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Bildung Medizin-Kongress in Leipzig: Ärzte kritisieren ökonomischen Dauerdruck
Leipzig Bildung Medizin-Kongress in Leipzig: Ärzte kritisieren ökonomischen Dauerdruck
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23:59 18.09.2014
(Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Tagungspräsident Professor Peter Galle vom Mainzer Uni-Klinikum wandte sich gegen die "Discounter-Mentalität", bei der immer mehr Leistungen immer billiger angeboten werden müssen. Es sei "indiskutabel", dass beispielsweise die durchschnittliche Dauer einer Visite pro Patient nur noch drei Minuten betrage.

Er verwies auch auf die Folgen stagnierender Landeszuschüsse für die hochschulmedizinischen Einrichtungen in Deutschland. Verlierer sei dabei die Forschung. "Die Situation ist fühlbar schlechter geworden." Zunehmend werde wissenschaftliches Personal für die Patientenversorgung abgezogen - obwohl zum Beispiel ein hoher Bedarf an unabhängigen klinischen Studien bestehe. Statt eines auf Kostendruck basierenden Wirtschaftswettbewerbs brauche es einen Qualitätswettbewerb, erklärte Galle. Um flächendeckend tragfähige Daten für die Güte von Therapien und die Patientensicherheit zu bekommen, müssten mehr Anstrengungen unternommen werden, forderte Professor Claus-Dieter Heidicke vom Uni-Klinikum in Greifswald, der ebenfalls als Kongressleiter fungiert. "Routinedaten der Krankenkassen reichen nicht, die Datenbasis muss viel feinkörniger werden. Und das ist nicht zum Nulltarif zu haben."

Die bis Sonntag dauernde Konferenz steht unter dem Motto "Der Patient im Mittelpunkt" und befasst sich mit Erkrankungen des Bauchraumes sowie des Verdauungstraktes, darunter dem Morbus Crohn oder der nichtalkoholischen Fettleberkrankheit, deren Fallzahlen steigen. Vorgestellt wurden gestern unter anderem innovative Behandlungsmethoden bei Hepatitis C. Durch die Zulassung neuer antiviral wirkender Medikamente, die kaum Nebenwirkungen haben, zeichne sich eine enorme Steigerung der Heilungsrate ab, berichtete Oberarzt Tim Zimmermann vom Mainzer Uni-Klinikum. 2015 würden weitere Kombinationspräparate auf den Markt kommen und für noch mehr Therapieoptionen sorgen.

Kongressthema war gestern ebenso eine große Untersuchung zum Dämmerschlaf, in den Patienten bei Darm- und Magenspiegelungen versetzt werden, um schmerzfrei zu bleiben. Die Studie habe ergeben, dass das Komplikationsrisiko einer solchen Sedierung statistisch gegen null gehe, meinte Professor Ralf Kiesslich vom St. Marienkrankenhaus in Frankfurt/Main. "Es gibt also überhaupt keinen Grund, da angstbesetzt zu sein."

Im Rahmen des Kongresses gibt es Freitag ab 9 Uhr auf der Neuen Messe kostenlose Arzt-Patienten-Seminare. Von 9 bis 13 Uhr findet im Congress-Center (Ebene 1, Saal 2) ein Patientenforum zum Thema Darmkrebs statt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.09.2014

Mario Beck

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