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Bildung Neue Bildungsempfehlung – Eltern dürfen Schulform bestimmen
Leipzig Bildung Neue Bildungsempfehlung – Eltern dürfen Schulform bestimmen
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14:24 28.02.2018
Künftig haben die Eltern das letzte Wort, wenn es um den Wechsel an eine weiterführende Schule geht. (Symbolbild) Quelle: dpa
Dresden

Die angekündigte Änderung der Bildungsempfehlung stellt die Gymnasien nach Einschätzung des Sächsischen Philologenverbandes vor Herausforderungen - vor allem in Dresden und Leipzig. «Wenn mehr Schüler auf das Gymnasium wechseln, kann das zu Kapazitätsproblemen führen», sagte der Landesvorsitzende Frank Haubitz. Der Verband vertritt vor allem die Gymnasiallehrer im Freistaat. Denkbar seien zusätzliche Klassen - in den meisten Fällen eine fünfte Klasse - oder größere Klassen. «Wenn ich die Zimmer habe, muss ich dann eben 28 statt 25 Schüler aufnehmen», erklärte Haubitz, der Direktor an einem Dresdner Gymnasium ist.

Eltern haben das letzte Wort

Nach einer Gerichtsentscheidung hatte die Regierungskoalition reagiert und einen Gesetzentwurf zur Bildungsempfehlung vorgelegt. Damit haben künftig Eltern das letzte Wort, wenn es nach der vierten Klasse um den Wechsel ans Gymnasium geht. Bisher zählte der Notendurchschnitt von mindestens 2,0 in Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Die Änderung soll Anfang Februar im Plenum beschlossen werden, die erste neue Bildungsempfehlung gibt es dann am 1. März.
Bereits am Freitag hat der Schulausschuss des Landtags grünes Licht für die neue Bildungsempfehlung gegeben. Die Novelle gebe eine klare und treffsichere Orientierung für die schulische Zukunft nach der vierten Klasse, teilten die Fraktionen von CDU und SPD in Dresden mit. «Zugleich stärken wir das in der Sächsischen Verfassung verbriefte Elternrecht zur Letztentscheidung», meinte CDU-Bildungsexperte Lothar Bienst.
Nach Angaben seiner SPD-Kollegin Sabine Friedel verständigten sich die Regierungsfraktionen darauf, die Entscheidungsfrist der Eltern von zwei auf drei Wochen zu verlängern sowie klarzustellen, dass alle Schüler an einem einheitlichen Auswahlverfahren teilnehmen. «Bei den in den kommenden Wochen anstehenden Entscheidungen in den Familien der derzeitigen Viertklässler werden die Eltern mit Augenmaß und in enger Beratung mit den Pädagogen über die schulische Laufbahn ihrer Kinder entscheiden», betonten sie.

Gefahr von überfüllten Gymnasien?

Die Linke warnte unterdessen vor einem Ansturm auf die Gymnasien in Dresden und Leipzig - und einer Verschlechterung der Lernbedingungen. Die Partei rechnet mit etwa 1500 zusätzlichen Schülern, die an die öffentlichen Gymnasien im Freistaat strömen. Die Grünen halten das nicht für realistisch. «Ich denke, dass in den meisten Fällen die Eltern der Empfehlung der Schule vertrauen», bemerkte die Grünen-Abgeordnete Petra Zais. Dennoch appellierte sie an das Land, die Schulträger bei der Schaffung zusätzlicher Räume zu unterstützen und mehr für die Gewinnung neuer Lehrer zu tun. «Da muss spürbar mehr passieren.»
Laut Kultusministerium könne derzeit niemand seriös die Schülerzahl prognostizieren. «Es wird aus unserer Sicht aber keinen Run aufs Gymnasium geben», sagte ein Sprecher. Das Ministerium verwies auf die rund 400 Kinder im vergangenen Jahr, die eine Extra-Prüfung ablegten, weil sie aufs Gymnasien wollten, ohne den erforderlichen Notendurchschnitt erreicht zu haben. Dies könne als Richtwert dienen, worauf sich die Schulen im neuen Schuljahr einstellen müssten. 2015/2016 hatten 46,5 Prozent der Schüler eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, 41 Prozent machten davon Gebrauch.
«Losgelöst von der neuen Bildungsempfehlung stehen die Großstädte ohnehin vor dem Problem, für die steigenden Schülerzahlen entsprechende Schulkapazitäten zu schaffen», hieß es im Kultusministerium.

Dresden stellt sich auf mehr Gymnasialschüler ein

So plant Dresden nach eigenen Angaben, die Kapazitäten für 2017/2018 zu erweitern, die Gründung von zwei neuen Gymnasien in Pieschen und Tolkewitz ist geplant. Dresden rechne aufgrund der Änderung der Bildungsempfehlung mit mehr Schülern, die auf das Gymnasium wechseln, hieß es. «Wie groß die Steigerung ausfallen wird, kann erst mit den Anmeldezahlen im März 2017 beantwortet werden», sagte der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Falk Schmidtgen.
Eltern, deren Kinder keine Empfehlung für das Gymnasium bekommen, können diese bis zum 8. März dennoch an einem Gymnasium ihrer Wahl anmelden. Am Tag darauf nehmen die Schüler dann an einer schriftlichen Prüfung teil, bei der es keine Noten gibt. Die Ergebnisse fließen in das verpflichtende Beratungsgespräch ein.

Mehr Verantwortung für die Eltern

Haubitz appellierte an die Eltern, ihre Kinder nicht um jeden Preis aufs Gymnasium zu schicken. «Es geht um die Kinder und nicht um die Selbstverwirklichung der Eltern», betonte der Pädagoge. Die Jungen und Mädchen könnten auch später auf das Gymnasium wechseln oder ihr Abitur auf anderem Wege machen. Haubitz riet zu einer Entscheidung mit Augenmaß. Denn ein Wechsel vom Gymnasium an die Oberschule könnte gerade in der Pubertät schwerwiegende Folgen haben. Die Eltern hätten nun mehr Verantwortung. «Den schwarzen Peter, wenn das Kind scheitert, kann man nun nicht mehr den Lehrern zuschieben.»

Den Grünen ist die die Umsetzung des Elternrechts zu kompliziert. «Es bleibt weiterhin schwierig und bürokratisch und die Eltern brauchen Durchhaltevermögen», so Petra Zais.

LVZ

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