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Bildung Trauermarsch und "Rote Karte" für Sachsen: Jugendliche streiken an 25 Schulen in Leipzig
Leipzig Bildung Trauermarsch und "Rote Karte" für Sachsen: Jugendliche streiken an 25 Schulen in Leipzig
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15:44 27.03.2012
"Bildungsstreik - Bildung für alle!": Jugendliche demonstrieren Ende 2011 in Berlin. Jetzt ruft der Lehrermangel Sachsens Schüler auf den Plan. Quelle: dpa
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Leipzig

25 Schulen beteiligen sich in Leipzig mit Trauermärschen, Rote-Karte-Aktionen und Menschenketten an dem Protest. Denn "die Situation ist wirklich schlimm", sagte Anja Sinzig vom Vorstand des Stadtelternrats.

Sinzig bemängelt, dass in vielen Schulen Selbstbeschäftigung als offizieller Unterrricht abgehalten werde. Diese Vertretungsstunden hätten aber mit dem Fachunterricht nichts zu tun, "den Schülern fehlt der Stoff dann in den Prüfungen", bemängelt sie. Laut einer Statistik des Landesamts Kamenz sinkt die Lehrerzahl im Freistaat seit Jahren und liegt aktuell bei 28.359. Das Land Sachsen gibt den Unterrichtsausfall für das erste Schulhalbjahr 2011/12 mit 3,4 Prozent im Landesdurchschnitt an. Mit mehr als fünf Prozent Unterrichtsausfall sind die berufsbildenden Schulen und allgemeinbildenden Förderschulen derzeit am stärksten betroffen.

Kreativer Protest an Leipziger Schulen

"Bildet die Rettung, rettet die Bildung", ruft der Landesschülerrat auf. Schon um acht Uhr starten am Mittwoch in Leipzig zum Beispiel im Kant-Gymnasium die ersten Aktionen. Schüler des Thomas-Gymnasiums organisieren einen Trauermarsch durch den Johanna-Park, Jugendliche des Schiller-Gymnasiums zeigen dem Kultusministerium buchstäblich die Rote Karte. Auch in Mittelschulen und Berufsschulzentren setzten die Jugendlichen auf kreativen Protest, der offiziell eine Schüler-Vollversammlung ist - denn Schüler dürfen eigentlich nicht streiken.

Liste der Leipziger Schulen, die beim Aktionstag mitmachen

Auf der Facebookseite der Aktion schreiben die Schüler: "Jeder kennt Geschichten von Schulen, an denen so großer Lehrermangel herrscht, dass Lehrer, die schon längt im Ruhestand wären, immer noch unterrichten müssen. Jeder von euch kennt Geschichten von Lehrern, die an drei verschiedenen Schulen unterrichten müssen."

Lehrergewerkschaft GEW: "Alle leiden unter der Situation"

Abordnungen von Lehrern, Versetzungen und der hohe Krankenstand bei einer "dünnen Lehrerdecke" sei auch für die Gewerkschaft GEW ein zentrales Thema, erklärt die Landesvorsitzende Sabine Gerold gegenüber LVZ-Online. Dass nun ein Signal von den Schülern kommt, das Heft in die Hand zu nehmen, begrüßt sie: "Wir leiden alle unter derselben Situation." Bei der zentralen Kundgebung am Mittwochnachmittag vor dem Finanz- und Kultusministerium in Dresden wird Gerold die Schüleraktion mit einem Statement unterstützen.

"Natürlich setzen wir alle Hoffnungen in die neue Kultusministerin", sagt Elternrätin Anja Sinzig. Man müsse sehen, was die Haushaltsverhandlungen bringen würden. Positiv sei, dass die nach dem Rücktritt Roland Wöllers (CDU) ernannte, neue Kultusministerin Brunhild Kurth eine Frau aus der Praxis sei. Kurth leitete zuletzt die Regionalstelle Chemnitz der sächsischen Bildungsagentur.

Evelyn ter Vehn

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