Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
NS-Raubgut in Leipziger Bibliotheken: Arbeitsgruppe findet mehr als 3000 Bücher

NS-Raubgut in Leipziger Bibliotheken: Arbeitsgruppe findet mehr als 3000 Bücher

Es war ein ganzes Stück Arbeit. Mehr als zwei Jahre lang hat Cordula Reuß verblichene, handschriftlich verfasste Listen entziffert, Magazinkisten durchsucht und tausende Bücher aus der Zeit vor 1945 in den Händen gehalten.

Voriger Artikel
Kleine Technikfüchse: HTWK Leipzig und Kita der Kindervereinigung kooperieren
Nächster Artikel
Japans Botschafter spricht an der Leipziger HTWK über Folgen von Fukushima

Bücher aus Raubgut der Nationalsozialisten begutachten die Leiterin des Projekts „NS-Raubgut an der Universitätsbibliothek Leipzig“, Cordula Reuß (r), und Bibliothekarin Kathy Weigand im Archiv der Bibliotheca Albertina in Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. Auf der „Fahndungsliste“: NS-Raubgut. Die diplomierte Bibliothekarin läuft zielsicher durch die verzweigten Flure der „Bibliotheca Albertina“, die Universitätsbibliothek Leipzig. In einem der vielen Archivräume bleibt sie stehen, kurbelt am Drehkreuz der fahrbaren Magazinregale und greift sich ein Buch heraus.

„Institutum Judaicum Leipzig“ ist auf die erste Seite gestempelt. Der Band wurde im Dritten Reich von der Geheimpolizei beschlagnahmt und ist kurz nach dem Krieg an die Uni Leipzig gelangt. „Insgesamt haben wir 3409 Bücher in unseren Archiven gefunden, die während der Nazizeit unrechtmäßig in Institutionen oder privaten Bibliotheken von Juden oder Widerständlern sichergestellt worden sind“, erzählt Reuß. Ziel ihrer detaillierten Recherche ist es, möglichst viele dieser Werke an lebende Erben oder Rechtsnachfolger zurückzugeben.

Die Leiterin des NS-Raubgut-Projekts an der Universitätsbibliothek musste mit ihrem kleinen Team aus zwei Mitarbeitern anfangs eher detektivisch vorgehen. Die in unsortierten Kisten gefundenen Gestapo-Zugangsbücher waren für eine zügige wissenschaftliche Archivarbeit nur bedingt geeignet. „Da steht dann oft nicht der Titel des Buches, sondern beispielsweise „Ein Konvolut aus 172 marxistischen Broschüren“ - und schon weiß man nicht, wie man weitersuchen soll“, erklärt Reuß.

Doch die Forscher hatten Glück: Bücher, die zur „verbotenen und schädlichen Literatur“ zählten, mussten von der Polizei auf Extralisten etwas gründlicher dokumentiert werden. Erst jetzt konnte in den Magazinen nach dem Raubgut und Hinweisen auf die früheren Eigentürmer gesucht werden.

Provenienzforschung, also die Herkunftsrecherche, wird vor allem seit der „Washingtoner Erklärung“ von 1998 intensiv betrieben. Damals verpflichteten sich Deutschland und 43 weitere Staaten, im Nationalsozialismus beschlagnahmte Kunstwerke in ihren Beständen ausfindig zu machen und gegebenenfalls an die rechtmäßigen Eigentümer, darunter hauptsächlich jüdische Kriegsopfer, zurückzugeben.

„Im Westen Deutschlands sah man die Sache nach vereinzelten Rückgaben und Entschädigungen in der Nachkriegszeit eigentlich als erledigt an“, berichtet der Leiter der vor drei Jahren eingerichteten Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin, Uwe Hartmann. „Doch in den Archiven mancher Einrichtungen wurde noch viel Raubgut entdeckt.“ Da die DDR jegliche Rückforderungen von Kriegsopfern abgeblockt hatte, wird man besonders in Ostdeutschland fündig.

Die Berliner Arbeitsstelle hat das Leipziger Projekt in den vergangenen beiden Jahren finanziell unterstützt, im November werden die Ergebnisse in einer Ausstellung präsentiert. Insgesamt wurden 81 unterschiedliche Institutionen und Personen als rechtmäßige Eigentümer identifiziert. Dazu gehört auch der jüdische Dolmetscher Victor Armhaus aus Leipzig, der 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen ist.

Zwei Nichten haben sich aus Israel gemeldet. „Das rührt schon sehr an, gerade wenn es Erben gibt, die sich an einen Menschen erinnern“, sagt Bibliothekarin Reuß. Einige der 59 Bände aus der Privatsammlung des Onkels bekommen die Nichten nun geschickt.

Brian Rupp, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
Historische Leipzig - in Text und Bildern.

Auf Zeitreise in Leipzig: So war es früher in der Messestadt. mehr

  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Am 10. Dezember eröffnete Deutschlands größte Bahnbaustelle, das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 - hier gibt es Infos, Hintergründe und Foto... mehr

  • Weihnachten in Leipzig und der Region

    Alles für eine schöne Vorweihnachtszeit: Rezepte, Events, Deko-Tipps, Geschenkideen und eine Übersicht der schönsten Weihnachtsmärkten in der Region. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Wie wohnt es sich in einem Bahnhof, einer Kirche oder einer alten Schnapsbrennerei? Die siebenteilige Multimedia-Serie stellt besondere Häuser rund um Leipzig vor. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr