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Bildung Stiftung gibt Unterrichtsmaterial zur Leipziger Geschichte des 9. November heraus
Leipzig Bildung Stiftung gibt Unterrichtsmaterial zur Leipziger Geschichte des 9. November heraus
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19:37 08.11.2013
Leipziger Lehrer in der Synagoge Keilstraße. Quelle: André Kempner

Das Schicksal der Familie ist ein Beispiel für die Pogromnacht, die die Ephraim-Carlebach-Stiftung nun für den Unterricht aufbereitet hat.

Es gibt dicke Bücher und auch Unterrichtsmaterial, das das Schicksal des jüdischen Volkes aufzeigt. "Für Lehrer ist der Aufwand aber oft sehr hoch, entsprechende Unterrichtsstunden vorzubereiten", sagt Georg Girardet vom Vorstand der im November 1992 gegründeten Ephraim-Carlebach-Stiftung. Die hat Leipziger Lehrer eingeladen, um ihnen ihr neuestes Projekt vorzustellen. "Wir haben verschiedene Module aufbereitet, die im Unterricht eingesetzt werden können", sagt Kerstin Plowinski, die Geschäftsführerin. Sie führte die Pädagogen durch die Synagoge, in der sich gläubige Juden zum Beten, gemeinsamen Lesen der Tora, Feiern und Lernen treffen. Doch wer hat schon jederzeit parat, was es mit den "fünf Büchern Mose", dem Menora genannten Kerzenleuchter mit den sieben Armen oder dem ewigen Licht auf sich hat?

Gemeinsam mit Projektmitarbeiterin Lina Bosbach, die einst beim Klett-Verlag Erfahrungen sammelte, hat die Stiftung didaktisches Material zum Thema Synagoge für den Unterricht aufbereitet. Ein weiteres Modul widmet sich der Pogromnacht vom 9. November 1938, die sich heute zum 75. Mal jährt. In jener Nacht zum 10. November wurden in ganz Deutschland Juden angegriffen, misshandelt oder gar getötet. Die als "Reichskristallnacht" verharmloste Aktion wurde von den Nationalsozialisten perfide geplant und zentral gelenkt, dann aber als "spontane Volkswut" maskiert.

Die Stiftung zeigt die Auswirkungen der Pogromnacht am Beispiel der jüdischen Familie Bamberger, die am Augustusplatz ein angesehenes Konfektionshaus für Herrenbekleidung betrieb. Dort legten die Nationalsozialisten in der Schreckensnacht Feuer. Die Feuerwehr wurde zwar gerufen, verhinderte aber lediglich, dass die Flammen auf andere Geschäfte übergriffen. Denn darin boten nichtjüdische Händler ihre Waren feil. Wie andere Opfer mussten die Bambergers, denen das gesamte Haus gehörte, für den Schaden selbst aufkommen und ihr Geschäft samt der verbrannten Waren neu einrichten, ohne einen Pfennig von der Versicherung zu bekommen.

Wer möchte, erhält auch Material von der Stiftung, wie eine jüdische Kindheit im Kaiserreich aussah. "Ideen für weitere Angebote haben wir genug. Auch für den fächerübergreifenden Unterricht. Der jüdische Kalender bietet auch Stoff für Mathe", sagt Kerstin Plowinski. Im Kunstunterricht können Schüler sich mit Licht und Schatten befassen - am Beispiel von Fotografie und Jüdischem Friedhof. Dieser ist auch ein Thema für Fotografin Silvia Hauptmann, die für die Ephraim-Carlebach-Stiftung in einer Datenbank sämtliche Gräber erfasst, die auf den beiden jüdischen Friedhöfen Berliner Straße sowie Delitzscher Straße zu finden sind. Derzeit arbeitet die Stiftung mit 93 Schulen zusammen und organisiert Veranstaltungen mit Zeitzeugen, wie zuletzt am Donnerstagabend mit Rolf Isaacsohn im Ariowitsch-Haus.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.11.2013

Mathias Orbeck

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