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Bildung Uni Leipzig: Zeitdruck bei Reform des Journalistik-Studiengangs
Leipzig Bildung Uni Leipzig: Zeitdruck bei Reform des Journalistik-Studiengangs
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00:21 18.11.2017
Sitz des Institutes für Kommunikations- und Medienwissenschaft in der Burgstraße, zu dem die Uni-Journalistik gehört.  Quelle: André Kempner
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LEIPZIG

 Zum Wintersemester 2018 soll der Journalistik-Masterstudiengang an Leipzigs Uni mit konzeptioneller Neuausrichtung loslegen, aber langsam wird die Zeit für die Runderneuerung knapp. Wie berichtet, war in diesem Jahr von der zuständigen Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie die Immatrikulation mit der Begründung ausgesetzt worden, die Ausbildung habe an Attraktivität verloren, es gebe einen gravierenden Schwund bei den Bewerberzahlen, kapazitäre Defizite und einen Reformstau. Den sollte eine im April eingesetzte Kommission unter dem Vorsitz von Fakultätsstudiendekan Professor Thomas Kater auflösen und der traditionsreichen Journalistik an der Alma mater ein neues Profil geben. Allerdings ohne zusätzliches Personal für die stark geschrumpfte Journalistik-Abteilung am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW). Wohin die Reise konkret gehen soll, ist bisher unklar. Das inzwischen erarbeitete Strategiepapier liegt weiter unter Verschluss. Auf Anfrage erklärte Kater, die Reformkommission habe sich im Oktober auf ein Konzept geeinigt, das nunmehr in weiteren Uni-Gremien behandelt werde. Ziel sei es, den Studiengang so zu gestalten, dass er die Kommilitonen auch auf die digitale Kommunikationswelt vorbereite. Details nannte er nicht, erst müsse der Fakultätsrat einen Beschluss fassen.

Wenig Zeit bis Zum Neubeginn im Herbst 2018

Damit wäre aber erst das Formale vollzogen, dem diverse organisatorische Weichenstellungen folgen müssten. Insofern könnte es eng werden mit dem Neubeginn im Herbst 2018. Denn bisher war die Bewerbungsphase für die Journalistik immer im April angelaufen. Sollte das so bleiben, steht das Reformprojekt unter Zeitdruck. Umstritten ist es ohnehin. Der letzte verbliebene Journalistikprofessor und Abteilungsleiter Marcel Machill hatte schon im April gegenüber der LVZ seinem Unmut Luft gemacht. „Erst wird die Abteilung fast kaputt gespart und nun wird so getan, als kämen plötzlich die Retter in der Not.“ Im Juli legt der fachlich versierte Machill, dessen Lehrstil aber bei vielen Studenten auf wenig Gegenliebe stößt, noch einmal nach. In einem Schriftsatz mit dem Titel „Das Ende der Leipziger Journalistik“ nahm er den Reformplan, einen „hochspezialisierten Studiengang Datenjournalismus“ zu schaffen, auseinander. „Aus meiner Sicht ist das ein Sammelsurium von Inhalten, das den Studierenden letztlich nichts Halbes und nichts Ganzes bieten wird.“ Was da heraufdämmere, bezeichnete Machill als einen „Informatik-Soziologie-Statistik-Journalistik-Master“.

Generelle Kritik

In der Generalabrechnung bekamen alle ihr Fett weg – Uni-Leitung, Fakultät und Professoren am PR-lastigen KMW-Institut. Selbstkritisch merkte der 49-Jährige in dem dreiseitigen Brandbrief an, er habe zu lange dafür gekämpft, die Uni-Journalistik für alle Mediengattungen offen zu halten. Dabei seien bei allen Beteiligten Abnutzungserscheinungen aufgetreten, „die die Stimmung nicht besser machten“. Viel zu spät habe er erkannt, dass eine umfassende Journalistik nicht mehr gewollt sei. Hintergrund: Nach der Emeritierung von Professor Michael Haller 2011 war dessen Journalistik-Lehrstuhl gestrichen worden, die jährliche Immatrikulationszahl sank von 45 auf 30, von 6,5 Mitarbeiterstellen blieben nur 2,5 übrig. Machills Schreiben sorgte nicht nur an der Uni für Wirbel, seitdem herrscht seinerseits Funkstille.

Universität kündigt Vertrag mit Leipzig School of Media (LSOM)

Offenbar im Zusammenhang mit dem avisierten Journalistik-Neustart, hat die Universität ihren seit 2008 bestehenden Kooperationsvertrag mit der Leipzig School of Media (LSOM), die auf dem Mediencampus in Gohlis ihren Sitz hat, gekündigt. 2019 wird die Partnerschaft beendet, in deren Rahmen die Alma mater bisher die LSOM-Studiengänge „New Media Journalism“ und „Corporate Media“ begleitete.

 „Der Vertrag hatte aufgrund einer Reihe struktureller und inhaltlicher Weiterentwicklungen keine relevante Wirksamkeit mehr“, meinte Uni-Prorektor Professor Thomas Hofsäss. LSOM-Direktor Michael Geffken stellte klar, dass 2018 wieder in diese berufsbegleitenden Ausbildungsrichtungen immatrikuliert werde und alle Kommilitonen ihr Studium ordentlich beenden können. „Wir bedauern die Vertragsauflösung, sehen aber auch die Chance, andere innovative Partner zu gewinnen.“

 

Von Mario Beck

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