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Bildung Studie: Hormon-Jungbrunnen bei Bonobos macht Tiere auch im Alter umgänglich
Leipzig Bildung Studie: Hormon-Jungbrunnen bei Bonobos macht Tiere auch im Alter umgänglich
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23:59 20.12.2013
Bonobo-Nesthäkchen Yaro in fürsorglicher familiärer Obhut im Leipziger Zoo. Quelle: André Kempner

Kulleraugen, noch bescheidener Haarwuchs, dafür viel Körperkontakt zu Mutter Lexi - der acht Monate alte Yaro ist ein süßer Bursche. Das Pongo- land ist sein zu Hause, Proband war er aber nicht. Denn in die Untersuchung, die die Eva-Experten zusammen mit der königlichen-zoologischen Gesellschaft in Antwerpen vornahmen, wurden Tiere einbezogen, die zwischen einem und 56 Jahre alt waren.

Um ein belastbares Ergebnis zu bekommen, nahmen die Fachleute den Urin von rund 200 in zoologischen Gärten lebenden Bonobos und Schimpansen unter die Lupe. Bei dem Projekt wollten sie dahinter kommen, warum erhebliche Entwicklungsdifferenzen bei den beiden Spezies auftreten. Während nach der Geburt ihr Verhalten kaum zu unterscheiden ist, gibt es im Erwachsenen-Alter auffallende Eigenheiten. So sind männliche Bonobos weniger aggressiv, den Weibchen herzlich verbunden, und sie setzen zeitlebens auf mütterliche Hilfe. Ihre Schimpansen-Kollegen stehen in der Gruppe hingegen ihren Mann, indem sie eine Mischung aus bissigem und kooperativem Auftreten an den Tag legen.

Wie sich zeigte, spielt die Biochemie bei der Ausprägung solcher Charakteristika eine wesentliche Rolle. Die Analysen der Urinproben offenbarten, dass bei Schimpansen die Werte von Schilddrüsen-Hormonen in der Jugend hoch sind und in der Pubertät in den Keller gehen. Anders bei den sexhungrigen Bonobo-Männchen: Sie behalten den kräftigen Hormonspiegel bis ins hohe Erwachsenen-Alter und übertreffen dabei in der Schilddrüsen-Aktivität sogar die Weibchen. Die Eva-Spezialisten deuten diesen Befund in zwei Richtungen: "Hohe Schilddrüsen-Hormonwerte reduzieren möglicherweise die Aggression männlicher Affen", meint Verena Behringer, die zu den Autoren der Studie gehört. "Und vielleicht bevorzugen Bonobo-Weibchen auch mit solchen Botenstoffen gedopte Männer als Paarungspartner." Ob dieses biochemische Geschehen auch Einfluss auf die geistige Fitness habe, sei aber noch nicht geklärt.

Hintergrund: Bei Schimpansen ist das Wachstum des Gehirnvolumens mit zehn Jahren abgeschlossen, Bonobos kommen kognitiv erst später in die Gänge. "Nun gilt es detaillierter herauszufinden, warum Schimpansen Frühstarter und Bonobos Spätzünder sind", so Behringer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Mario Beck

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