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Mehr aus Büchern holen: HTWK-Studenten stellen auf der Buchmesse neue Apps vor

Mehr aus Büchern holen: HTWK-Studenten stellen auf der Buchmesse neue Apps vor

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt hat einmal gesagt: „Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“ Mit diesen Apps könnte er jetzt Recht haben.

21 Studenten der HTWK Leipzig hatten ein Semester lang Zeit, um sich zu überlegen, wie aus dem Inhalt zwischen zwei Deckeln mehr zu holen ist. Herausgekommen sind Applikationen für das iPad, die den Buchinhalt mit Videos veransch(l)aulichen, mit Sounds untermalen und sogar so weit gehen, dass der Leser selbst in die Welt des Buches eintauchen kann – am Bildschirm. Die Ergebnisse haben die Teilnehmer des Studiengangs Verlagsherstellung auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

Damit aus der Wolle ein Pullover wird, muss das Schaf geschoren werden. Im Kinderbuch „Wieso, weshalb, warum – auf dem Bauernhof“ wird das erklärt. Bei der App von Student Stephan Fritzsch kann der Nutzer mit der Wisch-Funktion nun sogar selbst Hand anlegen. Und wenn das Kind (oder die großen Kinder) wissen wollen, wie eine Kuh macht, genügt ein einfacher Klick auf den Bildschirm. „Bei einem gedruckten Buch gibt es neben Buchstaben und Bildern kaum Möglichkeiten, den Inhalt anders aufzubereiten. Eine Klappfunktion wäre ein Beispiel dafür. Am Bildschirm gibt es aber tausend Alternativen. Das wollten wir nutzen. Anfang des Semesters konnten wir uns zwischen Fach-, Sach- und Kinderbüchern entscheiden und dann loslegen“, erklärt Fritzsch. „Die Verlage haben uns die Bücher zur Verfügung gestellt, digitalisiert und wir haben gegrübelt: Was steckt in diesen Geschichten und Informationen noch alles drin? Und wie hole ich das meiste aus ihnen heraus?“

Bevor er los ging, standen Überlegungen zur Zielgruppe und zur Handhabung an. „Es nutzt ja nichts, wenn es die tollsten Funktionen gibt, aber diese schwer zu bedienen sind“, sagt Fritzsch. Navigation sei also ein wichtiger Punkt gewesen. Bei seiner App ist es ein Traktor, der am unteren Bildschirmrand zur Steuerung dient. Soll ein Video abgespielt werden ? Oder lieber noch einmal ein Tiergeräusch vorgespielt werden? Wie aber wäre es, sich einfach einmal zurückzulehnen und sich vorlesen zu lassen? Sogar ausmalen kann man. Und wer einen genaueren Blick in den Schweinestall werfen möchte, spreizt einfach die Finger und aktiviert den Zoom. Schwups, schon geht die Stalltür auf. „Das ist ja das Schöne, dass der Nutzer einfach nur den Bildschirm berühren muss und auf verschiedene Arten aktiv werden kann“, sagt der Student.

Theresa Neubauer, ebenfalls im Studiengang Verlagsherstellung immatrikuliert hat sich mit dem Thema „Selbermachen“ beschäftigt und einen Bauplan für eine App entwickelt, bei der gezeigt wird, wozu welches Werkzeug da ist und was man dann mit verschiedenen Materialien anstellen kann. Am Ende soll der Nutzer wissen, wie ein Buch gebunden wird – vom Zusammenheften der Seiten bis zur Deckenherstellung. Bei ihren Vorüberlegungen hat sie nicht nur gemerkt, dass die Hobbyabteilung in Buchhandlungen immer größer wird, sondern auch, dass die vorherrschenden Farben hellblau, türkis, hellgrün und rosa seien. Also entwickelte sie ein Farbschema mit leichten Blautönen gepaart mit Apricot.

Die Ideen der Studenten gehen bis zur App zum Backen. Umgesetzt, das heißt programmiert, wurde bislang aber keine. „Es ging darum, eine Art Bauplan zu entwickeln, nach dem eine App entstehen kann. Das Konzept ist fertig, es müsste nur noch umgesetzt werden“, sagt Julia Müller vom HTWK-Messeteam. Gedanken über Finanzierung hätte sich also keiner machen müssen. Ziel sei es gewesen, die Welt der Bücher zu illustrieren, gestalten und durch sie zu führen – ohne zunächst auf einen Business-Plan zu gucken. Auch Stephan Fritzsch sei nicht bekannt, dass sich ein Verlag gemeldet hätte, der diese App nun produzieren möchte. „Aber vielleicht kommt es noch“, meint er. Immerhin: Positive Resonanz habe es bei den Präsentationen in Halle 5 am Stand B 506 reichlich gegeben.

Magdalena Fröhlich

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