obi-Baumarkt in Kooperation mit der Volkshochschule Leipzig veranstaltet. Inzwischen finden im Baumarkt fast kaum noch reine Männerkurse statt, alle sind gemischt.

Einige Frauen wagen sich sogar daran, den anspruchsvollen Kettensägen-Schein zu machen. Allerdings sind Frauen auch sehr gern unter sich. "So können sie ihr Tempo selbst bestimmen, denn die Männer in den Kursen haben meistens schon mehr Erfahrung", erklärt der 37-Jährige.

Kursleiter Karl-Heinz Neumann kennt die Sorgen, die Frauen bei solchen Kursen beschäftigen. "Manche haben natürlich Angst, dass im Verlauf der Schulung jemand einen dummen Kommentar abgibt. Einen Handwerkskurs nur für Frauen zu geben, hat also auch einen psychologischen Hintergrund", sagt der Malermeister. "Die Frauen fühlen sich sicher und frei beim Lernen und das bringt Spaß", sagt er.

Für die DIY (Do it yourself)-Academy ist Neumann seit sechs Jahren deutschlandweit im Einsatz, um Hobbyhandwerker zu unterrichten. Seine Erkenntnis: "Tatsächlich gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle. Die Frauen in den neuen Bundesländern sind handwerklich begabter. Im Westen hingegen ist es nicht selten, dass Frauen sagen, dass sie das noch nie gemacht hätten und regelrechte Schweißausbrüche bekommen", berichtet der 61-Jährige.

Das Phänomen hat Neumann allerdings auch bei den männlichen Handwerkern beobachtet. "Im Osten wird einfach viel mehr selbst gemacht. Das kommt wohl noch aus DDR-Zeiten." Jungen und auch Mädchen besuchten damals den polytechnischen Unterricht, wo die Schüler mit dem Arbeitsalltag in der Produktion konfrontiert wurden. Außerdem sei man beim Buchen von Handwerkern im Osten zurückhaltender. "Im Westen ist das anders. Da ist es gang und gäbe, Profis für alles zu engagieren", erklärt der Fachmann.

Die weibliche Handwerkskunst wird sogar prämiert. Alle zwei Jahre gibt es die Wahlen zur Miss DIY. "Jede Frau kann sich dafür bewerben. Sie müssen dann an einer Wand verschiedene handwerkliche Arbeiten ausführen und wer dabei am geschicktesten war, gewinnt den Titel", sagt Neumann. Die bisherigen Gewinnerinnen kämen aus den alten Bundesländern, es wäre aber wünschenswert, mal eine aus den neuen Bundesländern zu krönen.

An diesem Abend wird jedenfalls fleißig gewerkelt. Holz, Fliesen und Beton hat Neumann mitgebracht und erklärt den Anwesenden alles über Akkuschrauber, Bohrmaschinen, Schraubendreher und natürlich Schrauben mit passenden Dübeln. Einige machen sich Notizen. Fragen werden viele gestellt: Was ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Bohrern? Wann setze ich die Schlagbohrung ein? Wie hieß der Bohrer jetzt noch mal?

Am Ende ist Sylvia Moch erleichtert und froh, den Kurs gemacht zu haben. "Mir hat es wirklich viel gebracht", sagt die 45-Jährige. "Dadurch, dass wir auch praktisch etwas machen konnten, wie bohren und schrauben, war es sehr interessant und aufschlussreich." Ihre neu erworbenen Fähigkeiten will sie demnächst in die Tat umsetzen. Ein kleines Wandregal habe sie bereits gekauft, das angebracht werden soll. Ihr Hunger nach Handwerkerwissen sei erst einmal gestillt. "Allerdings würde ich mich über einen Gartenkurs im Baumarkt freuen. Bei so einem Seminar wäre ich gern dabei."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.02.2015
Olivia Jasmin Czok

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