Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bildung Mehr Kinder aus anderen Ländern: In Leipzig entstehen neue Schulklassen
Leipzig Bildung Mehr Kinder aus anderen Ländern: In Leipzig entstehen neue Schulklassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Für junge Asylbewerber besteht Schulpflicht. Sie lernen in DaZ-Klassen. Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Die beginnt, sobald die jungen Asylbewerber die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen und bei einer Kommune untergebracht sind. Die meisten Kinder können kein Deutsch, haben oft Elend und Gewalt erlebt und finden in der fremden neuen Welt nur schwer Anschluss.

In DaZ-Klassen lernen aber auch junge Leute aus aller Herren Länder, deren Eltern als Wissenschaftler oder Fachkräfte an Universitäten oder in diversen Firmen arbeiten. Die Ausbildung ist in drei Phasen unterteilt. Im vergangenen Schuljahr waren 550 Kinder und Jugendliche in DaZ-Klassen, um in einer ersten Etappe zunächst Grundlagen der deutschen Alltags- und Bildungssprache intensiv zu lernen. Eine zweite Phase sieht vor, Deutsch in der Vorbereitungsklasse zu lehren, sie dann schrittweise am normalen Unterricht teilhaben zu lassen. Weitere 3200 wurden in Phase 3 in den Regelschulen integriert - davon etwa 1900 an einer Grundschule. Rund 600 haben es aufs Gymnasium geschafft. DaZ-Klassen für Schüler mit Migrationshintergrund gibt es nun an 13 Grundschulen, 15 Oberschulen und neuerdings an drei Berufsschulzentren.

Detaillierte Zahlen, wie viele Flüchtlingskinder derzeit neu in Schulen kommen, gibt es nicht. "Die Einschulung erfolgt ja nicht zum Schuljahresbeginn, sondern das ganze Jahr über", erklärt Roman Schulz, der Sprecher der Bildungsagentur Leipzig. Wie sich der Flüchtlingsstrom entwickelt, vermag ohnehin niemand vorauszusagen: "Wir sind bisher auf die Situation vorbereitet. Seit 2000 gibt es mit den DaZ-Klassen in Sachsen eine erprobte Struktur, um junge Ausländer zu integrieren", sagt Schulz. Die war entwickelt worden, um beispielsweise Flüchtlingskinder nach dem Krieg auf dem Balkan sowie junge Russlanddeutsche zu integrieren. An der Apollonia-von-Wiedebach-Oberschule in Connewitz ist ein Kompetenzzentrum Sprachliche Bildung in Leipzig entstanden. "In den vergangenen Jahren haben wir bei einem Fortbildungsprogramm Lehrer speziell für diese Aufgabe vorbereitet", betont der Sprecher. Derzeit könne der Bedarf an den Schulen abgesichert werden - auch an Lehrern. Zusätzlich zu Deutsch gebe es für Migranten und Asylbewerber herkunftssprachlichen Unterricht in 18 Sprachen. Ob das künftig noch so zu schultern ist, ist schwer vorherzusehen. Als Folge des Flüchtlingszustroms werden neben geeigneten Unterkünften überall Sprachkundige gesucht, ob nun in den Behörden oder bei der Arbeitsagentur.

DaZ-Klassen sind übrigens nicht unbedingt Problemklassen. "Zumeist freuen sich diese Kinder, in die Schule zu kommen, weil sie nach Monaten oder Jahren der Flucht wieder geordnete Strukturen erleben und auch ein wenig Sicherheit empfinden", betont Schulz. Dabei seien die Voraussetzungen unterschiedlich. So gebe es Kinder, die ein halbes Jahr in der Grundschule in ihrem Heimatland waren. Andere sprechen perfekt Englisch. Wie schnell sie sich eingewöhnen, hängt oft von ihren Erlebnissen auf der Flucht ab.

Eins verhehlt Schulz aber nicht: Die Aufnahme von Flüchtlingskindern wird zusehends schwieriger. Gerade in Leipzig. Dort sind die Klassen an den meisten Schulen proppevoll - was auch Familien spüren, deren Sprösslinge nicht auf ihre Wunschschule dürfen oder die nach Leipzig umziehen. Allmählich gelangt die Stadt mit ihren Räumlichkeiten an die Grenzen, muss bereits auf Containersysteme zurückgreifen. Vor allem in den fünften bis siebten Klassen wird es zusehends eng. Absehbar ist, dass sich die Situation im kommenden Jahr verschärft. Leipzig erwartet 2016 etwa 150 Asylbewerber ohne Eltern - auch sie müssen unterrichtet werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.08.2015
Orbeck, Mathias

Anzeige