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Schüler-Streik in Sachsen: Schiller-Gymnasium Leipzig zeigt Politikern die "Rote Karte"

Schüler-Streik in Sachsen: Schiller-Gymnasium Leipzig zeigt Politikern die "Rote Karte"

Leipzig. Der Schüler-Protest gegen den Lehrermangel in Sachsen zieht Kreise. Nachdem am Kant-Gymnasium in Leipzig schon früh am Mittwoch die Bildung symbolisch beerdigt wurde, zeigten hunderte Jugendliche am Schiller-Gymnasium mittags den Bildungspolitikern im Freistaat die "Rote Karte".

Darauf notierten die Schüler Wünsche, die später der Kultusministerin überreicht werden. "Heute ist der Bär los", sagt der 16-jährige Stadtschülersprecher Georg Heyn gegenüber LVZ-Online.

Rund 10.000 Jugendliche stellen an 26 Leipziger Mittelschulen, Berufsschulzentren und Gymnasien kreative Protestaktionen auf die Beine. "Aber wir wollen nicht nur meckern. Wir haben auf den Karten notiert, was besser werden kann", sagt Zehntklässlerin Helen Schahin, die am Schiller-Gymnasium in Gohlis gemeinsam mit Landesschülervertreterin Astrid Junk die Aktivitäten organisiert hat. Die Lehrer hätten sie unterstützt, sagt Shahin. Eine Rede des ehemaligen Leipziger Superintendenten Friedrich Magirius fand die Schülerin besonders bewegend. "Er hat uns sehr motiviert. Die Bildung muss wieder auferstehen."

Die Thomasschüler ziehen mittags zu einem Trauermarsch in den Johannapark, und sowohl an der Mittelschule Portitz als auch am Kepler-Gymnasium in Großzschocher stellen sich die Jugendlichen zu einem traurigen Smiley auf dem Hof auf. Die Kepler-Schüler hängen ihre Wunschkarten für eine bessere Bildungszukunft an Luftballons und lassen sie fliegen.

Mit Trillerpeifen und Plakaten verabschieden sich am frühen Morgen die Leipziger Kant-Gymnasiasten symbolisch von ihrer Bildung. Sie fordern vom Freistaat mehr Lehrer und Schluss mit dem übermäßigen Unterrichtsausfall. Mithilfe von Justus, Pablo und Tom versenkt Stadtschülersprecher Georg Heyn den Bildungssarg in der Weitsprung-Grube auf dem Schulhof.

Morgens um sieben haben die Jungs schon das Grab gebuddelt, ab acht Uhr versammeln sich die achten bis zehnten Klassen auf dem Schulhof, von Müdigkeit keine Spur. Heute geht's darum, ihrem Unmut über den Lehrermangel Luft zu machen. "Die sechste Klasse hatte ein halbes Jahr lang kein Physik, die fünfte keinen Sportunterricht", sagt Moritz, der den Protesttag mit organisiert hat. Auch Anja und Viktoria aus der 8. Klasse sind genervt, dass so viele Stunden ausfallen. "Der Stoff wird dann so schnell nachgeholt, dass man kaum mitkommt", sagen sie.

Fünf-Jahres-Vorschau: Jeder dritte Lehrer scheidet aus Altersgründen aus

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Mehr Lehrer! Das fordern die Kant-Schüler in Leipzig. Rund 20.000 Jugendliche protestieren in Sachsen gegen den Sparkurs der Bildungspolitik des Freistaats.

Quelle: Dirk Knofe

"Normalerweise freuen wir uns ja auch über Freistunden", sagt Georg Heyn. Aber "im Studium wird Euch niemand fragen, ob bei dem Stoff Eure Lehrer nicht da waren", betont er bei seiner Rede aus dem Fenster im ersten Stock des Schulbaus. An der Fassade unterstreicht das Banner "Bildungsruine" seine Worte. Der 16-Jährige vertritt Leipzig auch im Landesschülerrat und kennt die Zahlen: "700 Lehrer werden in diesem Jahr zu wenig eingestellt, im nächsten Jahr werden es wieder 500 zu wenig sein."

28.359 Lehrer unterrichten derzeit im Freistaat, in den nächsten fünf Jahren scheide jeder dritte altersbedingt aus, erklärt Elternvertreterin Gaby Kannegießer. "Schüler, die sich sonst über Freistunden freuen, stehen hier und kämpfen für die Bildung. Dafür möchte ich Euch danken", sagt Kannegießer. Cornelia Falken von der Lehrergewerkschaft GEW verbreitet vorsichtig Optimismus: "Ich hoffe, dass wir gemeinsam die Bildung wieder zum Leben erwecken können", sagt sie.

Rote Karten für die Politik: "Schreibt drauf, was Euch ankotzt"

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Kant-Schüler zeigen der Bildungspolitik des Freistaats die "Rote Karte".

Quelle: Dirk Knofe

Die Lösung ist profan. "Bildung muss wieder mehr Geld bekommen", sagt Heyn am Rande der Kant-Aktion zu LVZ-Online. Deshalb fahren sächsische Schüler am Mittwochnachmittag zum Kultus- und Finanzministerium nach Dresden. Es gibt ein Gespräch mit den Ministern, sagt Heyn gegenüber LVZ-Online. Die Leipziger werden viele, viele rote Karten abgeben. "Schreibt drauf, was Euch so ankotzt", fordert ein Mitschüler die Streikgemeinde auf, die sich mittlerweile auf dem Schulhof zu einem traurigen Smiley formiert hat.

Die Protest-Gemeinde am Kant-Gymnasium löst sich langsam auf, aber an 25 weiteren Leipziger Schulen gehen den ganzen Tag die Trauermärsche und Abgesänge weiter. Der Protest zieht Kreise, in letzter Minute hat auch das Reclam-Gymnasium in Leipzig noch für den Aktionstag zugesagt. Georg Heyn zieht weiter zum Nikolai-Gymnasium, um die Lehrer-Misere in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Ostwald-Gymnasiast ist sich sicher: "Was 20.000 Schüler heute in Sachsen veranstalten, wird nicht unbemerkt bleiben."

Evelyn ter Vehn

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