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Streit um Berufungsverfahren für historische Sprachwissenschaft an der Uni

Streit um Berufungsverfahren für historische Sprachwissenschaft an der Uni

Um die Besetzung und wissenschaftliche Ausrichtung der neuen Professur für historische Sprachwissenschaft an Leipzigs Uni, bei der die Namenkunde mit angesiedelt sein soll, gibt es Zoff.

Leipzig. Emeritus Jürgen Udolph bezeichnet das Berufungsverfahren als "nicht ordnungsgemäß" und hält die von der Auswahlkommission vorgeschlagenen Kandidaten "sämtlich" für ungeeignet. Rektor Franz Häuser lässt die Kritik nicht gelten, der Abschlussbericht der Berufungskommission sei "ausgesprochen detailliert und qualitätsvoll".

Neben diesem Dossier ist bei Häuser ein Brief Udolphs, der von 2000 bis 2008 an der Alma mater die deutschlandweit einzige Professur für Namenkunde innehatte, eingegangen. In dem Schreiben, das der LVZ vorliegt, beschwert sich der Gelehrte massiv über das Berufungsprozedere an der philologischen Fakultät. Offenbar, so Udolph, habe es von Anfang an den Plan gegeben, die Namenkunde, in der Fachsprache Onomastik genannt, nicht in die Professur einzubinden, sondern sie in Richtung kognitive Linguistik zu drehen und damit den Ausschreibungstext für die Stelle zu konterkarieren. Das sei dann rechtswidrig durchgezogen worden, moniert Udolph.

Nachfragen bei den Vorträgen der Bewerber zum Fach Onomastik wären, so will Udolph erfahren haben, bewusst unterbunden worden, die nun dem Rektor vorliegende Dreierliste mit Berufungsanwärtern sei "trotz heftiger Proteste von Seiten der Onomastik, aber auch der Slavistik, Anglistik und Germanistik erstellt worden". Allen Gelisteten stünde rein fachlich nicht die Professur für "historische Sprachwissenschaft unter Berücksichtigung der Onomastik" zu. Bei dem auf Platz eins Gesetzten spricht Udolph von "Vetternwirtschaft westdeutscher Professoren".

Für Uni-Rektor Franz Häuser, der letztlich über die Berufung entscheidet, sind die Vorwürfe "in keiner Weise nachvollziehbar". Gremien sowie Personen im Zuge von internen Berufungsverfahren zu diskreditieren und das öffentlich zu streuen, halte er für "hochgradig anstößig". In der Sache selbst hätten nicht nur er, sondern das gesamte Rektoratskollegium die Beschlussvorlage diskutiert. "Sie ist sehr ausführlich, abwägend und nachvollziehbar", die Seilschaften-Vorwürfe hält Häuser für konstruiert.

"Herr Udolph hat sich große Verdienste um die Namenkunde an der Universität erworben, aber nach der Studienreform ist die Onomastik als selbstständiges Fach nicht haltbar." Nur durch die Umwidmung der Professur sei es überhaupt möglich geworden, der Namenkunde eine gewisse Perspektive zu geben. Bei der Kandidatenwahl habe natürlich eine Rolle gespielt, ob sie der profilbildenden Forschungslinie "Gehirn, Kognition, Sprache" zuträglich ist. Häuser: "Unser Motto heißt Lehre aus Forschung und dem folgen wir auch bei den Berufungen." Philologie-Dekan Wolfgang Lörscher war am Montag wegen einer Auslandsreise für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Unruheständler und -stifter Udolph hat seine Sicht auf die Dinge inzwischen Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) brieflich mitgeteilt. Tenor: Die Namenkunde an der Uni werde "auf kaltem Wege beseitigt". Die Rechtsaufsicht müsse eingreifen.

Mario Beck

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