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Bildung Schulstandort verzweifelt gesucht
Leipzig Bildung Schulstandort verzweifelt gesucht
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21:16 31.05.2015
Wenn schon der Neubau hängt, wird wenigstens der Schulhof vor der Messehalle 13 umgebaut. Schulleiter Steffen Schörner (3. von rechts) holte sich dazu Unterstützung von jungen Strafgefangenen, die Markus Focking (4. von rechts) betreut. Quelle: André Kempner
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Leipzig

2008 eröffnete die August-Hermann-Francke-Grundschule auf der Alten Messe. Sie wird von einem christlichen Trägerverein betrieben, dem AFH Schulverein. 90 Kinder lernen hier, pro Jahrgang eine Klasse. Es könnten noch mehr sein. „Wir sind einer der wenigen freien Träger, die effektiv Kapazität schaffen könnten. Wir haben so viele Anmeldungen, könnten uns zweizügig aufstellen, mussten aber einer kompletten Klasse absagen", berichtet Geschäftsführer Steffen Schörner (39). Denn mehr geben die Räumlichkeiten in der Halle 14 nicht her.

Schon lange sucht er nach einem neuen Standort. „Seit drei, vier Jahren sind wir mit der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft im Gespräch", berichtet Schörner. Dem kommunalen Großvermieter gehört die Prager Spitze, eine Fläche an der Ecke Philipp-Rosenthal-/Prager Straße. Dort würde der AFH gern einen Campus errichten. Zunächst eine Kindertagesstätte mit 85 Plätzen und eine neue Grundschule mit einer Kapazität für 200 Kinder. Im nächsten Jahr soll eine Oberschule mit 300 Plätzen dazu kommen, außerdem eine Sporthalle.

Der für das Areal existierende Bebauungsplan stehe einem Schulstandort nicht entgegen. „Wir könnten sofort loslegen", sagt Schörner. Die LWB würden nur auf die Freigabe der Fläche durch Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) warten, der wegen des immensen Bedarfs an Kindertagesstätten, Schulen und Asylbewerberunterkünften auf vielen städtischen Grundstücken die Hand hat. „Doch dieses Signal kommt nicht", sagt Schörner. „Wir hängen fest, kommen mit gut gemeinten Gesprächen nicht weiter."

Alternativ könnte er sich einen Ausbau der der heutigen Grundschule gegenüber liegenden Messehalle 13 vorstellen. Gespräche hätte es mit dem Flächenvermarkter LEVG und dem Stadtplanungsamt gegeben. Allerdings müssten dazu erst diverse planungsrechtliche Hürden aus dem Weg geräumt werden, was wiederum viel Zeit kostet. Wie ein Sprecher des Rathauses auf LVZ-Anfrage mitteilte, liefen derzeit Gespräche zwischen dem Schulträger AFH und dem Stadtplanungsamt zur Messehalle 13. Zu dem anderen Standort äußerte sich das Rathaus nicht. „In Sachen Prager Spitze ist der Träger nicht an die Stadt herangetreten. Insofern gab es auch keine entsprechende Prüfung", hießt es.

Mittlerweile kommen erste Zweifel auf, dass es in Leipzig gelingt, ausreichend Schulkapazitäten zu schaffen, bis die geburtenstarken Jahrgänge in die Klassenräume drängen. Jüngst schlug CDU-Stadtrat Michael Weickert in der LVZ Alarm. Er rechnete vor, dass Leipzig 30 neue Schulen bis zum Jahr 2020 braucht. „Wenn sich in absehbarer Zeit nichts tut", prophezeite er, „müssen wir unsere Schüler in Zelten unterrichten."

Die Francke-Schule will mit ihren Plänen unbedingt in den neuen Schulentwicklungsplan aufgenommen werden, der derzeit geschrieben wird. „Wir haben aber als freier Träger das Gefühl, dass wir nicht in die Formel einbezogen werden", so Schörner. Da sein Schulausbau einfach nicht vorankommt, schrieb er am 9. April einen Brief an Sozialbürgermeister Fabian. Eine Antwort darauf bekam er bis heute nicht.

Kooperation mit Seehaus-Verein

Vier junge Männer schrauben und hämmern an Holzteilen für neue Bänke, zertrümmern mit dem Presslufthammer einen Teil des Betons auf dem Schulhof, wo künftig Fallschutzmatten am Fußballtor und an der Boulderwand liegen sollen. Die Jungs sind Strafgefangene, die der Verein Seehaus betreut. Er betreibt in Störmthal als Alternative zum geschlossenen und offenen Vollzug einen „Jugendstrafvollzug in freier Form". Junge Straftäter können sich dafür bewerben. Doch nur wenige Ausgewählte erhalten diese Chance der Wiedergutmachung und Resozialisierung. Sieben Jugendliche zwischen 14 und 23 Jahren werden in der Seehaus-WG aufgenommen, berichtet Ausbilder Markus Focking (39). „Es sind keine Sexualstraftäter und Mörder." Ein strenges Regiment herrscht dort. Vom Frühsport um 5.45 Uhr ist ihr Tag bis 22 Uhr straff durchstrukturiert. Sie machen Hausputz, absolvieren eine Berufsvorbereitung, holen den Hauptschulabschluss nach, nehmen am Täter-Opfer-Ausgleich teil, arbeiten in der Tischlerei. Und die „Ehrenamtstage" wie an der Francke-Schule sind eine Art Belohnung. „Wir wollen, dass die Jugendlichen lernen, Verantwortung für sich und die Gesellschaft übernehmen", sagt Focking.

(Klaus Staeubert)

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