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Partyprojekt: "Nach der Schicht müssen die Schicksale aus dem Kopf"

Partyprojekt: "Nach der Schicht müssen die Schicksale aus dem Kopf"

Das sogenannte Partyprojekt des Leipziger Uniklinikums hat nichts mit Spaß zu tun: Es verdeutlicht Jugendlichen, welche Konsequenzen mit Verkehrsunfällen verbunden sind.

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Schüler der International School und Mediziner an der Notaufnahme des Uni-Klinikums. Beim Party-Projekt werden sie mit der Rettungskette vertraut gemacht.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Auf der Tour durchs Klinikum lernen die Teilnehmer die Rettungskette kennen.

"Freiwillige vor!" Krankenschwester Julia Schröder schaut kurz reihum, dann greift sie sich Tim Möller aus der Schülergruppe und erklärt: "Du spielst jetzt bitte mal den Patienten, der gerade zu uns gebracht wird." Ort des Geschehens ist der Schockraum des Leipziger Uni-Klinikums (UKL) und der Anlass das sogenannte Partyprojekt. Mit Spaß, wie der Name verheißen könnte, hat es nichts zu tun. Das Programm soll Jugendlichen verdeutlichen, welche Konsequenzen mit Verkehrsunfällen verbunden sind, wie die Rettungskette funktioniert, wie Fahrten ins Verderben führen können, wenn Selbstüberschätzung oder Nachlässigkeit, Alkohol oder Drogen im Spiel sind. "Wir wollen für die Risiken sensibilisieren, das Verantwortungsgefühl für sich andere bei den Schülern stärken, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist", meint Ralf Henkelmann, Assistenzarzt in der Unfallchirurgie. Für diese Art der Prävention investieren UKL, Polizei und Rettungsdienst viel, jeder Projekttag dauert von 9.30 bis 15 Uhr.

Er startet mit einer kurzen Einführung, dann gehen die Schüler auf Tour durchs Klinikum - Notaufnahme, Schockraum, Intensivstation (ITS), Normalstation, Rehabilitation, Physiotherapie. Als sich gestern rund 30 Zehntklässler der International School Leipzig in drei Gruppen auf den Weg durchs UKL machen, gibt Henkelmann noch einige Verhaltensregeln: "Immer die Hände desinfizieren, wenn jemandem unwohl wird, das sofort signalisieren, dafür braucht sich keiner zu schämen. Besonders auf der ITS wird euch einiges abverlangt." Dort empfängt Pflegedienstleiter Thomas Jung die Schüler und ihren Klassenlehrer Ian Mills. Hektik herrscht keine, dafür professionelle Betriebsamkeit. "Hier weiß jeder genau, was er zu tun hat", so Jung. 30 Ärzte und 150 Pfleger kümmern sich alleine auf dieser ITS mit 58 Betten rund um die Uhr um Patienten mit schwersten Krankheitsbildern. "Es ist nicht jedem gegeben, hier arbeiten zu können. Man muss in der Lage sein, nach der Schicht abzuschalten und den Kopf frei zu machen von den Schicksalen." Jung ist seit 28 Jahren auf der ITS.

Zwei Schüler wechseln die Gesichtsfarbe, werden in einem Aufenthaltsraum platziert - sind nach wenigen Minuten wieder fit. Clarissa Tkatzika hat keine Probleme , ist aber hin- und hergerissen von den Eindrücken: "Die vielen helfenden Hände, die blinkende und piepende Medizintechnik, die schlimmen Verletzungen - das ist eine ganz eigenartige Atmosphäre". Und Tim Moeller hat "großen Respekt davor, was hier aufopferungsvoll geleistet wird". Da weiß er noch nicht, was ihm blüht. Kurz darauf, im Schockraum, findet er sich als Proband, oder besser gesagt als Simulant wieder. Im Rollenspiel fungiert Tim als gerade eingelieferter Verletzter eines Verkehrsunfalls. Seine Mitschüler betten ihn auf das Kommando von Julia Schröder um. Henkelmann nimmt eine Sonografie vor, druckt das Bild aus und kann sich eine Bemerkung nicht verkneifen. "Naja, schwanger ist er jedenfalls nicht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2014

Mario Beck

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