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Bildung Lohnt es sich, einen Studienplatz in Leipzig einzuklagen?
Leipzig Bildung Lohnt es sich, einen Studienplatz in Leipzig einzuklagen?
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10:37 06.12.2018
Florian Finke klagt, um einen Psychologie-Studienplatz zu bekommen. Quelle: Luise Tasler
Leipzig

Florian Finke würde gern Psychologie an der Leipziger Universität studieren. Sein Abiturdurchschnitt liegt aber bei 3,3 – und der Numerus clausus (NC) bei 1,1. Auf bis zu 23 Wartesemester müsste er sich einstellen. Finke hat zwar keinen Zeitdruck, aber so lange möchte er auch nicht warten. „Zuerst kam das gar nicht für mich in Frage. Über 20 Wartesemester, das ist viel zu viel. Aber dann hab ich mich mit dem Thema Studienplatzklagen beschäftigt.“

Momentan studiert er noch Kommunikations- und Medienwissenschaft und würde das im Zweifel auch bis zum Bachelor durchziehen, aber Psychologie wäre ihm lieber. Nach einem Nachmittag Recherche und vielen Telefongesprächen mit Anwaltskanzleien steht es dann fest: Er möchte sich in den Studiengang einklagen. Wer diesen Weg wählt, muss mit Kosten von etwa 1500 Euro rechnen. Finke hat Glück, den größten Teil seiner Verfahrenskosten trägt eine Rechtsschutzversicherung. Er bezahlt jetzt ein Jahr lang monatlich nur etwa zehn Euro.

Das Geschäft läuft gut für die Anwaltskanzlei

Wie funktioniert das aber, sich in einen Studiengang einzuklagen? Eine Hochschule muss für jedes Semester die verfügbaren Studienplätze neu berechnen. Dabei können Fehler passieren – entweder wurden zu viele Plätze pro Studiengang berechnet oder zu wenige. Ein Kläger hofft auf die zweite Möglichkeit und stellt einen so genannten „außerkapazitären Antrag“ an die Hochschule. Daraufhin muss die Hochschule vor Gericht alle Zahlen vorlegen. Die Anwälte der Kläger können diese dann einsehen. Ein Fehler in den Berechnungen führt im Idealfall für den Kläger zu einem Studienplatz.

Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Erst im Dezember steht fest, ob es klappt oder nicht. Die Kanzlei Selbmann und Bergert hat sich schon zu Beginn der 2000er Jahre auf Hochschulzulassungsrecht spezialisiert. Finke ist einer von mehreren hundert Mandanten, die die Kanzlei im Jahr vertritt. Ist das ein Markt? Ralf Bergert arbeitet in der Kanzlei in Leipzig. „Markt“, wiederholt er und lacht. „Als Anwälte entfernen wir uns von wirtschaftswissenschaftlichen Begriffen.“ Er gibt aber zu, dass sich seine Kanzlei nach fast 15 Jahren im Feld einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Das Geschäft läuft gut.

Die Uni Leipzig ist aber auch für ihn ein harter Brocken. Sie berechnet ihre Studienplätze sehr exakt und hat gute Anwälte an ihrer Seite. So ist es bei Fächern wie Medizin nahezu unmöglich, einen Platz einzuklagen. Trotzdem rechnet sich Finke gute Chancen aus. Im letzten Jahr hat ein Drittel aller Psychologiekläger einen Platz in Leipzig bekommen. Und wenn es nicht klappt? „Klar, das Geld ist weg, aber den Versuch war‘s wert.“

Von Luise Tasler

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