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Sächsische Universitäten werben in Bayern um Abiturienten - Angst vor Dialekt

Sächsische Universitäten werben in Bayern um Abiturienten - Angst vor Dialekt

Skeptisch waren einige ihrer Freunde schon, als sich Melanie Kellermann aus Straubing 2002 für ein Studium in Sachsen entschied. „Sie haben gefragt: Ja, gibt’s denn bei uns keine Unis mehr?“, berichtet sie rückblickend.

Bamberg. Die gebürtige Niederbayerin ließ sich von ihrem Plan, in den „wilden Osten“ zu gehen, dennoch nicht abbringen.

Kellermann, die an der Hochschule Zittau-Görlitz in Ostsachsen Chemie studiert hat, hat ihren Schritt nie bereut. Heute arbeitet sie für ein Umweltingenieurbüro in Sachsen. „Ich wollte nach Dresden oder zumindest in die Gegend“, erklärt sie in breitem Niederbayerisch.

In den vergangenen Tagen warb sie als Botschafterin des sächsischen Wissenschaftsministeriums bei einer Info-Tour durch Bayern für ein Studium an einer der 15 sächsischen Hochschulen. In sächsisch-grünem T-Shirt wies sie vor Unis und Gymnasien zusammen mit anderen sächsischen Uni-Absolventen auf die angeblichen Vorzüge eines Studiums in ihrer neuen Heimat hin. Das Motto der Aktion lautet „Pack Dein Studium - am besten in Sachsen“.

Dabei bringt sie immer wieder das Beispiel ihrer Bekannten, die sich so wie sie für ein Chemiestudium entschieden hatte - allerdings an einer bayerischen Uni. „Sie hat es abgebrochen, ich hab’ es zu Ende gemacht“, erzählt Melanie. „Ich glaube, der Hauptgrund war, dass ich mit 15 Leuten in den Kursen saß und sie mit 60.“

Was noch für Sachsen spricht: „Ich hab’ für mein sehr schönes Zimmer im Wohnheim nie mehr als 170 Euro gezahlt. Und da war alles dabei. Für ein WG-Zimmer zahlen manche sogar nur 70 Euro.“

Gute Betreuung, niedrige Lebenshaltungskosten: Das sind nur zwei der Vorzüge, mit denen das sächsische Wissenschaftsministerium seit 2008 westdeutsche Abiturienten an seine 15 Hochschulen locken will. Weitere Pluspunkte sind in den Augen der Studentenwerber: Keine Studienbeiträge, eine sehr gute Ausstattung mit Büchern und Technik.

Mit einem als Umzugskarton gestalteten Laster fahren die Mitarbeiter des Projekts quer durch Deutschland, verteilen Infomaterial an Schüler und werben für das Studium im ostdeutschen Freistaat.

„In Sachsen gehen seit Jahren die Abiturientenzahlen zurück“, erklärt Sabine Hülsmann, die das Projekt „Pack Dein Studium“ betreut. „In Bayern ist es umgekehrt - gerade jetzt mit dem doppelten Abiturjahrgang.“

Und tatsächlich kamen im Wintersemester 2010/11 fast 20 Prozent der Studienanfänger an sächsischen Hochschulen aus den alten Bundesländern. Die größte Gruppe stellten Studenten aus Bayern.

Peter Reinhart aus Hilpoltstein bei Nürnberg kam schon 2006 nach Dresden. Denn das Kursangebot in seinem Wunschfach Verkehrswissenschaften war nirgendwo so vielfältig wie an der dortigen Technischen Universität. „Der Dialekt und die Mentalität sind anders“, findet Peter, der in einem sanierten Plattenbau im Zentrum wohnt.

„Aber manchen klappt die Kinnlade herunter, wenn sie sehen, was es hier alles gibt. Wo sonst kann man in der Mensa Sushi essen - für zwei Euro?“ Außerdem gebe es nirgendwo so viele Studentenclubs wie in Dresden, wo man den Cocktail oft schon für 3,50 Euro bekomme.

„Die Vorurteile gegenüber Sachsen gehen zurück“, erzählt Sabine Hülsmann, die mit dem „Pack Dein Studium“-Truck bereits drei Mal in Franken unterwegs war. Im April hatte der Truck in Bamberg, Schwabach, Erlangen, Hilpoltstein (Landkreis Roth) und im oberpfälzischen Neumarkt Station gemacht.

„Wir merken, dass Abiturienten sich zunehmend Sorgen um ihren Studienplatz machen und nach Alternativen in anderen Regionen suchen. Und was die Schönheit der Städte betrifft, braucht sich Sachsen nicht zu verstecken“, schwärmt Hülsmann. Ein Punkt lässt bayerische Studieninteressenten allerdings zögern. Manche fragten immer noch: „Sprechen die dort alle Sächsisch?

Philipp Demling, dpa

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