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Science Slams bringen Wissenschaft in Party-Clubs

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Das Publikum kommt freiwillig, um wissenschaftlichen Vorträgen zu lauschen. Beim Science Slam erklären Forscher in Sachsens Uni-Städten in Club-Atmosphäre witzig und verständlich, was sie eigentlich den ganzen Tag machen.

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Von wegen dröge Vorlesung: Beim «Science Slam» bekommen Studenten die Wissenschaft hautnah zu spüren.

Quelle: dpa

Leipzig. Die Situation im Leipziger Club „Horns Erben“ erinnert an ein Uni-Seminar. Vier Referenten versuchen, ihre Zuhörer für ihr Thema zu interessieren. Wo sonst getanzt und getrunken wird, klicken sie sich durch Power-Point-Folien. Ab und zu streikt die Technik. Die Referenten dieses Abends, allesamt Doktoranden, kämpfen nicht um eine gute Note, sondern um das „Goldene Megafon“. Mit Science Slam  ist diese unterhaltsame Veranstaltung im „Horns Erben“ überschrieben, die in anderen deutschen Orten seit Jahren erfolgreich läuft. Nun starten auch sächsische Uni-Städte damit durch.

Nur wenige Regeln sind bundesweit gleich: Der Vortrag muss sich um ein Wissenschafts-Thema drehen - und darf höchstens zehn Minuten lang sein. Während viele Science Slams die Power-Point-Präsentation verbieten, ist sie in Leipzig erlaubt. Das ist auch ein Unterschied zu den populären Poetry Slams, von denen Grundprinzip und Name für den Forscher-Wettstreit entlehnt wurden. Im Original müssen Nachwuchs-Poeten ihre Stücke gänzlich ohne Hilfsmittel vortragen.

„Die Promovierenden, die beim Science Slam mitmachen, sollen üben, ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren. Kurz, prägnant, interessant und auch für Fachfremde verständlich“, sagt Kathleen Schlütter, die den Wettstreit organisiert. Als Mitarbeiterin der 2010 gegründeten Kompetenzschule der Uni Leipzig kümmert sie sich um die Weiterbildung der rund 5000 Promovierenden der Stadt. Das dreiköpfige Team hat den Science Slam als besondere Übung entdeckt. In Rhetorik-Kursen schulen die Doktoranden erst das interessante Präsentieren. „Der Science Slam soll ihnen dann auf unterhaltsame Weise Selbstbewusstsein geben“, sagt Schlütter.

Bei Paula Roncaglia-Denissen ging das Konzept auf. Die charmante Brasilianerin promoviert am Max-Planck-Institut für Kognition und Neurowissenschaften. Beim 2. Leipziger Science Slam stellte sie am Montagabend eine Teilfrage ihrer Dissertation vor: Können Menschen lernen, Fremdsprachen akzentfrei zu sprechen? Ja, sie können. Immer wieder bezieht sie während ihres kurzen Vortrags das Publikum ein und nutzt witzige Beispiele für ihre Thesen. Viele der 150 Zuschauer zücken nach dem Vortrag die Wertungskarte mit der Höchstnote Sechs.

Mit knappen Vorsprung gewinnt Paula damit den Abend und das „Goldene Megafon“. „Vor dem Auftritt war ich so aufgeregt. Ich dachte, ich falle in Ohnmacht“, verrät Roncaglia-Denissen hinterher. „Aber es hat viel Spaß gemacht. Bei der Vorbereitung habe ich meine eigenen Ergebnisse mal von einer völlig anderen Seite betrachtet.“

Der Science Slam soll im Leipziger Veranstaltungskalender fest verankert werden. Einmal im Semester soll der Publikumsliebling über die Bühne gehen. Doch das könnte schwieriger sein, als gedacht. In Chemnitz ist der Science Slam zum dortigen „Jahr der Wissenschaften“ als Kooperation von Schauspielhaus und TU Chemnitz im Oktober gestartet. In mehreren Vorrunden qualifizieren sich die Slammer für das Finale. Die nächste Runde läuft am 26. April. Doch das Werben um Kandidaten fällt den Organisatoren schwer. Und das obwohl, anders als in Leipzig, jeder slammen darf.

„Es liegt eigentlich in unserer Natur, unser Tun zu erklären“, sagt Matthias Huber, Chefdramaturg des Chemnitzer Schauspiels. „Und viele, die im Publikum den witzigen Abend genießen, trauen sich nicht, selbst auf die Bühne zu treten. Das ist schade.“ Doch bis zum Finale im Sommer wird in Chemnitz mindestens weiter geslammt.

dpa

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