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Ministerin Kurth: Sachsen wird keine Schulen schließen - Durchlässigkeit soll erhöht werden

Ministerin Kurth: Sachsen wird keine Schulen schließen - Durchlässigkeit soll erhöht werden

Sachsen hält am Moratorium für Schulschließungen fest und will das Kultussystem künftig noch stabiler machen. „Die Schulen erhalten Gewissheit, dass der Generationswechsel in den Lehrerzimmern kontinuierlich vonstattengehen wird“, sagt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU).

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Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos).

Quelle: Andreas Döring

Dresden. Im Interview spricht sie auch über mehr Flexibilität im Schulsystem und Chancen für schulische „Spätzünder“.

Frage:

Das scheinbar unendliche Thema Lehrerstellen ist abgehakt. Welche Baustellen gibt es noch im Kultusbereich?

Brunhild Kurth:

Ich will nicht von Baustellen sprechen, sondern von großen Aufgaben. Die sind weder von der Anzahl noch vom Inhalt her gering zu schätzen. Der Koalitionsvertrag hat klare Aussagen zum Lehrerpersonal getroffen. Ich bin froh, dass wir für die nächsten fünf Jahre ein Lehrerpersonalkonzept entwickeln können. Wir sind nun in der Lage, nicht nur über ein Schuljahr voraus zu planen, sondern einen Fünfjahresplan aufzustellen. Das gibt dem ganzen Schulsystem mehr Vorlauf und mehr Sicherheit. Die Schulen erhalten Gewissheit, dass der Generationswechsel in den Lehrerzimmern kontinuierlich vonstattengehen wird. Lehrerkollegien können sich mit Eltern und Schülern gemeinsam auf den Weg machen, über Schulkonzepte wieder intensiver nachzudenken, als das in der letzten Zeit der Fall war. 

Welche Aufgaben stehen konkret an?

Das erste große Vorhaben ist die Novelle des Schulgesetzes. Das letzte Mal geschah das 2004. Die gesellschaftliche Entwicklung ist weitergegangen, Rahmenbedingungen änderten sich. Wir brauchen Rechtssicherheit, zum Beispiel bei den Lernmitteln. Wir müssen uns auch über Schulnetzplanung unterhalten und sie gesetzlich neu verankern. Mit der Änderung von Schulgesetzen gehen immer Diskussionen in der Bevölkerung einher. Ich suche dabei den Dialog, zur Gesetzesnovelle gibt es bereits einen Runden Tisch.

Wir werden auch über Schulformen diskutieren, obwohl wir am gegliederten System festhalten. Es soll aber kein starres System sein und Entwicklungen ermöglichen. Die Förderschulen werden erhalten. Sachsen geht den behutsamen Weg der Inklusion, will jedem Schüler die für ihn optimale Schulform ermöglichen.

  

Wie lässt sich das gegliederte Schulsystem flexibler machen? 

Da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Die Oberschulen sind das Herzstück des Systems. Hier haben wir über den ganzen Freistaat verteilt ein Netz gespannt. Wir mussten früher eine Schulschließungswelle hinnehmen, weil sich die Schülerzahlen halbierten. Jetzt haben wir ein flächendeckendes, stabiles System an Oberschulen. Das Schulschließungsmoratorium gilt. Im ländlichen Raum gibt es kleinere Oberschulen, gegebenenfalls werden sie auch einzügig fortgeführt. Die Schule gehört als kulturelles Zentrum im Ort dazu.

Innerhalb unseres Schulsystems gibt es Entwicklungsmöglichkeiten. Ich möchte die Durchlässigkeit zwischen den Schularten unbedingt erhöhen. Das heißt aber nicht, dass der gute Oberschüler unbedingt aufs Gymnasium muss. 

Wie können die „Spätzünder“ der Oberschule dennoch ihr Abi machen?

Etwa ein Drittel der Realschüler wechselt auf das berufliche Gymnasium und macht dort Abitur. Diese Gymnasiasten sind gefragt, weil sie Praxiswissen mitbringen. Diesen Weg möchte ich ausbauen. Die Eltern brauchen sich bei der Wahl der weiterführenden Schule keinen Stress machen, gute Schüler müssen nach Klasse 4 nicht aufs Gymnasium wechseln. Auch der Weg über die Oberschule führt via berufliche Gymnasien zum Abitur - in diesem Fall nach 13 Jahren. Dort können sie zwischen Schwerpunkten wie etwa Wirtschaft oder Technik wählen. Das hat Charme, das möchte ich ausdehnen.

Übrigens liegt es mir genauso am Herzen, den Wechsel von der Förderschule auf die Oberschule zu erleichtern. Heute heißt es immer noch zu oft: einmal Förderschule, immer Förderschule. Es darf kein Stigma geben. Oft lässt sich die Entwicklung an Regelschulen fortsetzen.

Zur Person:

Brunhild Kurth (60) stand bis zur Wende als Lehrerin für Biologie und Chemie in Sachsen selbst vor Schulklassen. Nachher war sie unter anderem Leiterin des Gymnasiums Burgstädt und in diversen Positionen in der sächsischen Schulverwaltung tätig. Seit März 2012 ist sie Kultusministerin in Sachsen.

Interview: Jörg Schurig

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