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Bildung Rektorwahl an der Leipziger Uni: Senat kontra Hochschulrat
Leipzig Bildung Rektorwahl an der Leipziger Uni: Senat kontra Hochschulrat
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11:43 30.09.2015
Bisher nicht zur Uni-Rekorwahl nominiert: Amtsinhaberin Beate Schücking Quelle: André Kempner
LEIPZIG

Zwischen dem akademischen Senat und dem Hochschulrat der Leipziger Uni hängt in der Rektorfrage der Haussegen schief. Wie berichtet, hatte es am Montag vergangener Woche eine Gesprächsrunde von Senatoren und Hochschulräten gegeben, um die Wogen zu glätten. Doch das ist offenbar nicht gelungen. In einem Brief an Hochschulratschef Professor Reinhold Grimm, der der LVZ vorliegt, fordert der Senat nun, dass die amtierende Rektorin, „unter deren Führung die Universität eine positive Entwicklung genommen“ habe, noch auf die Kandidatenliste gesetzt wird. Auf der stehen bisher nur zwei externe und namentlich nicht öffentlich gemachte Bewerber. Sowohl Professorin Beate Schücking, die die Alma mater seit Februar 2011 leitet, als auch der Dekan der Fakultät für Physik und Geowissenschaften, Professor Jürgen Haase, waren zur Wahl für das Spitzenamt vom Hochschulrat nicht nominiert worden. Zum 1. März 2016 ist es neu zu besetzen. Nach der bisherigen Planung soll das Votum schon im kommenden Monat durch den erweiterten Senat erfolgen, aber das wird angesichts des enger werdenden Zeitkorridors immer unwahrscheinlicher.

Das Schreiben an Grimm respektive des gesamten neunköpfigen Hochschulrates lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Aus Sicht des Senates und „weiter Teile der Universität“ sei es unverständlich, dass keiner der beiden Uni-internen Anwärter auf die Vorschlagsliste gesetzt wurde, obwohl sie vom Hochschulrat zunächst als rektorabel eingeschätzt worden seien. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, warum Schücking ausgebootet wurde. Es wäre „nicht hinnehmbar“, dass der erweiterte Senat damit in seiner Wahlfreiheit beschnitten werde, heißt es in dem Brief. Hintergrund: Laut sächsischem Hochschulgesetz können bis zu drei Anwärter für den Rektorposten vom Hochschulrat nominiert werden. Allerdings hat der Senat kein Vetorecht, um das Ratsvotum zu kippen. Rechtlich ist nur ein sogenannte Benehmen erforderlich. Im Klartext heißt das: Die Senatoren müssen sich mit den Vorschlägen des Hochschulrates abfinden, wenn der darauf beharrt. Und Grimm hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass Schücking und Haase in einem fairen Verfahren ausgeschieden seien. Schücking sah das freilich anders und zeigte sich „fassungslos“ darüber, dass sie aus dem Rennen genommen wurde.

Der Senat weist auf die Möglichkeit einer sogenannte Konkurrentenklage hin, die die Uni über längere Zeit lähmen könnte. Allerdings hatte das sächsische Wissenschaftsministerium erklärt, bisher habe es keine Verfahrensfehler gegeben. Auch warnt der Senat vor dem Fall, dass kein Benehmen der zwei Gremien über den Wahlvorschlag zustande kommt oder letztlich ein externe Bewerber nur mit geringer Stimmenzahl ins Amt gewählt wird. Er hätte dann wenig Akzeptanz und Rückhalt in der Universität. Deshalb sei eine Diskussion darüber, welcher Kandidat am geeignetsten ist, im Rahmen des erweiterten Senates „dringend“ geboten. Diesem gehören rund 90 Mitglieder aus den Reihen der Uni an. Mindestens drei Wochen vor der Wahlversammlung muss diese bekannt gemacht werden.

Bisher hat sich aber selbst der Senat in seiner neuen personellen Zusammensetzung noch nicht konstituiert. Das soll am 6. Oktober erfolgen. Dann steht zwar auch das brisante Rektorthema auf der Tagesordnung, aber nach aktuellem Stand wird dann nicht mit dem Hochschulrat über die Vorschlagsliste gesprochen. Fest steht bisher eigentlich nur eines: Am 14. Oktober geht im Gewandhaus die feierliche Uni-Immatrikulation über die Bühne, bei der Schücking die Erstsemester begrüßen wird und Senatoren und Hochschulräte Seite an Seite sitzen. Die Atmosphäre dürfte spannungsgeladen sein.

Von Mario Beck

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