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Bildung Mops in Atemnot: Tierärzte-Kongress in Leipzig fordert bessere Zucht-Kontrolle
Leipzig Bildung Mops in Atemnot: Tierärzte-Kongress in Leipzig fordert bessere Zucht-Kontrolle
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13:29 18.01.2012
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Der Grund: Mit seiner kurzen, schlecht belüfteten Nase kann das Tier seinen Wärmehaushalt nicht regulieren. Der Mops hat Atemnot, kann sogar in Ohnmacht fallen. Beim Leipziger Tierärztekongress vom 19. bis 21. Januar weisen Experten neue Wege, wie den Hunden geholfen werden kann - und stellen den Nutzen von Hundezuchtvereinen in Frage.

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Leipzig. Der Mops mag's nicht zu warm. Der Grund: Mit seiner kurzen, schlecht belüfteten Nase kann das Tier seinen Wärmehaushalt nicht regulieren. Der Mops hat Atemnot, kann sogar in Ohnmacht fallen. Beim Leipziger Tierärztekongress vom 19. bis 21. Januar weisen Experten neue Wege, wie den Hunden geholfen werden kann - und stellen den Nutzen von Hundezuchtvereinen in Frage.

Erbrechen, Kurzatmigkeit, Schlafprobleme

Rund 2000 Anfragen von Hundebesitzern, deren Tiere unter den Folgen der angezüchteten Kurzköpfigkeit leiden, erreichten die Uni-Kleintierklinik in den vergangenen vier Jahren. Manche Hunde würden wegen der Kurzatmigkeit mehrmals am Tag ihr Futter erbrechen, andere versuchten im Sitzen zu schlafen, weil sie im Liegen nicht genug Luft bekämen, erklärte Oechtering am Mittwoch gegenüber Journalisten, als er die Zuchtproblematik als Kongress-Schwerpunkt vorstellte.

"Bei 50 der beliebtesten Hunderassen treten 86 Erbkrankheiten auf, die durch die Auslese vermeintlicher Schönheitsmerkmale entstanden sind", sagte der Mediziner.

Das Problem sei entstanden, als die Hunde ihre Berufe verloren. Früher als Jagd-, Hüte- oder Schlittenhunde in fester Schicksalsgemeinschaft mit dem Menschen, sei mit der Industrialisierung  die Zucht nach Leistungsmerkmalen in den Hintergrund getreten, sagte Oechtering. Hundezuchtvereine hätten an die Stelle der Merkmale "Leistung" und "Gesundheit" subjektive Schönheitskriterien gesetzt. Das sei gut gemeint, aber nicht gut gemacht worden: "Schön ist eben nicht gesund."

Teure OP schafft Vierbeinern Erleichterung

Die Aussichten für die kurzköpfigen Vierbeiner sind nicht rosig. Ihre Gesundheit könne nicht einfach wieder hergestellt werden. Betroffen ist nicht nur der Mops, auch französische und englische Bulldoge, Pekinese, Boxer und Shi-Zu leiden.

Immerhin bringt eine neue chirurgische Praxis des HNO-Experten Oechtering den Hunden Erleichterung: Per Laserchirurgie werden der Nasen- und Rachenraum des Tieres erweitert, Engstellen beseitigt. Die Prozedur ist nicht billig: Rund 3500 Euro pro Eingriff muss der Hundehalter zahlen. Trotzdem kann sich die Uni-Kleintierklinik vor Anfragen kaum retten. Oechtering: "Den nächsten OP-Termin haben wir in vier Monaten frei."

Oechtering plädierte dafür, den Druck auf Züchter und Zuchtverbände zu erhöhen, das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt zu rücken. "Die Halter sind auch viel sensibler geworden für dieses Thema", so die Beobachtung des Veterinärmediziners. Denn schließlich sei der Hund nach wie vor der perfekte Menschenversteher. Oechtering: "Durch die lange Tradition von mehr als 15.000 Jahren Gemeinschaft mit dem Menschen kann der Hund Anweisungen intuitiv erfassen. Da schlägt er jeden schlauen Schimpansen".

Mehr Fotos aus der Uni-Tierklinik Leipzig

Evelyn ter Vehn

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