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Prachtstücke im Uni-Paulinum: Viele Epitaphien glänzen schon im Andachtsraum

Universität Leipzig Prachtstücke im Uni-Paulinum: Viele Epitaphien glänzen schon im Andachtsraum

Vor gut einem Jahr begann die Installation von Gedächtnismalen im neuen Kirche-Aula-Bau der Leipziger Uni. Nun zieren schon viele der kostbaren Epitaphien den dortigen Andachtsraum. Im Sommer 2016 soll das Großprojekt vollendet sein.

Uni-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen im mit Epitaphien bestückten Andachtsraum des Paulinums.

Quelle: André Kempner

LEIPZIG. Historische Prachtstücke im Paulinum der Leipziger Uni auf dem Campus am Augustusplatz: Nach dem Start der Installation von wertvollen Gedächtnismalen vor gut einem Jahr im Andachtsraum des monumentalen Kirche-Aula-Baus, haben inzwischen die meisten der sogenannten Epitaphien ihren Platz gefunden. Von Fachleuten filigran und mit finanzieller Unterstützung zahlreicher Sponsoren restauriert, sind die bis zu zwei Tonnen schweren, geschichtsträchtigen Kunstwerke nach und nach aus einem Depot in der City an ihren Bestimmungsort gebracht und dort montiert worden. Beim exklusiven Rundgang für die LVZ zeigte sich Universitätskustos Rudolf Hiller von Gaertringen am Mittwoch zuversichtlich, dass das Großprojekt bis zum Sommer 2016 vollbracht sein könnte. „Es gibt aber noch eine Finanzierungslücke, die wir schließen müssen.“

Der Altar ist abgedeckt, droben sitzt die Schwalbennest-Orgel in einer Nische, die Trennwand zum Aulabereich mit der großen Jemlich-Orgel ist geschlossen. Inmitten des Andachtsraumes steht ein fahrbares Gerüst, am Boden liegen Pläne, wo und wie die Epitaphien gehängt werden. Aus Stein, Holz oder Metall wurden sie einst als Erinnerungsstücke an Persönlichkeiten gefertigt, die zum Lehrkörper gehörten oder sich um die Alma mater verdient machten. Vor der Sprengung der Paulinerkirche am 30. Mai 1968 konnte der Großteil der Kostbarkeiten aus dem Gotteshaus geborgen werden, doch dann schloss sich eine Odyssee an, bei der sie litten. Erst eingelagert im Keller des ehemaligen Reichsgerichtes und später in die Heilandskirche verfrachtet, nahmen sie Schaden.

Gaertringen erinnert sich noch an jenen Tag im Jahr 2002, als er das Kulturgut in diesem bedauernswerten Zustand erstmals sah. „Das war ein erschreckender Anblick und mir wurde bewusst, welche Mammutaufgabe da vor uns liegt.“ Jetzt, wo den klimatisierten Altarraum rundum Epitaphien zieren und Universitätsgeschichte bezeugen, geht ihm das Herz auf. „Das macht all die Anstrengungen vergessen. Ein Schatz der Erinnerungskultur kehrt zurück.“ Letztlich sollen insgesamt 21 großformatige und eine Reihe kleinerer Epitaphien den Andachtsraum rahmen ohne ihn zu überfrachten. „Die Objekte brauchen gewissermaßen Luft zum atmen, sie sollen ihre Strahlkraft entfalten können.“

Zwei Epitaphien im Paulinum

Zwei Epitaphien im Paulinum.

Quelle: André Kempner

In den letzten Wochen wurde wieder kräftig Hand angelegt, auch von den Berliner Restauratoren Manfred Sährig und Thomas Schubert sowie dem Bildhauer Thomas Leu aus Halle, der verloren gegangene Komponenten der Epitaphien aus Metall nachbildet und motivtreu bedruckt. „Sie interagieren dann mit den Originalteilen, bleiben aber bewusst als Nachbildungen erkennbar, denn die Epitaphienwelt ist nunmal keine heile“, meint Gaertringen. Beim frisch angebrachten Gedächtnismal, das dem Leipziger Handelsmann und Hospitaldirektor Wilhelm von Ryssel (1634 – 1703) gewidmet ist, wird das deutlich. Weil das große Kreuz des Holz-Epitaphs fehlte, wurde es nachgestaltet und fügt sich nun in das Gesamtkunstwerk ein, dem auch ein stilisierter Sarkophag zugehört. Gaertringen ist ein Mann der leisen Töne, saugt beim Rundgang die Aura des Raumes auf. „Das ist etwas ganz Besonderes.“

Uni-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen bei der Arbeit

Uni-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen bei der Arbeit.

Quelle: André Kempner

Einst hatte die Universität das Sonderprivileg, Bestattungen in der Paulinerkirche vorzunehmen. Aber mit Epitaphien wurden nicht nur dort Beigesetzte bedacht. Noch warten einige Gedächtnismale auf ihre Auferstehung im Paulinum. „Hier haben wir das des Medizinprofessors Michael Heinrich Horn, der 1681 das Zeitliche segnete“, erklärt Gaertringen und zeigt auf fein säuberlich sortierte Segmente. Aus Alabaster und schwarzem Marmor sind sie gefertigt. „Da wartet noch viel Arbeit.“

 

Von Mario Beck

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