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Milde Gaben in schwerer Zeit - Die Leipziger Sammelbüchse von 1652

Milde Gaben in schwerer Zeit - Die Leipziger Sammelbüchse von 1652

Das Stadtgeschichtliche Museum erzählt mit seinen Sammlungen ein gutes StückHistorie Leipzigs. Zehn der einschlägigen Ausstellungsobjekte stellen wir zum1000-jährigen Jubiläum in einer kurzen Reihe vor.

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Sammelbüchse aus dem Jahr 1652.

Quelle: Bertram Kober

Leipzig. Das Thema heute: die Sammelbüchse.

"Sammelbüchse" - man denkt an freundliche Damen und Herren der Caritas oder der Heilsarmee, die für wohltätige Zwecke sammeln. Man hört die Münzen in der Dose klappern und staunt, dass sich immer wieder Unverdrossene für das gemeinnützige Betteln finden.

Mitte des 17. Jahrhunderts waren Sammelbüchsen viel verbreiteter als heute. Die älteste im Museum aufbewahrte Spendendose zeugt davon, dass Bettler auch in einer Stadt, die bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts als prachtvoll und reich beschrieben wird, zum Stadtbild gehörten. Die blecherne Dose war in der Richterstube des Alten Rathauses aufgestellt. Eindringlich mahnt die Inschrift: "Gebet den Armen umb Gottes willen. 1652". Der fromme Wunsch wird unterstützt durch die Bemalung: Zu sehen ist der arme Lazarus, dessen Geschwüre von Hunden geleckt werden. Laut Lukas-Evangelium wird der bedürftige und kranke Lazarus nach seinem Tod in "Abrahams Schoß" für seine Pein auf Erden entschädigt, während ein reicher Mann in der Unterwelt Qualen erleidet, weil er Lazarus einst seine Hilfe verweigert hatte. Das farbige Bild war ein klarer Appell an das Gewissen der Wohlhabenden.

Wie lange die Büchse im Einsatz war, ist nicht bekannt. Wurde ihr Blech von den zahlreichen Groschen (oder gar Talern) verbeult oder nagte schlicht der Zahn der Zeit daran?

Die Inschrift verrät, dass die Dose aufgestellt wurde, als der Leipziger Rat 1652 eine neue Bettelordnung erließ. Darin wurden unter anderem aggressives Betteln und das Beherbergen "fremder" Bettler aus Angst vor Krankheiten wie Lepra oder Pest untersagt.

Die Leipziger sollten sich jedoch den einheimischen Armen gegenüber großzügig zeigen und sich regelmäßig an den Almosen-Sammlungen beteiligen. Die Verteilung der Spenden erfolgte einmal wöchentlich im Rathaus. Mit dieser geregelten Almosenvergabe installierte der städtische Rat einen Vorläufer der Wohlfahrtspflege.

Wie alle Sammelbüchsen ist auch diese ein Ausdruck von Solidargemeinschaften in Krisenzeiten. Wie groß die Spendenbereitschaft jedoch wirklich war, verrät sie uns allerdings nicht.

Der gekürzte Text entstammt der Publika- tion "100 X Leipzig. Tausend Jahre Geschichte" des Stadtgeschichtlichen Museums, die zur Leipziger Buchmesse 2015 erscheint.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.02.2015

Kerstin Sieblist

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