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Bildung Patienten-Akten des Jahres 2013 - Leipziger Zootierarzt Andreas Bernhard gewährt Einblick
Leipzig Bildung Patienten-Akten des Jahres 2013 - Leipziger Zootierarzt Andreas Bernhard gewährt Einblick
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23:59 28.01.2014
Die kleine Thomsongazelle wurde im April 2013 per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Quelle: Zoo Leipzig

Im März wäre der Zoo beinahe geschlossen worden, zum Glück erwies sich der Verdacht auf Pseudowut als falsch.

"Das Jahr 2013 geht als Jahr der Seuchenalarme in die Zoogeschichte ein", erzählte der Doktor bei seinem Jahresreport vor dem Freundes- und Förderverein Zoo. Erster Fall: Nach der jährlichen Blutentnahme bei den Pustelschweinen schlugen Labor und Amtstierärztin Alarm. Verdacht auf Aujeszkysche Krankheit, das heißt Pseudowut. "Das hätte bedeutet, der Zoo muss sofort zugemacht werden", so Bernhard. Er hielt den Befund aber für ausgeschlossen und konnte die Behörden von einer nochmaligen Untersuchung aller Schweine überzeugen. Das Ergebnis fiel negativ aus. Zweiter Fall: In der Wasservogelaufzucht brach Salmonellose aus. "Wir mussten Maßnahmen ergreifen, um die Ausbreitung im Vogelbestand und die Ansteckung von Pflegern zu vermeiden", so der 53-Jährige. Besucher waren nicht gefährdet, sie haben zu diesem rückwärtigen Bereich keinen Zugang.

365 Patienten hatte der Zootierarzt im Vorjahr zu behandeln: 269 Säugetiere, 66 Vögel, 25 Reptilien oder Amphibien und fünf Fische oder Fischgruppen. 119 Patienten wurden in Narkose gelegt. Hier die interessantesten Fälle.

Schwierige Geburten: Dramatischster Fall war Giraffe Emma. Im Februar führten die Tierärzte einen mehrtägigen Kampf um ihr Jungtier. Sie zogen ihr schließlich ein totes Kalb aus dem Leib, danach starb Emma an Herz-Kreislauf-Versagen. Glücklich endete dagegen die Kaiserschnitt-Entbindung bei einer Thomsongazelle. Das Jungtier kam auf die Beine, im Gegensatz zu einem anderen Gazellenkind, das auf normalem Weg geboren wurde. Es starb einen Tag später. Bei den Weißnacken-Moorantilopen gab es drei Geburten. Zweimal musste der Tierarzt eingreifen, weil der Kopf herausgetreten war und die Geburt dann stockte. Eines der Jungtiere war ebenfalls schon längere Zeit tot.

Sterilisationen: Hyäne Lubanga lag im Januar 2013 auf dem OP-Tisch. Sie hat viele Nachkommen, die an die verschiedensten europäischen Zoos abgegeben worden sind. Nun soll sie keine Jungen mehr bekommen und wurde sterilisiert. Die Kastration ereilte im Juli auch den Giraffen-Jungbullen Moseqi. Für ihn fand sich kein Platz in einem anderen Zoo. So kann er in der Leipziger Herde bleiben.

Krebspatienten: Bartaffendame Mohini sollte im September in Narkose eigentlich nur untersucht und behandelt werden. Doch wie sich zeigte, war ihr Bauch voll von wucherndem Krebsgewebe - die 23-Jährige wurde gleich auf dem OP-Tisch eingeschläfert. Keine Chance gab es auch für eine Kattadame, die einen Tumor hatte, mit Metastasen in Brusthöhle und Lungen. Auch ihr Leben endete im Operationssaal.

Nabelblutung: Lebensgefahr für das im September geborene Nashornbaby: Bei ihm spritzte das Blut im Pulstakt aus dem Nabel heraus, es stand schon in einer Blutpfütze. Doktor Bernhard konnte das Jungtier von der Mutter trennen und den Nabel abbinden - alles wurde gut.

Wundgeleckter Bauch: Löwin Luena musste im September in Narkose gelegt werden. Sie hatte eine große Wunde am Bauch, die sie immer wieder leckte. Pilze wurden keine gefunden, möglicherweise hatte sich ein Insektenstich infiziert. Luena bekam Medikamente gegen den Juckreiz - erfolgreich, das Fell wuchs wieder.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2014

Kerstin Decker

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