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Bildung Über 47.000 Bewerbungen: Rekordnachfrage nach Studienplätzen an der Uni Leipzig
Leipzig Bildung Über 47.000 Bewerbungen: Rekordnachfrage nach Studienplätzen an der Uni Leipzig
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09:32 15.09.2014
Die Universität Leipzig vermeldet einen Bewerberboom. Quelle: dpa
Leipzig

Vergangenes Jahr waren es noch 41.000. Die Nachfrage stieg damit zum dritten Mal in Folge sprunghaft an. Allerdings stehen für die Bewerber nur rund 7000 Plätze zu Verfügung. Am Montag endet das Bewerbungsverfahren.

Wunschfach Nummer eins bei den Bewerbern ist Psychologie. Auf etwa 60 Studienplätze kommen dort rund 4000 Anträge, schätzt Klaus Arnold vom Studentensekretatriat. „Auch der Studiengang in Kommunikations- und Medienwissenschaft ist mit über 2500 Bewerbungen traditionell sehr nachgefragt.“ Mit etwa 1000 Bewerbungen ist Biologie die beliebteste Naturwissenschaft. Und seit das Lehramtsstudium in Sachsen wieder mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird, ist auch dort der Andrang auf die Plätze stark gestiegen. Rund 7000 Bewerbungen entfallen insgesamt auf die verschiedenen Fächerkombinationen und Schulformen.

Arnold sieht die Flut der Anträge allerdings kritisch. Sie spiegele nicht unbedingt einen Anstieg der Bewerberzahlen wieder. Stattdessen sei die Vereinfachung des Verfahrens eine mögliche Ursache für das Wachstum der Gesuche. „Während man sich früher nur auf einen Studienplatz bewerben konnte und persönlich vorbeikommen musste, um sich einzuschreiben, sind heute beliebig viele Bewerbungen per Internet möglich.“ Für die Mitarbeiter der Universität erhöhe sich dadurch der Arbeitsaufwand, da jede Bewerbung geprüft und beschieden werden müsse.

Hauptgrund für Leipzig: Attraktivität der Stadt

Nancy Beyer, die das Studieninformationsportal "Leipzig studieren" koordiniert, beobachtet aber auch, dass sich der Ruf Leipzigs als Studentenstadt weiter verbreitet habe und daher mehr Interesse für die Studienplätze aus entfernten Regionen komme. So stammte in den vergangenen drei Jahren mehr als jede zweite Bewerbung aus den alten Bundesländern. Vergangenes Jahr seien es mit 21.500 insgesamt 56 Prozent aller Anträge gewesen.

„Dazu haben sicher die Kampagnen 'Studieren in Feronost' und 'Pack dein Studium. Am besten in Sachsen' beigetragen, aber auch dass Leipzig als Studienort erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien erhält“, sagt Beyer. Wer zu Besuch komme, sei schnell von der Stadt überzeugt. Von Studieninteressenten weiß sie: Viele fühlten sich sofort wohl, weil Leipzig nicht zu groß sei, wie etwa Berlin, aber auch nicht zu klein. Man finde schnell die richtigen Orte für alle kulturellen und sportlichen Interessen und nicht zuletzt seien die Wohnungen für Wohngemeinschaften schön und vergleichsweise günstig. Bei der regelmäßigen Befragung aller Erstsemester zeige sich: „Hauptgrund dafür, ein Studium in Leipzig zu beginnen, ist die Attraktivität der Stadt“, so Beyer.

Nur 16 Prozent der Bewerbungen erfolgreich

Blick auf das Paulinum der Universität Leipzig. Quelle: Dirk Knofe

Neben der Studienumgebung spielt aber auch das Angebot eine große Rolle für die hohe Nachfrage. Vor allem an vielen westdeutschen Universitäten mangelt es an Masterstudienplätzen. „In den letzten Jahren haben wir einen regelrechten Run auf einige unserer Plätze erlebt“, sagt Klaus Arnold. In vielen Fächern, etwa in den Naturwissenschaften sei ein Master notwendig, um sich für einen Beruf zu qualifizieren. „Da bewerben sich die Leute mit einem Bachelor in ihrer Verzweiflung überall, um bei der Studienplatz-Vergabe nicht leer auszugehen“, kritisiert Arnold.

Oftmals könne dabei aber auch die Leipziger Alma Mater nicht helfen. Vor der Reform der Abschlüsse auf Bachelor und Master im Jahr 2006 hätten etwa 30.000 Studenten an der Universität studiert. Danach sei die Größe vieler Seminare und Übungen beschränkt worden, um die Studienbedingen zu verbessern. „Dieser Schritt war überfällig“, sagt der Mitarbeiter des Studentensekretariats. Doch nun könnten nur noch etwa 28.000 Studenten in Leipzig studieren. Die steigende Zahl der Bewerbungen würde in der Folge mit steigenden Ablehnungszahlen und immer höheren Zulassungsbeschränkungen beantwortet. Im Schnitt haben in den vergangenen Jahren etwa 7000 junge Menschen schließlich das Studium in Leipzig aufgenommen. Statistisch ware damit nur 16 Prozent aller Bewerbungen erfolgreich.

Universität wird internationaler

Positiver bewertet Arnold die Entwicklung bei der Zahl ausländischer Studenten und Studienbewerber in Leipzig. Rektorin Beate Schücking hatte zu Beginn ihrer Amtszeit das Ziel formuliert, die Universität Leipzig internationaler zu machen. Nun gebe es zum kommenden Wintersemester bereits 4000 Bewerbungen aus dem Ausland, ein Plus von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, stellt Arnold zufrieden fest. „Das sind vor allem die Früchte unserer eigenen Arbeit. Das Akademische Auslandsamt hat sich in den vergangenen Jahren sehr um die Pflege und den Aufbau neuer internationaler Partnerschaften und die Rekrutierung ausländischer Studierender bemüht.“

Größte Gruppe der Bewerber sind bevölkerungsreiche Länder wie China. In Europa führen Spanien, Frankreich und Italien die Statistik an. „Aber wir profitieren auch von unserer Nähe zum Osten. Russische und polnische Studierende sind immer in der Top 10 unserer ausländischen Studenten“, so Arnold. Hinzu kommen junge Menschen aus Vietnam, weil es zu den Universitäten in dem südostasiatischen Land seit DDR-Zeiten traditionelle Kooperationsvereinbarungen gibt.

Schritt für Schritt stieg der Ausländeranteil an der Studentenschaft auf inzwischen 9,8 Prozent. Zum kommenden Wintersemester könnte erstmals die Zehn-Prozent-Marke geknackt werden.

Clemens Haug

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