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Professuren-Umwidmung: Am Uni-Institut für Geophysik und Geologie rumort es

Leipziger Geowissenschaften Professuren-Umwidmung: Am Uni-Institut für Geophysik und Geologie rumort es

Es rumort am Leipziger Uni-Institut für Geophysik und Geologie. Nachdem die Einrichtung bereits personell stark dezimiert wurde, fürchten die verbliebenen Mitarbeiter nun, dass die Kernkompetenzen des Institutes perspektivisch fast vollständig verloren gehen könnten.

Technische Ausstattung bestens, aber personell bereits stark dezimiert: Am Leipziger Uni-Institut für Geophysik und Geologie könnte von den drei angestammten Lehrstühlen perspektivisch nur die Geologie-Professur von Thomas Brachert (links) übrig bleiben
 

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Während am Sonnabend die Erde in der Leipziger Region kurzzeitig spürbar bebte, rumort es an dem in die Erdbebenmessung und -forschung stark eingebundenen Leipziger Uni-Institut für Geophysik und Geologie schon seit längerem. Nachdem die in der Talstraße beheimatete Einrichtung vor über zehn Jahren im Rahmen einer sachsenweiten Hochschul-Strukturreform bereits personell stark dezimiert wurde, fürchten die verbliebenen Mitarbeiter nun, dass die Kompetenzen des Institutes perspektivisch fast vollständig verloren gehen könnten. „Wir sehen die aktuellen Weichenstellungen mit großer Sorge“, sagte Direktor Professor Werner Ehrmann namens der Belegschaft.

Hintergrund: Auf Beschluss des Rates der Fakultät für Physik und Geowissenschaften sollen zwei der drei noch bestehenden Lehrstühle des Institutes zugunsten eines geplanten Fernerkundungszentrums für Erdsystemforschung umgewidmet werden. Damit würde nach der im Jahr 2021 anstehenden Emeritierung von Professor Michael Korn die Geophysik faktisch nicht mehr vertreten sein. Und mit dem altersbedingten Ausscheiden von Ehrmann 2023 wäre die Geologie nur noch durch Professor Thomas Brachert und eine einzige Mitarbeiterstelle am Institut verankert. Der Master-Studiengang „Geowissenschaften: Umweltdynamik und Georisiken“ könnte so nicht fortgeführt werden, wissenschaftlich würde wertvolle, auch international anerkannte Expertise verloren gehen.

Unklar ist angesichts dieser Vorzeichen auch, wie es mit den bisher unter der Ägide von Korn betriebenen Erdbeben-Messungen am geophysikalischen Observatorium auf dem Collmberg bei Oschatz und den anderen von der Uni betriebenen seismischen Stationen in Sachsen weitergehen soll. Am Sonnabend war auch dank des Collm-Observatoriums das Epizentrum des Erdstoßes bei Leipzig genau geortet worden.

 „Wir verschließen uns nicht Veränderungen, aber was jetzt angestrebt wird, läuft auf eine Abwicklung der Geophysik und Geologie hinaus“, so Ehrmann. Ihm komme es vor, als solle das Institut „als personeller Steinbruch“ für die Fakultät herhalten. Angesichts der perspektivisch anstehenden zwei Emeritierungen hatten Ehrmann und Kollegen ein eigenes Konzept mit Schwerpunktverlagerungen vorgelegt. Bei den Neuberufungen sollte demnach die eine Professur das Gebiet Umweltgeophysik plus Umweltfernerkundung abdecken, die andere den Bereich Umweltgeologie/Quartärgeologie und Umweltfernerkundung umfassen. Doch Fakultät und Uni-Rektorat haben mit Blick auf das neue Fernerkundungszentrum anderes vor: Demnach soll sich eine von der Uni und dem hiesigen Helmholtz-Zentrum (UFZ) gemeinsam initiierte Professur auf die Analyse des Energie- und Wasserkreislaufes im Erdsystem beziehen und der zweite zu besetzende Lehrstuhl auf Modellierungsverfahren – beide sind explizit auf Fernerkundung ausgerichtet. Wie auch eine dritte mit Geo-Ökosystemen befasste Professur. In den Arbeitstiteln für die Professuren kommen die Worte Geophysik und Geologie nicht vor.

Gleichwohl sieht Uni-Rektorin Professorin Beate Schücking für das Institut „die große Chance, sich gemeinsam mit dem UFZ im Schwerpunkt Fernerkundung weiterzuentwickeln“. Verwiesen wird in diesem Kontext auf die mit dem sächsischen Wissenschaftsministerium geschlossene Zielvereinbarung, in der fixiert ist, dass sich die Geowissenschaften an der Alma mater speziell mit erdnahen Oberflächen, quartären Umweltfragen und der Fernerkundung befassen sollen. Dieser Intention folgend, solle die Kooperation des Institutes für Geophysik und Geologie mit denen für Meteorologie, Geografie und Biologie an der Uni sowie mit dem UFZ und dem Tropos-Institut der Leibniz-Gemeinschaft gestärkt werden, hieß es.

Was langfristig aus dem Studiengang wird, bleibt vage. Aus Sicht der Uni-Leitung werde er wahrscheinlich „entsprechend der geowissenschaftlichen Schwerpunktsetzung“ ausgestaltet. Gestartet war die Ausbildungsrichtung „Umweltdynamik und Georisiken“ im Jahr 2007, nachdem das Institut ein Tal der Tränen durchschritten hatte. Beim teilweisen Umbau der Hochschullandschaft fiel damals über die Hälfte der vormals 26 Stellen des Institutes weg – zugunsten der Bergakademie in Freiberg. Die Diplom-Studiengänge Geologie/Paläontologie und Geophysik wurden gestrichen. Einst war die Leipziger Uni sogar mit zwei entsprechenden Instituten ausgestattet, dem für Geophysik, das 1913 entstand, und dem 1895 gegründeten für Geologie und Paläontologie.

Von Mario Beck

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