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Bildung Serie zur Leipziger Stadtgeschichte: Als die Zeit stehen blieb
Leipzig Bildung Serie zur Leipziger Stadtgeschichte: Als die Zeit stehen blieb
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23:59 08.03.2015
Mehr als 1800 Leipziger starben am 4. Dezember 1943 nach dem Luftangriff der Alliierten. Diese Taschenuhr blieb nach dem Einsturz des Hauses für immer stehen. Quelle: PunctumKober

Das Thema heute: eine Taschenuhr - stehen geblieben beim Angriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943. Seit Jahrzehnten zeigt eine Taschenuhr die gleiche Zeit an. Sie blieb stehen, als die Bomben fielen.

"Haddock", Schellfisch, - unter diesem Decknamen wurde während des Zweiten Weltkrieges der schwerste Bombenangriff auf Leipzig geplant. Die Stadt war ein wichtiger Produktionsort der deutschen Flugzeugindustrie. Kein Wunder, dass die Alliierten hier ein wichtiges Ziel ihrer Luftangriffe sahen. Am 3. Dezember 1943 starteten 527 Flugzeuge jenseits des Kanals, 432 von ihnen erreichten Leipzig.

Bereits seit Monaten hatte das gellende Heulen der Alarmsirenen den Alltag der Leipziger bestimmt. Griffbereite Koffer mit den wichtigsten Habseligkeiten gehörten zur Grundausstattung der Bewohner. Oft blieben nur Minuten, um den schützenden Keller zu erreichen.

Die Stadt schlief, als am 4. Dezember kurz vor 4 Uhr die ersten Maschinen am Himmel über Leipzig zu hören waren und bald darauf gewaltige Mengen von Spreng- und Brandbomben abwarfen. Schätzungen zufolge gingen auf Leipzig binnen einer halben Stunde 18 Luftminen, 900 Spreng-, 85 400 Stabbrandbomben und 17 400 Phosphorbomben nieder. Der Angriff traf viele Kulturdenkmäler wie die Oper oder das Alte Theater, vor allem aber Wohnhäuser. Die Rüstungsproduktion hingegen kam glimpflich davon.

Mitten im Inferno hatte auch Kanzleisekretär Friedrich Louis Pabsch zusammen mit 73 Bewohnern zweier benachbarter Häuser in der heutigen Reichpietschstraße Schutz gesucht. Die Bomben trafen das Haus; unter der Last des einstürzenden Gemäuers gab die Decke des Kellers nach und begrub alle, die auf Schutz gehofft hatten. Keiner überlebte. Die später aufgefundene Taschenuhr des Kanzleisekretärs aber war wenige Minuten nach dem Beginn des Angriffs im Bombenhagel stehen geblieben, der Minutenzeiger war abgebrochen. Mehr als 1800 Leipziger starben in jener Nacht. Als der Morgen endlich graute, war den Überlebenden klar geworden: Der Krieg hatte auch sie endgültig erreicht.

Der gekürzte Text entstammt der Publikation "100 X Leipzig. Tausend Jahre Geschichte" des Stadtgeschichtlichen Museums, die zur Leipziger Buchmesse 2015 erscheint.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Christoph Kaufmann

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