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"Vor 1000 Jahren habe ich eigenhändig den Grundstein gelegt"

"Vor 1000 Jahren habe ich eigenhändig den Grundstein gelegt"

Seine 1040 Jahre sieht man dem Mann mit der Perücke, dem grauen Gewand und dem goldbemalten Bischofsstab nicht an. Matthias Ludwig ist in die Rolle des berühmten Geistlichen Thietmar von Merseburg (975 bis 1018) geschlüpft, verantwortlich für die Ersterwähnung Leipzigs ("urbs Libzi") vor 1000 Jahren.

"Mitteldeutschland verdankt einen guten Teil seines historischen Gedächtnisses meiner Person und den von mir verfassten Chroniken", sagt der Perückenträger in jener selbstbewussten Art, wie sie dem Original nachgesagt wird. Der schlanke Mann, der im richtigen Leben Domstiftsarchivar in Naumburg ist, begrüßt die Besucher des Merseburger Doms, die zum ökumenischen Gottesdienst eilen.

Angereist mit Bussen und Pkw sind auch rund 150 Leipziger - fast so viele, wie Leipzig zu Zeiten Thietmars Einwohner hatte, bemerkt der Geistliche mit einem verschmitzten Lächeln. Merseburger und Leipziger feiern gemeinsam 1000 Jahre. Die Domstadt selbst ist allerdings um einiges älter: Erstmals erwähnt im Jahr 880, baute 919 König Heinrich I. den Ort zu einer Pfalz aus. 968 wurde Merseburg Bistum. "Vor 1000 Jahren habe ich eigenhändig den Grundstein für den Dom in Form eines Kreuzes gelegt", sagt Thietmar zu seinen Zuhörern.

Kirchenrechtlich gehörte Leipzig bis zur Reformation zum Bistum Merseburg, das bis dahin auch den Kanzler der Uni stellte. Mit Thilo von Trotha (1443 bis 1514) den bedeutendsten. Er spielte im Spätmittelalter eine wichtige Rolle zwischen Kirche, dem sächsischen Kurfürsten und dem Kaiser. Als einer der ersten Kirchenfürsten entdeckte er die Macht und die Möglichkeiten des Buchdrucks und setzte sie ein.

Zum Festgottesdienst erklingt im Dom die Ladegastorgel, eine der größten romantischen Orgeln Deutschlands. Die Register zieht Michael Schönheit - in Personalunion Domorganist in Merseburg und Gewandhausorganist von Leipzig.

Er komme gern mit seiner Frau nach Merseburg, "wenn auch viel zu selten". Altbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube, der unter den sächsischen Gästen weilt und fasziniert ist von der Orgel, wie er sagt. Die geschichtlichen Gemeinsamkeiten beider Städte seien bemerkenswert. Er nennt es "eine gute Idee", dass die Städte ihre Jubiläen gemeinsam einläuten.

"Uns verbindet einiges", meint Finanzbeigeordneter Torsten Bonew (CDU). Während einer Feierstunde im Ständehaus lädt er die Merseburger zu Bürgerfest und Stadtfesttagen an die Pleiße ein. Und dann schwärmt er von der Flutung des Lindenauer Hafens, die am Wochenende begonnen hat. "Irgendwann werden wir uns auf dem Wasserweg erreichen." Man tuschelt im Saal. Bonew: Karl-Heine habe dafür den Grundstein gelegt. Die Planungen für den Kanal zur Saale seien von 1856. Man tuschelt weiter. "Leipzigs U-Bahn wurde 1892 geplant. Was sind schon 150 Jahre in der tausendjährigen Geschichte, die uns vereint." Nun, dafür spenden die Merseburger Beifall.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.02.2015

Andreas Dunte

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