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Vorwurf: Leipziger Mehlhorn-Stiftung verschwendet Geld für Gutachten

Wissenschaft und Forschung Vorwurf: Leipziger Mehlhorn-Stiftung verschwendet Geld für Gutachten

Der in Leipzig beheimateten Mehlhorn-Stiftung steht Unheil ins Haus. "Wir müssen befürchten, von der staatlichen Stiftungsaufsicht für mehr als zehntausend Euro persönlich belangt zu werden", sagt Professor Frank Schulz, Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands der gemeinnützigen Mehlhorn-Stiftung zur Förderung der pädagogischen Wissenschaft und Forschung.

Symbolbild

Quelle: Leipzig report

Leipzig. Den Rückgriff ins private Portemonnaie habe die Behörde bereits schriftlich angekündigt. Die Behörde selber bestätigt im laufenden Verfahren lediglich, dass es um einen "extern vergebenen Auftrag" gehe, der womöglich nicht dem Stiftungszweck entspricht.

Gemeint ist damit ein Plagiatsgutachten, das der Dresdener Medienexperte und Hochschullehrer Stefan Weber vor rund zwei Jahren für genau 10 200 Euro über eine Doktorarbeit erstellte. Die Arbeit war von einem Autoren-Duo angefertigt worden, zu dem die Erbin des Stiftungsgründers und Leipziger Kreativitätsforschers Professor Hans-Georg Mehlhorn gehörte. Die Stiftung versuchte, wie ihr Vorsitzender Schulz erklärt, mit der Plagiatsprüfung die Glaubwürdigkeit der Erbin "als selbsternannte ,wissenschaftliche Nachfolgerin' Mehlhorns zu testen".

Das Plagiatsgutachten kam zu einem vernichtenden Ergebnis: Laut Weber haben verheimlichte Übernahmen aus fremden Schriften "werkprägenden" Charakter für die ganze Dissertation über die Geschichte der "Kreativitätsforschung". Die Stiftung legte die vernichtenden Gutachten vor anderthalb Jahren der Freien Universität Berlin (FU) vor, an der das Autoren-Duo mit dieser Arbeit promoviert worden war. Inzwischen hat die Stiftung allerdings einen Rückzieher gemacht. "Mit Rücksicht auf die betroffenen Kitas und Schulen", so Schulz, habe die Stiftung in einen "umfassenden Vergleich" mit der Gegnerin eingewilligt und dabei letztlich auch unterschrieben, "an der Fortführung des Plagiatsverfahrens an der FU kein Interesse mehr zu haben". Der Anwalt der Mitautorin will gegenüber dieser Zeitung zu all dem nichts sagen.

Die "Verantwortlichen der FU" hätten auf seinen "Rückzieher" in der Plagiatsfrage "zunächst mit Unverständnis reagiert", so Stiftungsvorsitzender Schulz. Inzwischen schweige die Uni aber eisern. Auf Nachfrage dieser Zeitung will sie nicht einmal sagen, ob ein Entziehungsverfahren wegen des Doktortitels läuft oder nicht. Schweigen erscheint ihr Gold, weil Anwälte die Ohren spitzen. Nach bundesweit verbindlichen Regeln müssen die Hochschulen aber allen Hinweisen auf mutmaßliches wissenschaftliches Fehlverhalten von Amts wegen nachgehen, also auch ganz unabhängig von opportunem Hü oder Hott privater Informanten.

Dass jetzt sogar die staatliche Stiftungsaufsicht das Plagiatsgutachten für überflüssig hält und den Stiftungsvorstand für die Kosten persönlich haftbar machen will, kann Schulz nicht nachvollziehen. "Die Förderung von Wissenschaft und Forschung" sei doch erklärter Stiftungszweck und in dem Sinne ein Honorar von zehntausend Euro für das Plagiatsgutachten "gut angelegtes Geld", sagt er. Dafür will die Mehlhorn-Stiftung nötigenfalls vor Gericht ziehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2015
Hermann Horstkotte

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