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Bildung Tropenwald von Panamakanal-Insel wächst virtuell
Leipzig Bildung Tropenwald von Panamakanal-Insel wächst virtuell
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14:26 19.05.2015
Die Regenwald-Insel Barro Colorado samt Forschungsstation im Panamakanal. Quelle: Smithsonian Institution

Seine Entstehung verdankt das rund 15 Quadratkilometer große Eiland dem einstigen Kanalbau. Nach dem Stau des Wassers ragte es aus den Fluten und wird seit 1946 von der renommierten Smithsonian Institution als biologisches Reservat verwaltet. Von tropischem Regenwald bedeckt, wird die Insel seit Langem erkundet und genießt den Status eines der am besten erforschten Regenwaldgebiete der Erde.

"Die Insel beherbergte auch den Baum mit der weltweit größten Krone. Sie maß im Durchmesser bis zu 60 Meter", weiß Stephan Getzin vom UFZ. 2013 sei dieser Big Tree genannte Kapokbaum aber zusammengesackt. Eine große Konstante der regelmäßigen Waldinventuren auf der Insel hatte sich damit verabschiedet. Dem gewaltigen Datenfundus zum Bewuchs des Eilandes tat das freilich keinen Abbruch. Und auf diesen griffen Getzin und sein Kollege Thorsten Wiegand nun bei einem Projekt zurück, bei dem Erfahrung, Rechenpower und hochkarätige Software gefragt waren.

Im Raum stand die Frage, nach welchem Verteilungsmuster der Baumnachwuchs auf Barro Colorado seine Wurzeln schlägt. Im Journal der Royal Society of London haben die auf ökologische Modellierungen spezialisierten Fachleute vom UFZ jetzt gemeinsam mit Partnern von der Universität von Kalifornien und der Smithsonian Institution die Ergebnisse publiziert und beschrieben, wie sie methodisch vorgingen.

Demnach wurde zunächst eine Referenzfläche von 1000 mal 500 Metern ausgewählt, auf der über 65 Baumarten mit jeweils mindestes 50 Exemplaren heimisch waren - sowohl jungen als auch betagten. Mit den zu diesem Gebiet über Jahrzehnte hinweg akribisch erfassten Vegetationsinformationen wurden die Rechner am UFZ gespeist und die Verteilung der verschiedenen Baumgenerationen ermittelt.

Überraschendes Resultat: Bei drei Viertel der unter die Lupe genommenen Arten gab es keinen räumlichen Zusammenhang zwischen den Eltern-Bäumen und ihren Sprösslingen. Eigentlich wäre es naheliegend gewesen, "dass Jung und Alt meist beieinander sind", meint Getzin. Doch das betreffende Insel-Areal erwies sich bei den Computersimulationen am UFZ als Paradebeispiel für die sogenannte neutrale Theorie, bei der Zufallsprozesse in artenreichen Wäldern eine große Rolle spielen und klassische ökologische Prognosen nicht greifen. Entwickelt hatte die Theorie der ebenfalls an der Studie beteiligte US-Amerikaner Stephen Hubbell.

Seit fünf Jahren bauen die UFZ-Experten unter der Ägide von Professor Andreas Huth ihre Kompetenz bei der computergestützten Ökosystemforschung kontinuierlich aus. Mit über zwei Millionen Euro wird dies vom europäischen Forschungsrat unterstützt. Im Fokus stehen dabei die pflanzlichen Lebensgemeinschaften in tropischen Wäldern auf verschiedenen Kontinenten - bis hin zur Insel Barro Colorado. Übersetzen lässt sich der Name mit "Roter Ton", dem Material, auf dem das Naturdenkmal gründet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.10.2014
Mario Beck

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