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Studenten kündigen heißen Herbst an – Leipziger Initiative ruft landesweit zum Protest auf

Studenten kündigen heißen Herbst an – Leipziger Initiative ruft landesweit zum Protest auf

Sachsens Studenten sind sauer. Ihre Hochschulen sind bei Studienanfängern begehrt wie lange nicht. Doch zugleich regiert der Rotstift. Der Hochschulentwicklungsplan macht strikte Sparvorgaben.

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Im Herbst 2009 demonstrierten Leipzigs Studenten für eine demokratische Bildungspolitik in der Leipziger Innenstadt. (Archivfoto)

Quelle: Andreas Doering

Leipzig. Mit einer Demonstration wollen die Studenten deswegen am 14. November in Leipzig auf sich aufmerksam machen. Der Studierendenrat (StuRa) der Uni Leipzig und die Initiative „Leipzig72“ organisieren die geplante Großveranstaltung. Zur Demo sind Studenten aus ganz Sachsen eingeladen, denn die Sparzwänge treffen Unis und Fachhochschulen im gesamten Land. Ziel ist es, das Wissenschaftsministerium zum Überdenken der Einsparungen aufzufordern.

Ausgangspunkt der Proteste sind die ab 2013 angekündigten Stellenkürzungen im Hochschulbereich: Bis 2015 jährlich 100 Stellen, bis 2020 jährlich nochmals 83 Stellen. Das Wissenschaftsministerium begründet die Kürzungen mit einer Prognose über rückläufige Studierendenzahlen. Bis zu 20 Prozent weniger Studenten würden in den nächsten zehn Jahren erwartet, erklärte Ministeriums-Sprecherin Annett Hofmann.

In den übervollen Hörsälen würde man aber davon noch nichts spüren, meint dagegen Magdalena Protte, StuRa-Referentin für Hochschulpolitik an der Universität Leipzig. Sie ist gleichzeitig Mitorganisatorin der Initiative „Leipzig72“. Dieser Protest-Verband hatte sich als Reaktion auf die für die Leipziger Uni beschlossenen 72 Stellenkürzungen bis 2015 gegründet.

Erste Auswirkungen spürt man nach Prottes Schilderung davon schon jetzt. Im Bereich der Leipziger Politikwissenschaft beispielsweise sind derzeit von fünf Professuren nur zwei besetzt. Für die drei fehlenden Stellen waren ursprünglich neue Berufungsverfahren geplant, diese wurden jedoch im Sommer ausgesetzt. Protte vermutet nun, dass das Rektorat der Politikwissenschaft „lieber selbst die Entscheidung über die eh zu erwartenden Stellenkürzungen trifft“, als von dem Ministerium unerwartete andere Vorgaben zu bekommen.

Leipzigs Uni-Rektorin Beate Schücking sieht die Initiative „Leipzig72“ in einem anderen Licht. „Die Initiative „Leipzig72“ behauptet von sich selbst, die Studierenden der Universität Leipzig zu vertreten. Sie ist aber kein demokratisch legitimiertes Gremium, mit dem die Universitätsleitung regelmäßig kommuniziert“, erklärte sie.

Schücking findet die geplanten Kürzungen durchaus problematisch: „Es wäre aber blauäugig, sie einfach nur abzulehnen und zu glauben, die Einschnitte blieben uns erspart.“ Das Problem der derzeit unbesetzten Stellen in der Politikwissenschaft versteht sie, betont jedoch auch, dass bei den momentan geforderten Sparmaßnahmen „nicht alle freien Professuren sofort wieder besetzt“ werden könnten. Sie verspricht jedoch, sich für den Erhalt Leipzigs als Volluniversität einzusetzen.

An der TU Dresden befürchtet Daniel Rehda, Mitglied des Studierendenrates, einen drastischen Wegfall von Professuren an der Philosophischen Fakultät. Er setzt sich derzeit dafür ein, das Wissenschaftsministerium über gemeinsame Gespräche doch noch von einem Kurswechsel zu überzeugen. „Das ist momentan allerdings sehr schwierig, da man keine direkte Einsicht in konkrete Maßnahmen bekommt, alles findet sehr versteckt statt.“ Auch die Dresdner wollen sich an der geplanten Demo im November beteiligen.

Unterstützung für ihren Widerstand bekommen die Studenten von Sachsens SPD. Holger Mann, hochschulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, findet die Kürzungen vor allem problematisch, da „der maßgebliche Faktor für eine gute Lehre, neben der entsprechenden Qualifikation der Lehrenden, das Betreuungsverhältnis ist“. Jede Stellenkürzung würde daher zwangsläufig auch auf Kosten der Qualität gehen und langfristig das Ansehen der Hochschulen beschädigen.

Susanne Rödiger, dpa

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