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Vielzahl der Kunstwerke aus der Universitätskirche St. Pauli restauriert

Vielzahl der Kunstwerke aus der Universitätskirche St. Pauli restauriert

Seit Rudolf Hiller von Gaertringen Kustos der Leipziger Universität ist, hält ihn die Restaurierung der Kunstwerke aus der Universitätskirche St. Pauli, die 1968 gesprengt worden war, regelrecht in Atem.

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Künstler Thomas Leu arbeitet im Depot der Kustodie am Epitaph für das Paulinum.

Quelle: André Kempner

Langsam sieht aber auch er Licht am Ende des Tunnels. Eine Vielzahl der zur Präsentation im Andachtsraum des Paulinums vorgesehenen Epitaphien konnte in den vergangenen Jahren dank Sponsoren unterschiedlicher Couleur restauriert und rekonstruiert werden.

In der  Kustodie wird derzeit aufs grüne Licht seitens der Bauleitung gewartet, um endlich mit dem zum Teil aufwändigen Einbau beginnen zu können. Zu den wertvollsten Kunstwerken, die demnächst im Paulinum zu sehen sein werden, gehört das Epitaph (Gedächtnismal) für Johannes Olearius (1639 - 1713) und dessen Frau Anna Elisabeth. Es verweist auf ein einflussreiches sächsisches Gelehrtengeschlecht, das sich vom 16. bis zum 19. Jahrhundert vor allem der protestantischen Theologie verpflichtet fühlte.

Auf Olearius geht die Einführung der bis heute regelmäßig stattfindenden Universitätsgottesdienste zurück, auch war er in seinen vielen Jahren an Leipzigs Alma mater achtmal zum Rektor gewählt worden. 1713 wurde er in der Paulinerkirche beigesetzt. Valentin Schwarzenberger (1692 - 1749), der bei Balthasar Permoser, dem Bildhauer des Dresdner Zwingers, seine Ausbildung erfahren hatte, gestaltete das Epitaph. Dank einer großzügigen Spende der heutigen Nachkommen von Olearius kann es restauriert werden.

 Kustos Hiller schwärmt vom "Meister Schwarzenberger", der auch die Kanzel für St. Pauli geschaffen hatte. Er habe besonders mit dem Olearius-Epitaph barocke Holzbilderhauerkunst in Vollendung geschaffen. Leider hatte aber auch dieses Kunstwerk die Jahrhunderte und vor allem den extremen Einschnitt des Jahres 1968 mit der Bergung in aller Eile vor der Zerstörung und mit der folgenden jahrzehntelangen unangemessenen Lagerung nicht ohne Verlust überstanden. Was also tun? Hiller und Vertraute waren sich schnell einig, der Kunst Schwarzenbergers zwar zu neuem alten Glanz zu verhelfen, die Spuren der Zeit aber ebenfalls darstellen zu müssen. Hiller: "Es wäre doch ganz fatal, würden wir mit dieser Geschichte eine heile Welt zeigen."

 Wie bei manch anderem geretteten Original aus der verlorengegangenen Kirche war auch das Olearius-Epitaph unvollständig geborgen beziehungsweise beim Transport oder durch Diebstahl (keiner kann heute so etwas beweisen) in Mitleidenschaft gezogen worden. Metallbildhauer Thomas Leu, Absolvent der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, wurde beauftragt, die fehlenden Teile modern zu ergänzen. Aluminium, in goldener Farbe in einem Schkeuditzer Spezialbetrieb eloxiert, wird mit dem barocken Holz korrespondieren. Leu spürte bei seiner Arbeit die "besondere Verantwortung" gegenüber der Kunst des 18. Jahrhunderts, der Künstler von heute ist freilich selbstbewusst genug, um gegenüber dem Barock seine Handschrift sichtbar zu machen.

Der Metallbildhauer glaubt aber dabei nicht an die Ewigkeit: "Meine Ergänzungen sind reversibel. Wenn künftige Generationen andere Ideen haben oder wenn gar alte originale Teile doch noch gefunden werden, kann das Olearius-Epitaph von Neuem gestaltet werden." Für Leu ist der Auftrag für einen sakralen Raum keine Premiere, er hatte zuvor schon Kruzifix und Leuchter für die Stiftskirche in Quedlinburg gestaltet.

 Im Andachtsraum des Paulinums wird das Olearius-Gedächtnismal des Autorenduos Schwarzenberger/Leu mit Blick auf den Paulineraltar an einem herausragenden Platz zu finden sein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.02.2014

Thomas Mayer

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