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Bildung Streik: Hunderte Lehrer aus Leipzig protestieren in Dresden - Minister lehnt Verhandlungen ab
Leipzig Bildung Streik: Hunderte Lehrer aus Leipzig protestieren in Dresden - Minister lehnt Verhandlungen ab
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10:47 07.09.2012
Von fünf Haltestellen in Leipzig sind am Freitagmorgen Busse mit streikenden Lehrern zur zentralen Protestveranstaltung nach Dresden gefahren. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

„Wenn der Landtag den Haushaltsentwurf beschließt, ist es zu spät. Wir müssen jetzt handeln“, sagt Pädagoge Ingolf Geier. Von vielen Eltern erfahren die Lehrer Unterstützung.

Geier unterrichtet die Fächer Englisch, Informatik und Russisch. Er hat schon viele jungen Kollegen mit ausgebildet, und musste dann zusehen, wie sie in den Westen abwandern. Dort ist die Bezahlung besser, „aber ich höre auch, dass das Engagement, das wir Lehrer hier in Sachsen zeigen, nicht überall zu finden ist“, so Geier.

Lehrer-Nachwuchs fehlt - Zusatzangebot an Schulen nicht gesichert

Ingolf Geier vom Heisenberg-Gymnasium will nicht mehr zusehen, wie gut ausgebildete Referendare von Sachsen in den Westen abwandern. Quelle: Dirk Knofe

Für ihn ist es ein Unding, dass Sachsen als Bundesland mit vorbildlichen Pisatest-Ergebnissen am unteren Ende der Lehrerentlohnung bundesweit rangiert. Aber es geht um mehr als Geld, pflichten die Kollegen bei. „Wir wollen die Bildung der Kinder sichern“, sagt Kerstin Frommann, Mathe- und Physiklehrerin an der 68. Mittelschule in Leipzig.

Die Personaldecke ist trotz 650 vom Kultusministerium neu besetzter Stellen knapp. „Ich kann eigentlich keine Klassenleiterstunde mehr geben, Förderstunden fallen weg, auch Ganztagesangebote“, zählt GEW-Gewerkschafterin Frommann auf. Auch sie kennt das Problem, dass Nachwuchs fehlt, besonders in den Naturwissenschaftlichen Fächern, und gerade an den Mittelschulen. Dabei weiß sie jetzt schon: In fünf Jahren werden wohl fünf Kollegen in Rente gehen.

„Seit 1990 mache ich Gewerkschaftsarbeit, aber noch nie habe ich erlebt, dass in so kurzer Zeit in ein solcher Ruck durch eine Protestbewegung gegangen ist“, sagt Uschi Kruse, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW in Leipzig. Die Gewerkschaft rechnet mit bis zu 10.000 Streikenden. Rund 7000, so die Gewerkschaft, haben sich wie die Leipziger auf den Weg nach Dresden gemacht, um sich seit 11 Uhr vor dem Landesparlament Gehör zu verschaffen. Verhandlungen über neue Altersteilzeitbedingungen lehnte Finanzminister Georg Unland (CDU) am Vormittag im Landtag erneut ab.

Von Unterricht bis Nobetreuung: Situation an den Schulen nicht einheitlich

Andere Streikende halten in den Schulen die Stellung, Unterricht soll es meist nicht geben. Für viele Eltern ist die Situation am Streiktag nicht so leicht zu überschauen. Während in der Édouard-Manet-Grundschule im Zentrum gerade mal rund 20 Kinder am Morgen auftauchen, wird in der 39. Grundschule in Möckern regulär unterrichtet.

So hat Kerstin Weiß gerade ihren Sohn sicher in die erste Klasse der 39. gebracht. Ihre Tochter, eine Heisenberg-Gymnasiastin, bleibt zu Hause. „Wir betreuen auch gleich noch eine Freundin von ihr mit. Ich habe Nachtdienst, da konnte ich helfen und das so organisieren“, sagt Weiß. Den Streikzeitpunkt findet sie nicht optimal, hat aber „ein gewisses Verständnis“ für die Forderungen der Lehrer.

Unterstützung aus der Elternschaft hat Ute Bauer erfahren, die an der 68. Mittelschule Mathe, Biologie und Chemie unterrichtet und im Sächsischen Lehrerverband organisiert ist. Sogar per SMS trudelten Rückmeldungen ein. Tenor: Wir verstehen das. Und viel Erfolg.

Evelyn ter Vehn

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