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Uni Leipzig schließt Kooperation mit Hochschule in Taiwan

Rektorin Schücking im LVZ-Interview Uni Leipzig schließt Kooperation mit Hochschule in Taiwan

Zurzeit studieren zehn Taiwanesen an der Uni der Messestadt. Professor Dr. Beate Schücking (59) besuchte im April wissenschaftliche Einrichtungen in Taiwan, mit denen die Leipziger Uni regen Austausch pflegt.

Junge Frauen führen in Taipeh durch eine Ausstellung preisgekrönter Hightech-Produkte aus Taiwan.

Quelle: Anita Kecke

Leipzig. Zurzeit studieren zehn Taiwanesen an der Uni der Messestadt. Professor Dr. Beate Schücking (59) besuchte im April wissenschaftliche Einrichtungen in Taiwan, mit denen die Leipziger Uni regen Austausch pflegt.

Mit der Nationalen Chengchi Universität in Taipeh unterzeichnete die Rektorin eine Kooperationsvereinbarung. Das seit zwei Jahren bestehende Abkommen der Leipziger Universitätsbibliothek mit der taiwanesischen Nationalbibliothek frischte sie auf. Beate Schücking, die in Ulm, Paris und New York Medizin studierte, ist seit März 2011 Rektorin der Leipziger Uni mit derzeit 28 000 Studierenden.

LVZ: Sie ha ben meh rere Universitäten besucht in Taiwan. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Beate Schücking: Wie die Politik die Bildung als Schwerpunkt setzt und dies in jeder Hinsicht, finanziell und personell, auch deutlich macht. Ich war auf Einladung des taiwanesischen Bildungsministeriums vor Ort. Taiwan leistet sich fast 160 Universitäten und Hochschulen, gibt einen Großteil seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus und ist zu Recht sehr stolz darauf, dass diese Investitionen einen enormen Innovationsschub gebracht haben.

Was könnten d ie Leipzig er Uni und andere Hochschulen von denen in Taiwan lernen?

Uni-Rektorin Beate Schücking in Taiwan

Unirektorin Beate Schücking in Taiwan. Bild: Kecke

Quelle: Anita Kecke

Sehr positiv sehe ich den hohen Frauenanteil unter den Studierenden und den Lehrkräften, die begabten jungen Frauen haben sehr gute Chancen. Die Unis werden immer familienfreundlicher, haben sogar Stillzimmer. Beeindruckt hat mich auch der hohe Standard bei den Lebenswissenschaften, auf die ich als Medizinerin besonders schaue. Sehr angetan war ich von der Kinderklinik in Taipeh, die unheimlich groß ist mit über 300 000 ambulanten Besuchen und über 20 000 Bettentagen im Jahr. Die Ärzte und Pfleger haben sich sehr viel Mühe gegeben, dieses große Krankenhaus kindgerecht zu gestalten, mit einer spielfreundlichen Atmosphäre, damit die kleinen Patienten sich wohlfühlen.

Haben Sie diese Information gleich weitergegeben?

Ja, ich habe den Direktor der Leipziger Universitätskinderklinik Prof. Wieland Kiess informiert, da sich die Kinderklinik in der Erweiterungsphase befindet und jede pfiffige Idee dabei nur helfen kann. Sehr spannend im Bereich Medizin fand ich auch die Tzu Chi Universität, eine buddhistische Medizinunversität in Hualien.

Was ist da das Besondere?

In der buddhistischen Medizin spielt die Empathie, das Mitgefühl mit den Patienten, eine große Rolle. Auch mancher Patient bei uns würde sich vielleicht wünschen, dass die jungen Ärzte, zusätzlich zu den modernsten Heilverfahren und Techniken, auch auf dieser Schiene ausgebildet werden.

Was haben Sie mit der Nationalen Chengchi Universität in Taipeh vereinbart?

Es geht im Kern um eine engere Zusammenarbeit unseres Ostasien-Instituts in den Bereichen chinesische Sprache und Literatur sowie Religions- und Gesellschaftswissenschaften. Dessen Direktor, Professor Philip Clart, hat die Vereinbarung vorbereitet. Die Nationale Chengchi Universität ist eine sehr renommierte, große Universität, vom Profil her mit der Leipziger Uni vergleichbar. Wir haben auch einen Förderantrag laufen mit dem Ziel, ab dem Wintersemester 2016 fünf bis sechs Studierende für ein Jahr an diese Uni nach Taipeh zu schicken. Taiwan ist ein sehr interessantes Pflaster, auch für unsere Studierenden. Sie können sich da wohl und sicher fühlen. Mit dem Rektor der Universität, Professor Edward Chow, habe ich mich lange unterhalten, wie man den Austausch in Gang bringen und vertiefen kann.

Ist das eine Partnerschaft auf längere Sicht?

Davon gehe ich aus. Wir haben in Leipzig einen großen Schwerpunkt in den Religionswissenschaften, da spielt Ostasien eine wichtige Rolle. Die Idee von Professor Clart ist es, ein größeres Zentrum zur Untersuchung des Buddhismus zusammenzustellen. Wir haben Experten für tibetischen, indischen und japanischen Buddhismus. Der chinesische Buddhismus müsste noch stärker vertreten sein. Dafür bietet die Zusammenarbeit mit Taiwan eine gute Grundlage.

Belastet der wissenschaftliche Austausch mit Taiwan die Beziehungen der Uni zu China?

Nein, wir haben hier auch das Konfuzius-Institut, das 2008 in enger Kooperation mit der Pekinger Renmin-Universität gegründet wurde. Es bietet vertiefte Möglichkeiten, Sprache und Kultur Chinas kennenzulernen. Man kann sehr wohl Kontakte zu beiden Seiten haben. Es ist ja auch heute nicht mehr so, dass sich Taiwan von Festland-China komplett abschottet. Es findet ein reger Handel statt und Austausch auf vielen Gebieten.

Junge Frauen führen in Taipeh durch eine Ausstellung preisgekrönter Hightech-Produkte aus Taiwan.

Quelle: Anita Kecke

Wie sehen Sie die Studienbedingungen im Vergleich?

Dazu gehören auch Studiengebühren, die in Taiwan erhoben werden. Die Kollegen hören gern, dass taiwanesische Studenten bei uns keine Gebühren zahlen müssen. Ansonsten ist es ähnlich wie bei uns. Natürlich herrscht auf dem Campus an taiwanesischen Universitäten eine gute, produktive Atmosphäre. Aber die Leipziger Uni hat so einen wunderbaren Campus am Augustusplatz, da müssen wir uns nicht verstecken.

Was hat die taiwanesischen Kollegen interessiert?

Wie man bei einer stetig steigenden Quote von Frauen unter den Studierenden und den Wissenschaftlern die Unis noch kinderfreundlicher machen kann. Fragen der Finanzierung waren von Interesse und wie man Hochschulen an demografische Veränderungen anpassen kann. Die Kollegen fanden interessant, was ich über das Seniorenstudium, über lebenslanges Lernen gesagt habe.

Was beinhaltet die Vereinbarung mit der taiwanesischen Nationalbibliothek?

Die Zusammenarbeit unserer Universitätsbibliothek mit der Nationalbibliothek in Taipeh ist deswegen so besonders, weil ein nicht unerheblicher Teil von Buchschätzen aus dem alten China nach Taiwan verbracht wurde und dort Bestandteil der Nationalbibliothek ist. Das ist sehr beeindruckend. Die Bücher sind inzwischen digitalisiert, so dass der Austausch gut funktioniert. Wir haben auch alte chinesische Dokumente zur Verfügung gestellt. Der Austausch ist keine Einbahnstraße. Die Direktorin der taiwanesischen Nationalbibliothek war auch schon in Leipzig.

Haben Sie auch Leipziger Studenten in Taiwan getroffen?

Ja, an der Wenzao Ursuline Universität in Kaohsiung, einer katholischen Uni. Da habe ich einen Studenten aus Leipzig getroffen aus unserem Kommunikationsbereich, der ein ganzes Jahr dort verbringt und sehr zufrieden ist. Er vertieft sein Fach und lernt Chinesisch. Und von der Wenzao Ursuline Universität sind dieses Jahr zehn Studenten für ein Jahr zu uns gekommen. Auch mit dieser Uni gibt es eine feste Partnerschaft. Die Leiterin des dortigen Deutsch-Programms sagte mir: „Wenn sich unsere Studierenden entscheiden sollen, wo sie in Deutschland Deutsch lernen möchten, wollen sie alle nach Leipzig."

Interview: Anita Kecke

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