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Bildung Protest in Thonberg - Förderschule will nicht umziehen
Leipzig Bildung Protest in Thonberg - Förderschule will nicht umziehen
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23:59 18.05.2014
Sie trotzen der Hiobsbotschaft und geben sich kämpferisch: Schüler, Eltern und Sympathisanten der Förderschule Thonberg. Quelle: André Kempner

Am Wochenende demonstrierten Eltern und Kinder in der City öffentlichkeitswirksam gegen einen Umzug an den östlichen Stadtrand. Eine Unterschriftenaktion, mit der das Amt für Jugend, Familie und Bildung gestoppt werden soll, ist im Gange. Bislang liegen mehrere hundert Sympathie-Autogramme vor. Solidaritätsbekundungen kommen vom Behindertenbeirat, vom Stadtelternrat und von Kommunalpolitikern (siehe Kasten "Stimmen").

Die Stadtspitze um Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat dem Zwei-Millionen-Projekt bereits ihren Segen erteilt, bastelt an einer Beschlussvorlage für die Damen und Herren Stadträte. "Mit dem Umzug der Schule Thonberg an einen neuen Standort werden ihre räumlichen Bedingungen verbessert, wird die Grundlage für die inhaltliche Weiterentwicklung dieser Förderschule gelegt", lässt Leipzigs Schul- und Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) offiziell verlauten. Hintergrund: Seit Langem teilt sich die Förderschule Thonberg mit der 77. Schule - einer Grundschule - in der Riebeckstraße 50 ein Gebäude. Ein Umbau der zuletzt leerstehenden Immobilie Hainbuchenweg 13, einst Domizil der ehemaligen Heinrich-Heine-Schule, bescherte ihr erstmals in ihrer 23-jährigen Geschichte ein eigenes Schulhaus - was der Bürgermeister und dessen Mitarbeiter im Bildungsamt gern hervorheben. Doch tatsächlich geht es ihnen nicht nur um die "perspektivische Erweiterung" der momentan zweizügigen und von 70 Mädchen und Jungen besuchten Förderschule, sondern auch um die Behebung eines Engpasses. Denn nach Hochrechnungen der Verwaltung fehlen in den Stadtbezirken Südost und Ost perspektivisch Grundschulplätze. Würde die Förderschule weichen, bestünde in Thonberg Raum für eine vierzügige Grundschule mit Hort.

Von der Schulkonferenz der Einrichtung für geistig Behinderte und den Eltern wird Fa- bians Vorhaben als wenig segensreich empfunden. Sie wollen die Vertiefung der Zusammenarbeit mit der 77. Schule, "insbesondere zur Realisierung der Inklusion von behinderten und nicht-behinderten Schülern", wie es Schulleiterin Sieglinde Heinrich und Elternsprecher Reinhard Geßner in einer Stellungnahme der Schulkonferenz formulieren. Sie wollen den Erhalt der "über Jahre aufgebauten und für die Integration der heranwachsenden behinderten Kinder und Jugendlichen immens wichtigen" Kooperation mit der benachbarten Werkstatt für Behinderte der Diakonie am Thonberg, aber auch die Nähe zur Behindertenwerkstatt der Caritas in Meusdorf. Und sie wollen "gleiche Rechte für behinderte und nicht-behinderte Menschen. Auch behinderte Schüler sollten in Wohnortnähe beschult werden und nicht am Stadtrand von Leipzig."

Zugleich möchten die Förderschulleitung und die Elternvertreter der Kommune bei der Schaffung neuer Kapazitäten für die 77. Schule nicht im Wege stehen. Daher haben sie Alternativvorschläge unterbreitet, darunter die Errichtung eines Containerbaus auf Freiflächen im Umfeld der Riebeckstraße 50 oder der Turnhalle nebenan. Der Südosten der Stadt biete aber auch Räume für langfristige Lösungen, etwa den Erwerb eines Grundstücks am Lene-Voigt-Park oder die Nutzung eines Gebäudes auf dem Areal der verwaisten ehemaligen Uni-Kinderklinik. "Die Schule Thonberg ist fantastisch. Mein Sohn Ricardo hat hier, anders als zuvor in Berlin, innerhalb von nur anderthalb Jahren Lesen und Schreiben gelernt. Dieser Erfolg ist ein Verdienst der unglaublich engagierten Lehrerschaft und der hervorragenden Integration in die seit 23 Jahren gewachsenen Strukturen in Thonberg", sagt Elternvertreter Geßner. Eine derartige Integration könne in Paunsdorf niemals geschaffen werden, "weil es dort keine Behindertenwerkstatt in unmittelbarer Nähe und keine kurzen Wege zu den öffentlichen Bildungseinrichtungen der Stadt gibt". Außerdem, so Geßner, könne sein Sohn nicht mehr in Begleitung mit dem Rad in die Schule fahren, sondern wäre, wie viele andere Schüler auch, plötzlich auf den Behindertenfahrdienst angewiesen.

Im Rathaus ist das kategorische Nein der Förderschule zum Umzug angekommen. Auf LVZ-Anfrage teilt das Dezernat von Bürgermeister Fabian mit, man werde sich mit den Argumenten der Schulkonferenz "intensiv auseinandersetzen". Zugleich unterstreicht die Verwaltung das "Gebot der Wirtschaftlichkeit". Die Kommune sei verpflichtet, bei Veränderungen in der Schullandschaft auf bestehende Schulgebäude zurückzugreifen. "Förderschulen haben keine Schulbezirke, für sie gilt die Stadtgrenze", heißt es lakonisch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.05.2014

Welters, Dominic

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