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Bildung Nachbarschaftsschule Leipzig will nach 25 Jahren raus aus dem Schulversuch
Leipzig Bildung Nachbarschaftsschule Leipzig will nach 25 Jahren raus aus dem Schulversuch
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11:11 14.06.2016
Die Nachbarschaftsschule in Leipzig-Lindenau – seit 25 Jahren eine Institution in Leipzig. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Die Weichen sind gestellt: Im Sommer wechselt wieder eine Generation Viertklässler von der Grundschule auf die Oberschule oder das Gymnasium. Nur in Leipzig-Lindenau ist das anders. In der Nachbarschaftsschule lernen Kinder gemeinsam von der ersten bis zur zehnten Klasse. Das funktioniert seit 25 Jahren, und trotzdem firmiert die „Nasch“ in Sachsen immer noch als Schulversuch.

Die Verbindung von Grund- und Oberschule entspreche nicht dem sächsischen Schulsystem, so das Kultusministerium auf Anfrage. Bisher sei im Schulgesetz-Entwurf nicht vorgesehen, die „NaSch“ zur kommunalen Regelschule zu machen. Änderungen könnten aber noch über den Landtag erfolgen, so die Behörde weiter.

Für die „NaSch“ wäre das im Jubiläumsjahr das Tüpfelchen auf dem I. „Wir möchten im Schulgesetz einen Platz finden“, bestätigt Regina Walter. Die Mathematik- und Physiklehrerin ist nebenbei auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Und wenn sie über ihre Schule spricht, wird klar: Die behördliche Anerkennung wäre wichtig, sehr wichtig. Aber die Bestätigung für ihr Konzept bekommt die „Nasch“ in der täglichen Arbeit.

Riesiger Andrang

Der Andrang für die Gemeinschaftsschule ist riesig, das zeigen die Zahlen der Bildungsagentur. 526 Kinder bevölkern derzeit den Komplex aus hellen Schulgebäuden zwischen Odermann- und Gemeindeamtsstraße. Für die erste Klasse gibt es derzeit laut Bildungsagentur 150 Anmeldungen, weit mehr, als die Schule aufnehmen kann. Rund ein Drittel findet schließlich einen Platz. Rein rechnerisch gibt es in der „Nasch“ pro Jahrgang zwei Klassen mit jeweils 28 Kindern.

„Die Schule wird zwar im Prinzip zweizügig geführt“, erklärt Walter. Aber bis zum dritten Schuljahr lernen die Kinder in altersgemischten Klassen. Die Jüngeren könnten von der Hilfe der Älteren profitieren. Auch die soziale Mischung spielt an der „Nasch“ eine Rolle: „Bei uns kommen verschiedene Milieus zusammen“, so Walter, das wecke Verständnis für verschiedene Lebenssituationen. Und die Kinder duzen alle Lehrer – auch das ist anders als in anderen Schulen. Mit gegenseitigem Respekt funktioniert das gut.

Keine Bildungsempfehlung in Klasse 4

Weniger Stress, mehr soziale Fähigkeiten, das formulierte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) jüngst als ein Ziel des neuen Schulgesetzes in Sachsen. Viel davon scheint in der „NaSch“ schon zu funktionieren. So gibt es zwar ausführliche verbale Beurteilungen der Schüler, Zensuren aber erst ab Klasse 7. Eine Bildungsempfehlung in der vierten Klasse bekommen die „NaSch“-Kinder nicht. „Es sei denn in Einzelfällen, etwa weil ein Kind den Wohnort wechselt“, so Walter.

Dass die Nachbarschaftsschule deshalb jüngst in einer Statistik des Kultusministeriums als Leipzigs Schule mit den wenigsten Bildungsempfehlungen fürs Gymnasium auftauchte, trägt Walter mit Fassung. „Aber es vermittelt doch ein falsches Bild“, sagt sie. Denn fachlich kann die „NaSch“ eine gute Bilanz vorweisen. So wählen laut Bildungsagentur nach der 10. Klasse mehr als die Hälfte der Absolventen eine weiterführende Schule. Vom Gymnasium und Beruflichem Gymnasium bis zur Fachoberschule reicht die Palette der ausgewählten Möglichkeiten.

Andere Schulen profitieren

Damit die Bildungswege offen bleiben, sollen so viele Kinder wie möglich zum Realschulabschluss geführt werden. Ende der 8. Klasse teilt die Schule in Real- und Hauptschüler ein. Bis zum Ende der 9. Klasse sollen die Hauptschüler dann speziell gefördert werden. „Wenn das im Klassenverband geschieht, ist das eine große Herausforderung“, so Walter. Einfacher sei es, wenn sieben bis neun Schüler zu einer extra Lerngruppe zusammengefasst werden könnten. Stolz ist sie, dass eine Reihe dieser Kinder am Ende tatsächlich den Realschulabschluss besteht.

Träger der kommunalen Schule ist die Stadt Leipzig. Wie das Sozialdezernat bestätigt, profitieren auch andere Schulen in Sachsen, Lehrer, Erzieher und Studenten von den Lindenauer Erfahrungen. Ihr eigenes Konzept entwickelt die „NaSch“ kontinuierlich weiter.

25-Jahr-Feier im August

Aus Sicht der „NaSch“ stimmen alle Koordinaten, um nach einem Vierteljahrhundert als kommunale Regelschule in Sachsen verankert zu werden. Die Schule will auch weiterhin ohne Gebühren funktionieren, offen für alle, die das Prinzip schätzen. Doch Mitte 2017 läuft die Genehmigung für den Schulversuch aus. Und dann?

Sofern keine Regelung im Schulgesetz erfolge, werde der Schulversuch langfristig verlängert, versichert das sächsische Kultusministerium auf Anfrage von LVZ.de. Am 26. August 1991 wurde die Nachbarschaftsschule gegründet. Eine große Festwoche ist in Vorbereitung. Denn was das Jubiläumsjahr auch bringt: Im Sommer wird in Lindenau gefeiert.

Zur NaSch-Webseite

Von Evelyn ter Vehn

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