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Bildung Therapien mit Strom und Sojabohnen
Leipzig Bildung Therapien mit Strom und Sojabohnen
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21:50 27.04.2017
Aktuell treffen sich gut 1000 Neurophysiologen in Leipzig. (Symbolfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Seit Mittwoch und noch bis Freitag tagen rund 1000 Neurophysiologen in Leipzig. Die Deutsche Gesellschaft für Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung hält ihre 61. Jahrestagung ab. Aus diesem Anlass stellten mehrere Professoren neue Forschungsergebnisse, Behandlungsmethoden und Perspektiven vor: So präsentierte Kongresspräsident Ulrich Hegerl, Chef der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Leipzig, eine neue Software VIGALL 2.1, mit der es künftig möglich sein soll, psychische Erkrankungen besser zu diagnostizieren und zu behandeln. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei dem Aktivitätszustand des zentralen Nervensystems zu. Während dieses sogenannte Arousalniveau im Verlaufe etwa einer Viertelstunde bei Patienten mit ADHS oder einer Manie steil absinkt, bleibt es bei Patienten mit depressiven Erkrankungen anhaltend hoch. Die Hoffnung dabei ist, den Zusammenhang zwischen gestörter Wachheitsregulation am Tag und psychischen Erkrankungen besser zu verstehen.

Vier Millionen Deutsche depressiv

Die Anwendung von elektrischem Strom oder Magnetfeldern bei Menschen mit Depression und Schizophrenie wird neben dem Einsatz von Medikamenten und Psychotherapie erfolgreich an der Uniklinik Tübingen praktiziert. Andreas J. Fallgatter erklärte, man versuche auf diese Art und Weise, betroffene Hirnregionen zu stimulieren oder zu bremsen. Etwa vier Millionen Deutsche hätten schon einmal eine depressive Episode durchlitten oder seien aktuell betroffen. Eine nichtinvasive Magnetstimulation im linken Stirnlappenbereich habe bei 3000 Patienten in mehreren Studien eine antidepressive Wirkung gezeigt. Die Hirnstimulation gehöre zwar noch nicht zur Standardtherapie, verspreche aber langfristig auch bei Patienten mit Schizophrenie – etwa 800 000 in Deutschland – Linderung.

Strategien gegen Nervenerkrankungen

Agnes Flöel, Chefin der Klinik für Neurologie an der Uniklinik Greifswald, beschäftigt sich damit, wie Nahrungsergänzungsmittel neben kognitivem Training und Hirnstimulation Alterungsprozesse des Gehirns bremsen können. Bekannt sei, dass polyaminreiche Nahrung – beispielsweise Sojabohnen, Weizenkeime oder auch Nüsse – den altersbedingten Erinnerungsverlust bei Fruchtfliegen stoppen könnten. Gehen jedoch die Polyamine im Alter zurück und nimmt die Anhäufung verklumpter Proteine im Gehirn zu, seien wesentliche Faktoren für eine Alzheimer-Erkrankung vorhanden. Nun sollen diese Nahrungsergänzungsmittel auch an einer größeren Patientengruppe getestet werden. Schätzungsweise 1,2 Millionen Deutsche leiden gegenwärtig an Demenz, bis 2050 soll sich die Zahl sogar verdoppeln.

Über die durch die Internet-„Ice Bucket Challenge“ auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt gewordene Nervenerkrankung ALS forscht Jan Kassubek, Oberarzt an der Neurologischen Klinik der Uniklinik Ulm. Der kurzzeitige Hype habe allein in den USA rund­ 100 Millionen Dollar Spendengelder erbracht. Die Krankheit, an der jeder 400. Bundesbürger sterbe, sei zwar nach wie vor nicht heilbar, so Kassubek, aber eine frühere Erkennung könne die Behandlung effizienter gestalten. Neue Biomarker sollen dabei helfen. Kassubek beklagte, dass ALS-Ambulanzen noch immer unterfinanziert seien. Ein Basisbudget für Forschung fehle.

Von Roland Herold

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