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Stresstest für die Wissenschaft: Institut für Analytische Chemie zieht in sanierten Bau

Stresstest für die Wissenschaft: Institut für Analytische Chemie zieht in sanierten Bau

Raum 217 ist das Reich der Konzentrationsanalytik. Hier werden Lösungen auf ihre Bestandteile untersucht. Im Regal steht Hexansäure, die Schubladen-Aufschriften verraten, wo Pipetten und Urgläser verstaut sind.

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Die Labore aus dem unsanierten Trakt des Instituts für Analytische Chemie ziehen um in den sanierten Gebäudeabschnitt.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Wissenschaftler Martin Ludwig sitzt seelenruhig am Laptop und arbeitet. Allerdings gewissermaßen auf gepackten Koffern: Ab Montag zieht das Institut für Analytische Chemie nach nebenan, in den sanierten ersten Bauabschnitt des Gebäudes in der Linnéstraße.

Der Bau mit den grauen Betonplatten ist noch gar nicht so alt. 1989 wurde das Technikum/Analytikum der Universität Leipzig in Betrieb genommen. Trotzdem habe man sich 2009 "schweren Herzens für eine Komplettsanierung entschlossen", sagt Petra Förster, Niederlassungsleiterin des sächsischen Staatsbetriebs Immobilien und Baumanagement (SIB).

Die SIB ist Eigentümerin des Gebäudes und forcierte die Erneuerung, vor allem weil beim Brandschutz hohe Anforderungen gestellt werden. Für die Sanierung fließen 17 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Von den 6200 Quadratmetern Gebäudefläche werden 80 Prozent für die Laborarbeit genutzt, viel Platz auf fünf Geschossen.

Die Wissenschaftler und Studenten der Fakultät für Chemie und Mineralogie unterziehen sich seit Baubeginn im September 2009 einem Stresstest in den Disziplinen Lärmresistenz und nomadisches Forschungsleben. Und das ging so: Die SIB teilte das Sanierungsobjekt in Bauabschnitt eins und zwei. Dann rückten die Abteilungen Neue Anorganik und Materialforschung, Grenzflächenforschung, Chemie- und Biowissenschaften oder Analytische Chemie und Umweltchemie in Gebäudehälfte zwei zusammen oder zog ins Interim, überwiegend in die Oststraße.

Durch Staub und Bauschutt zum Arbeitsplatz

Wer blieb, wurde Ohrenzeuge von Abbrucharbeiten und dem Einbau von Lüftungsanlagen und Leichtmetallfenstern. Ganz hartgesottene kämpften sich durch Staub und Bauschutt zu ihren in Folie und Holz eingehausten Arbeitsplätzen - Großgeräte wie das Kernspinresonanz-Spektroskop wurden nämlich gar nicht ausgelagert. "Die Universität hat sich sehr leidensfähig gezeigt", zollt SIB-Bauoberrat Ingo Fischer seine Anerkennung.

Dafür ziehen die Unentwegten jetzt in klinisch weiße Labore. Herr der Wissenschaftler-Wanderung ist Dietmar Hentschel, Technischer Leiter der Fakultät. "In meinem Kopf ist eine Festplatte, wenn die crasht, haben wir ein Problem", sagt er, wirkt aber so gelassen, als sei die Möglichkeit nicht mal hypothetisch.

Das Ergebnis zählt, und es überzeugt schon optisch: Aus den Gängen ist die quietschgelbe Farbe getilgt, unter der Decke schlängeln sich glänzende Lüftungskanäle. Hingucker ist der Sonnenschutz vor den Fenstern. Rote Mini-Markisen fahren auf Knopfdruck aus, Farbtupfer an der ansonsten grau und anthrazit gehaltenen Fassade.

Die Räume genügen jetzt höchsten Sicherheitsstandards. Eine Gaswarnanlage reagiert beim kleinsten Leck und prüft den Druck in den Leitungen. Der Brandschutz ist modernisiert, Rauchmelder und Feuerschutztüren inklusive. Auf dem Dach türmt sich die Klimatechnik, "eine statische Herausforderung", sagt Fischer.

Am Donnerstag wird der Bauabschnitt offiziell der Universität übergeben, aber Zeit zum Luftholen bleibt kaum. Bauabschnitt zwei ist eingerüstet, ein neues Interim in der Beethovenstraße wird vorbereitet. 2013 soll der Bau in der Linnéstraße komplett runderneuert sein.

Evelyn ter Vehn

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