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Ronald-McDonald-Haus in Leipzig: Ein Zuhause auf Zeit für Emilys Eltern

Ronald-McDonald-Haus in Leipzig: Ein Zuhause auf Zeit für Emilys Eltern

Emily ist etwas blass, aber stiefelt mit ihren drei Lenzen aufgeweckt durchs Ronald-McDonald-Haus. Mal schelmisch verschmitzt, mal jedem ein Lächeln schenkend. Und immer mit einem kleinen Rucksack auf dem Rücken, in dem sie - mobil verstaut - die nötige medizinische Gerätschaft für ihren künstlichen Darmausgang dabei hat.

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Die wenigen Stunden, die Emily täglich die Intensivstation der Uni-Kinderklinik mal verlassen darf, konnte sie in den vergangenen zwei Jahren wenigstens mit ihren Eltern im Ronald-McDonald-Haus verbringen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Kleine kam mit einer seltenen Form des Kurzdarmsyndroms zur Welt. "Außer der Leipziger Uni-Kinderklinik und dem McDonald-Haus hat sie noch nie etwas anderes kennengelernt", erzählt Mutti Stefanie Gröschke (24). Die junge Frau und ihr Lebensgefährte, Emilys Papa Michael Prüms (29), wohnen in Eilenburg. Doch infolge von Emilys dauerhafter, stationärer Behandlung bezogen sie eines der kleinen Apartments in dem Übernachtungshaus für Eltern schwerkranker Kinder in der Rubensstraße 1.

"In den letzten zwei Jahren waren wir fast ausschließlich hier - selbst an Geburtstagen, zu Ostern, Weihnachten, Silvester", deutet Vater Michael an. Lediglich vormittags und nachmittags könne die Kleine mit ihrem Rucksack mal für zwei, drei Stunden die Klinik-Station verlassen - und im McDonald-Haus mit Mama und Papa etwas spielen. Oder mit der großen Schwester Leonie (6), wenn die nicht - wie gerade - in den Ferien bei Oma und Opa weilt.

"Wir haben kein Auto, und ständig zwischen Eilenburg und Leipzig zu pendeln, um möglichst viel bei Emily zu sein, fiele uns schwer. Über die Möglichkeit, im McDonald-Haus auf Zeit zu wohnen, sind wir richtig froh gewesen", sagt Michael Prüms, der sich zudem nach einem Unfall gerade beruflich neu orientieren muss.

Vor zwölf Jahren war das Haus, ein Projekt der bundesweit arbeitenden McDonald's-Kinderhilfe-Stiftung, in Leipzig eröffnet worden. Damals noch in unmittelbarer Nachbarschaft der alten Uni-Kinderklinik Oststraße. Das Motto: Nähe hilft heilen! "Gut belegt sind wir immer", sagt Hausleiterin Melanie Schröder. Im Vorjahr nutzten 280 Familien das Angebot, in diesem schon 200.

"Derzeit sind 16 der 18 Apartments bezogen. Meist von Eltern, deren Kinder in der Uni-Klinik wegen einer Tumorerkrankung, seltener Stoffwechselleiden, nach einem Unfall, als Frühchen oder infolge anderer langwieriger Behandlungen versorgt werden müssen", so Schröder. "Die Kinder haben ja gesetzlich einen Anspruch auf eine Begleitperson - nur die wohnt eben nicht immer in Leipzig."

Schröders Gäste kommen aus dem mitteldeutschen Raum. Das Haus bietet im Erdgeschoss eine große offene Gemeinschaftsküche. Es gibt von Michael Fischer-Art bunt bemalte Säulen, Nischen und Ecken mit Spielsachen; wohnliche Bereiche zum Fernsehgucken; funktionale Räume wie einen mit Waschmaschinen. "Manchmal", sagt Schröder, "kommen die Mütter mit ihren Kindern von sonst wo her im Hubschrauber in die Klinik geflogen. Nach einem Unfall, bei einer Organspende - Die haben dann schlicht nur das dabei, was sie gerade anhatten."

Jeden Dienstag gibt es im Haus ein "Verwöhnfrühstück", jeden Donnerstag ein "Verwöhnabendessen". Eine gute Gelegenheit für die Eltern, weiß Schröder, sich mit den anderen hier auszutauschen. Viele spürten dann auch, dass sie gar nicht so allein mit all ihren Sorgen sind. Überdies kann man im Haus Fahrräder ausleihen, in der Außenanlage je nach Wetterlage mal durchatmen oder sich an Dingen wie einer gerade entstehenden Kräutergartenspirale erfreuen, die Jugendliche der Produktionsschule Schauplatz jüngst erst schenkten.

Für den täglichen Betrieb vor Ort sorgen neben rund 30 Ehrenamtlern teils auch die Eltern selbst. "Reinigungskräfte haben wir nicht - bei der Apartmentsäuberung und im Küchendienst müssen die Eltern mithelfen", sagt Schröder.

Eine Übernachtung kostet für eine Begleitperson 20 Euro, die Krankenkassen bezahlen das. "Eine öffentliche Förderung bekommen wir nicht", erzählt die Hausleiterin. "Wir rekrutieren unseren jährlichen Etat aus Spenden." Besonders glücklich sei man da beispielsweise über eine Apartment-Patenschaft, etwa von Firmen, in Höhe von 2000 Euro, womit sich die Betriebskosten für so eine Wohneinheit für ein Jahr decken lassen.

Für Emilys Eltern geht der lange Aufenthalt im McDonald-Haus dieser Tage zu Ende. Sie haben jetzt in Leipzig eine Wohnung finden können und sind gerade im Begriff, ganz herzuziehen. Ihr Apartment im zweiten Stock wird wohl nicht lange leer bleiben.

Im Seepark Auenhain feiern Mitarbeiter und Bewohner des McDonald-Hauses am 6. September Sommerfest - unter anderem mit den Leipziger Klinikclowns, der Band Goldstaubwerk (14 Uhr) und Sängerin Julia Kraus (15 Uhr). Spenden kann man indes bei der Sparkasse Leipzig, Konto 1100775800, BLZ 860 555 92; IBAN DE81 8605 5592 1100 7758 00, BIC WELADE 8LXXX.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2014

Angelika Raulien

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