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Bildung Studentische Nebenjobs: "Unseriöses wird aussortiert"
Leipzig Bildung Studentische Nebenjobs: "Unseriöses wird aussortiert"
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01:00 29.08.2013
Porträt von Job-Vermittlerin Ina Schulz in der Universität Leipzig. Quelle: André Kempner

Seit 20 Jahren vermittelt sie beim Studentenrat (Stura) der Leipziger Uni Nebenjobs.

Ihr Fazit nach all der Zeit: Nicht nur die Tätigkeiten sind heute andere als damals. Auch der Verdienst steigt. "Für fünf Euro pro Stunde geht heute keiner mehr arbeiten", so Schulz. Das liege auch daran, dass immer seltener einfache Hilfstätigkeiten angeboten werden. Oft suchen Arbeitgeber nach Studenten, die schon gewisse Fachkenntnisse mitbringen. Sechs bis zehn Euro pro Stunde müssen es schon sein. "Ansonsten kriege ich den Job nicht mehr an den Mann gebracht", weiß Schulz.

Pro Woche landen etwa zehn bis zwölf neue Angebote von Arbeitgebern auf ihrem Schreibtisch. Sie prüft jedes genau. Je konkreter die beschriebene Tätigkeit, desto höher die Chance, dass sie den Aushang an die weiße Pinnwand im Flur des neuen Seminargebäudes am Campus Augustusplatz steckt - und in die Stura-Online-Jobbörse einpflegt. "Unseriöses wird aussortiert, halbseidene Angebote hänge ich nicht aus", erklärt die Jobvermittlerin. "Die meisten Studenten wollen eine Tätigkeit mit einem festen Gehalt und geregelten Arbeitszeiten."

Was sie in letzter Zeit häufig vermittelt, sind Marktforschungs- und Promotionjobs - zum Teil in skurriler Verkleidung. Eine Studentin schickte Schulz mal ein Foto zu, wie sie als Maulwurf verkleidet Flyer verteilte. Ein kleines Dankeschön für die Vermittlung. Immer häufiger werden zudem Kommilitonen gesucht, die undercover shoppen gehen und von ihren Erfahrungen in den Einkaufstempeln berichten. So mancher Testkäufer darf beim sogenannten Mystery Shopping sogar für Geld klauen - dabei wird geprüft, wie aufmerksam der Ladendetektiv ist.

Kurz vor den Winter- und Sommerferien rufen zudem immer verzweifelte Eltern bei ihr an, die für ihre Kinder dringend einen Nachhilfelehrer suchen. Ebenfalls hoch im Kurs: Kinderbetreuung im Ferienlager und Animationsjobs. Neulich ging bei Schulz ein Angebot ein, bei dem "neugierige Menschen" gesucht werden, die auf Mallorca Veranstaltungstickets an die Urlauber verkaufen. Auf Deutsch, versteht sich. "Dafür muss man aber geboren sein", meint Schulz.

Das bisher ungewöhnlichste Jobangebot bekam sie erst vor Kurzem zugeschickt: Eine Firma suchte türkischsprachige Studenten, die in Chemnitz türkische Familien interviewen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.08.2013

Gina Apitz

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