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Wann gibt es endlich genügend Kita-Plätze in Leipzig? Jugendamtsleiter Tsapos im Interview

Wann gibt es endlich genügend Kita-Plätze in Leipzig? Jugendamtsleiter Tsapos im Interview

Geburtenboom und der Zuzug junger Familien halten an. Trotz vieler Bauprojekte reicht das Angebot in den Kindertagesstätten, in denen derzeit 28 400 Kinder betreut werden, nicht.

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Nicolas Tsapos, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Bildung.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Nicolas Tsapos, der Chef des zuständigen Jugendamtes, redet im LVZ-Interview darüber, wann sich das ändern wird.

LVZ:

Sie leiten das Amt für Jugend, Familie und Bildung nun seit elf Monaten. Haben Sie angesichts der Probleme Ihre Entscheidung bereut, nach Leipzig zu kommen?

Tsapos:

Nein, überhaupt nicht. Ich spreche auch nicht von Problemen, vielmehr von Herausforderungen. Dass diese in einer Stadt, die wie keine andere in Deutschland wächst, groß sind, war mir natürlich vorher klar. Ich fühle mich in jeder Hinsicht wohl.

Eine der größten Herausforderungen ist die Versorgung mit wohnortnahen Kitas. Laut Kultusministerium schneidet Leipzig da in ganz Sachsen am schlechtesten ab. 2000 Plätze fehlen. Wann ändert sich das?

Ganz exakt können wir noch nicht sagen, wie viele Kitaplätze fehlen. Bedarfsmeldungen und Vertragswesen werden derzeit noch in unterschiedlichen Systemen gepflegt. Klar ist aber, dass noch in Größenordnungen Plätze nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Teil der Wahrheit ist aber auch, dass die Stadt mit Partnern und den freien Trägern in enormem Umfang neue Kindertagesstätten baut. Es reicht nur eben im Moment leider noch nicht.

Sie haben mit Sozialbürgermeister Thomas Fabian einen Nothilfeplan initiiert. Was hat der denn eigentlich gebracht?

Wir haben mit freien Trägern und kommunalen Einrichtungen geschaut, an welchen Einrichtungen noch Plätze befristet angedockt werden können. Manchmal war es zwar nur ein zusätzlicher Platz je Einrichtung, bis zum Sommer konnten wir so immerhin 450 Plätze mehr anbieten. Das sind fast drei Kitas über die gesamte Stadt verteilt. Unabhängig von den Bauvorhaben konnten wir auf diese Weise wenigstens bei den dringendsten Bedarfen helfen. Es gibt jetzt vier zusätzliche Berater im Jugendamt, die aktiver auf die Eltern zugehen. So wird deutlich: Wir kümmern uns!

Wann gibt es endlich ausreichend Plätze?

Leipzig wächst weiter. Deshalb bin ich mit Prognosen etwas vorsichtig. Nach jetziger Einschätzung würde ich sagen: Mit den Einrichtungen, die wir in diesem und nächsten Jahr bauen, kommen wir der Bedarfsdeckung schon recht nahe. Aber die Geburten sind gestiegen, 2014 um etwa 400 zusätzliche Kinder. Da traut sich keiner eine Prognose, wie sich das weiterentwickelt. Außerdem ziehen erstmals mehr Menschen mit Kindern im Kita-Alter nach Leipzig als weg.

... weil Leipzig so familienfreundlich ist?

Ja, Leipzig ist hochattraktiv für Menschen, die eine urbane Lebensweise suchen, Leipzig ist eine pulsierende Stadt mit kultureller Vielfalt.

Eltern klagen, dass auch die Reservierung mit dem Elternportal Kivan nichts als Ärger bringt. Wann funktioniert das System endlich?

Es funktioniert dann gut, wenn wir ausreichend Kitaplätze für alle bieten können. Oder sogar noch über Reserven verfügen. Ich verspreche mir aber schon viel vom Elternaccount, den wir vom nächsten Kita-Jahr an einführen wollen. Anmeldungen und Vertragswesen werden dann in einem System gepflegt. Dadurch wird es viel übersichtlicher, wann Plätze tatsächlich verfügbar sind und rasch neu besetzt werden können. Doppelanmeldungen sind dann nicht mehr möglich.

Familien und Alleinerziehende sind immer häufiger mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Die Stadt versucht gegenzusteuern, gibt immer mehr Geld für die verschiedensten Hilfen zur Erziehung aus. Was läuft da eigentlich schief?

Die Kosten steigen aus unterschiedlichen Gründen. Sicher lässt es sich nicht darauf reduzieren, dass es in einer wachsenden Stadt mehr Hilfebedarf gibt. Die Problemlagen werden gravierender, der Hilfebedarf komplexer - das ist ein bundesweiter Trend. Psychische Probleme und Drogenkonsum spielen ebenfalls eine zunehmende Rolle. Die Fallzahlen steigen. Das bedeutet sowohl mehr Fälle als auch deutlich längere Zeiträume, in denen Hilfe notwendig sein kann. Wir registrierten in den vergangenen zwei Jahren eine deutliche Zunahme bei der Inobhutnahme von Säuglingen.

Sozialarbeiter aus Grünau haben ja in diesem Jahr Alarm geschlagen, weil die Problemlagen drastisch zunehmen. Ist das System Hilfen zur Erziehung überhaupt richtig aufgestellt?

Wir möchten Kinder, die Hilfe benötigen, noch früher erreichen. Das ist unser Ziel. Deshalb müssen wir mit Angeboten stärker erzieherische Hilfen und das Regelsystem verknüpfen. Geeignete Hilfen sollen schon in Kitas und Schulen erfolgen. Insofern muss das Angebot immer wieder auf den Prüfstand.

Verhaltensauffälligkeiten, Armut und emotionale Verwahrlosung haben zugenommen - kann die Stadt dagegen überhaupt etwas tun?

Wir müssen als Gesamtgesellschaft ein Umfeld schaffen, in welchem Kinder sicher und behütet aufwachsen können. Der Allgemeine Sozialdienst ist nur der Ausfallbürge, wenn alles andere nicht mehr funktioniert. Alle Beteiligten - Eltern, Schule, Sportvereine, die Stadt - müssen ihren Beitrag dazu leisten, Kinder zu stützen und zu stärken. Wir haben ein Netzwerk frühe Hilfen, das aber durch die verschiedensten Ideen und Initiativen immer wieder verfeinert werden muss. Daran arbeiten wir.

Was wird für Sie die größte Herausforderung 2015?

Über die Kita-Plätze haben wir bereits gesprochen. Jedes Bauprojekt erfordert intensive Begleitung. Natürlich müssen wir im Schulbau Schritt halten. Der Ausbau früher Hilfen ist ebenfalls eine Kernaufgabe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.01.2015

Mathias Orbeck

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