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Nasur Yurushbaev bringt Leipzigs Wahrzeichen in den Ural - ins Dorf Leipzig

Nasur Yurushbaev bringt Leipzigs Wahrzeichen in den Ural - ins Dorf Leipzig

Er hat sogar einen echten Stein im (Über-)Gepäck: Nasur Yurushbaev (53) will in Leipzig ein Völkerschlachtdenkmal bauen. Das gibt es schon? Aber nicht im 722-Seelen-Ort Leipzig hinter den Ural-Bergen.

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Ist mit einem Stein vom Völkerschlachtdenkmal in den Ural geflogen: Nasur Yurush­baev. Im dortigen Leipzig will er ein Mini-Denkmal bauen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Togosak-Fluss möchte der Künstler und Dokumentarfilmer, der diese Woche dorthin gereist ist, ein immerhin 9,20 Meter großes Völkerschlachtdenkmal im Kleinformat errichten, das sogar begehbar sein wird.

Das klingt zwar ein wenig verrückt, macht aber auch historisch Sinn. "Im Dorf Leipzig leben Nachfahren von Kosaken, die 1813 auf preußischer Seite gegen Napoleon kämpften", erklärt Yurushbaev, der selbst von Gaina-Kosaken abstammt und sich sehr intensiv mit ihrer Geschichte beschäftigt hat. Seit 1992 lebt er mit seiner Familie und drei Kindern in Leipzig. Und zieht auch regelmäßig die Kosaken-Uniform an, etwa bei den Gefechtsdarstellungen zum Gedenken an die Völkerschlacht. Allein drei baschkirische Regimenter haben mit den Russen unter Zar Alexander 1. gegen Napoleon gekämpft. Sie waren mit Pfeil und Bogen ausgestattet, durften keine Gewehre tragen. Der Zar hatte Angst, dass sie sich gegen ihn erheben. "Wegen der geschwungenen Form ihrer Bögen nannten die Franzosen sie les armores", erklärt Yurushbaev. Die Reiter waren aber außerordentlich wendig und ernst zu nehmende Gegner. Vor der Russischen Kirche gibt es übrigens ein kleines Denkmal für baschkirische Kosaken, das er und Irek Baischev mit Hilfe der Stadt Leipzig geschaffen haben.

1843 wurde das Dorf Leipzig bei Tscheljabinsk erbaut, als kosakische Siedlung zur Verteidigung. 32 solcher Posten sind an einer 400 Kilometer langen Grenzen entstanden - Nr. 29 wurde Leipzig benannt. Es sind aber auch andere Namen wie Paris oder Berlin zu finden. Klein-Leipzig besteht aus bäuerlichen Wirtschaften. Die Kolchose gehört zwar der Vergangenheit an, Landwirtschaft wird aber nach wie vor betrieben. Es gibt sogar eine Schule, in der auch Deutsch unterrichtet wird. Dazu einen Kindergarten und ein Kulturhaus. In Paris, einem der Nachbardörfer, hat eine Telefon-Gesellschaft einen Funkmast in Form des Eiffelturms erbaut, sozusagen en miniature. Deshalb sind Elsa Timerchanowna, die Bürgermeisterin von Leipzig, sowie die anderen Einwohner begeistert von der Völkerschlachtdenkmalsidee.

Von hinten soll das Monument eine Treppe haben, damit Besucher in die Weite der Steppe schauen können. Im Inneren gibt es einen Sarkophag und eine Ausstellung. "Steine gibt es im Ural genug, sie liegen quasi vor der Haustür. Bauleute und ein Kran stehen bereit", sagt Yurushbaev, der bis Ende Januar dort leben und den Härten des Winters trotzen will. Darüber will der freiberufliche Journalist auch einen Dokumentarfilm drehen.

Ganz ohne Hilfe funktioniert das ehrgeizige Projekt, das Yurushbaev "seine Mission" nennt, freilich nicht. Es fallen Kosten von gut 100 000 Euro an, die über Spenden und Sponsoren aufgebracht werden müssen. Verschiedene Leipziger Vereine wie das Deutsch-Russische Zentrum, der Verein Zu Hause oder der Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 sowie Privatpersonen wie Jens-Uwe Zäumer von der Firma Arobena unterstützen die Initiative. Für Yurushbaev wäre es eine Riesenfreude, wenn das Mini-Denkmal - das zumindestens einen Originalstein aus Leipzig haben wird - im Jahr der 1000-Jahrfeier 2015 steht. "Das Denkmal wird allen Soldaten aus der russischen Armee, die in der Völkerschlacht kämpften, gewidmet sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.11.2014

Mathias Orbeck

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