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Sachsens Schüler zufrieden mit Aktionstag gegen Lehrermangel - Kritik an Statistiken

Sachsens Schüler zufrieden mit Aktionstag gegen Lehrermangel - Kritik an Statistiken

Einen Tag nach dem landesweiten Aktionstag gegen Lehrermangel hat sich der Vorsitzende des Landesschülerrats, Konrad Degen, überaus zufrieden gezeigt. Mehr als 23.000 Schüler, Eltern und Lehrer hätten sich an den zahlreichen Veranstaltungen beteiligt, mehr als 60 Schulen hatten mitgemacht.

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Tausende Schüler demonstrierten am Mittwoch in ganz Sachsen für bessere Bildung.

Quelle: Stephan Lohse

Dresden. Zudem gab es laut Degen im Anschluss an die von rund 600 Schülern und Lehrern besuchte Kundgebung am Nachmittag in Dresden ein Gespräch mit Finanzminister Georg Unland (CDU) und der neuen Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos).

Das etwa einstündige Zusammentreffen sei sehr konstruktiv verlaufen, berichtet Degen gegenüber DNN-Online. Die Schüler hätten ihre Probleme schildern können, worauf beide Politiker mit „Verwunderung und Entsetzen" reagiert hätten. Es habe sich gezeigt, dass hinsichtlich der Daten zum Unterrichtsausfall beträchtliche Unterschiede zwischen den Zahlen der Schüler und den offiziellen Daten der Ministerien existierten.

In der aktuellen Debatte wurde jetzt öffentlich, dass in Sachsen der Ausfall von Stunden mit seltsamer Logik schöngerechnet wird. Demnach ist es im Freistaat kein Unterrichtsausfall, wenn der Lehrer fehlt und die Schüler stattdessen mit Aufgaben nach Hause müssen. Wie die SPD am Donnerstag mitteilte, wirkt sich auch eine Kürzung der regulären Stundentafel nicht aus. Wenn es also mangels Personal statt zwei nur noch eine Ethikstunde gibt, schlägt sich das gleichfalls nicht in der Statistik nieder.

Dafür wird von vornherein ein „planmäßiger Unterrichtsausfall" eingerechnet - er lag zuletzt bei zwei Prozent. Auf Deutsch: Hier weiß die Schulverwaltung schon vor Beginn des Schuljahres, dass keine Lehrer für die entsprechenden Stunden verfügbar sind. Nach Angaben des Kultusministeriums fielen im Schuljahr 2010/2011 zudem 774 007 Unterrichtsstunden außerplanmäßig aus - das sind 3,6 Prozent. Die SPD rechnet dagegen mit einem Wert von 5 Prozent.

Der Landesschülerrat will daher in den kommenden Monaten gezielt Daten zu Ausfall und Vertretungsunterricht sammeln und Beispiele dokumentieren. Ministerin Kurth habe zugesagt, auch ihre Zahlen zu prüfen. Es sei vereinbart worden, dass sich beide Seiten künftig regelmäßig austauschen. Das nächste Treffen erhoffen sich die Schüler im kommenden Monat.

Am Mittwoch hatten in ganz Sachsen Schüler auf ihre Situation aufmerksam gemacht. So wurde an einem Leipziger Gymnasium symbolisch die Bildung zu Grabe getragen, in Dresden wurden unter anderem rote Karten gezeigt oder symbolisch die „größte Klasse Dresdens" gebildet. „Wir sind sehr stolz, wie das abgelaufen ist", freute sich Konrad Degen, der selbst bei verschiedenen Aktionen in der Landeshauptstadt dabei war.

„Geredet wurde immer viel, aber das Thema fand nie in die Öffentlichkeit", erläuterte er den Sinn des Aktionstages, an dem sich laut Veranstaltern allein in Dresden rund 4500 Schüler beteiligt hatten. Für die kommenden Wochen sind laut Landesschülerrat erst einmal keine weiteren Groß-Aktionen geplant, da diese für die Schüler samt aller Vorbereitung eine große zeitliche und organisatorische Belastung darstellten. Entsprechend fällt auch Konrad Degens Fazit aus: „Es war eine anstrengende Zeit, aber das Ergebnis ist überwältigend."

Bereits in der Osterwoche soll das Thema im Landtag zur Sprache kommen. Bis in den Februar hinein sei die Öffentlichkeit mit „Rechenspielen" getäuscht worden, erklärte die frühere SPD-Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange am Donnerstag in Dresden. Nach dem Rücktritt von Kultusminister Roland Wöller (CDU) versuche Schwarz-Gelb nun auf Zeit zu spielen. SPD-Fraktionschef Martin Dulig forderte Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) auf, bis Ende April eine Lösung vorzulegen.

Stephan Lohse / dpa

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