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Bildung Warum die Polizei das Foto des Transsexuellen-Angreifers nicht zeigt
Leipzig Bildung Warum die Polizei das Foto des Transsexuellen-Angreifers nicht zeigt
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18:00 13.07.2018
Der Platz vor der Moritzbastei: Hier wurde die transsexuelle Studentin am 25. Juni von einem Unbekannten angegriffen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) spricht von einem „abscheulichen Angriff“: Vor rund zweieinhalb Wochen wurde eine transsexuelle Studentin vor der Moritzbastei in Leipzig von einem Unbekannten schwer verletzt. Der Täter forderte die 22-Jährige erst auf, ihren Intimbereich zu entblößen – und brach ihr dann mit einem Schlag ins Gesicht die Nase.

Bislang konnte der Angreifer nicht ermittelt werden, obwohl der Polizei ein Handyfoto vorliegt, auf dem der Mann vor der Notaufnahme der Uniklinik gut zu erkennen sein soll. Dort tauchte der Täter später erneut auf und verhöhnte die verletzte 22-Jährige mit einem Grinsen.

Behörden fahnden nur intern

Noch fahnden die Ermittler mit dem Bild nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit nach dem Mann, der etwa Mitte bis Ende 30, 1,80 Meter groß, trainiert und Deutscher mit sächsischem Akzent sein soll. Vor allem in sozialen Netzwerken wurde zuletzt der Ruf laut, das Foto zu zeigen, um den Täter zu fassen. Warum die Ermittlungsbehörden das Bild zurückhalten, erklärte am Freitag Felix Mezger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, auf Nachfrage von LVZ.de. Grundlage sei hierfür Paragraf 131b der Strafprozessordnung.

„Danach ist eine Öffentlichkeitsfahndung nach einem Verdächtigen mit Lichtbildern nur rechtlich zulässig, wenn die Feststellung der Identität des unbekannten Täters auf andere Weise erheblich weniger Erfolg versprechend oder wesentlich erschwert wäre“, erklärte der Staatsanwalt die Rechtslage. Es müssten also zuerst alle anderen Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen ausgeschöpft werden, bevor mit Fotos öffentlich nach einem Täter gesucht werden könne.

„Entsprechende Maßnahmen laufen derzeit“, berichtete Mezger. „Falls diese nicht zeitnah zum Erfolg führen, wird die Staatsanwaltschaft Leipzig beim Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen beim zuständigen Richter auch eine Anordnung zur Veröffentlichung von Lichtbildern des Verdächtigen erwirken“, schloss der Behördensprecher eine künftige Öffentlichkeitsfahndung nicht aus.

Hochschulen verurteilen Angriff scharf

Am Freitag verurteilten Leipziger Hochschulen, Studentenräte und zwei sächsische Ministerinnen die Tat vom 25. Juni und machten sich gemeinsam für eine offene und vorurteilsfreie Gesellschaft stark. In einer zum Auftakt des Christopher Street Day (CSD) von der Uni Leipzig veröffentlichten Erklärung heißt es: „Als gesellschaftliche Akteur_innen positionieren wir uns eindeutig gegen jede Form von Hass und Gewalt. Aus diesem Grund verurteilen wir alle Arten von Übergriffen auf das Schärfste“ (die gesamte Erklärung im Wortlaut ist weiter unten zu finden).

Zu den insgesamt zehn Unterzeichnern gehören neben Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange auch Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD), die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK), die Hochschule für Musik und Theater (HMT) und die Berufsakademie Sachsen. Auch die Studierendenräte sowie das Leipziger Studentenwerk unterstützen die Erklärung, die am Vormittag auf dem Uni-Campus am Augustusplatz bei der „Warm-up“-Veranstaltung zum CSD vorgestellt wurde. An der Uni und der HTWK wird in diesem Jahr erstmals die Regenbogenfahne, das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung, gehisst.

Bürgermeister Ulrich Hörning hisst die Regenbogenflagge vor dem Neuen Rathaus und eröffnet damit die Veranstaltungswoche zum Christopher Street Day in Leipzig.

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Freitag, 13. Juli 2018

Auch Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) zeigte sich am Freitag beim Hissen der CSD-Fahne vor dem Rathaus entsetzt von der Tat. "Angriffe aufgrund von sexueller Identität dürfen in unserer Stadt keinen Platz haben. Wir lassen nicht zu, dass mit dem Erstarken rechtsextremer, antidemokratischer Kräfte in unserer Gesellschaft das Klima rauer wird für Menschen, die einfach nur anders sind", sagte er. "Die Hilfe, Unterstützung und Solidarität, die das Opfer in den letzten zwei Wochen erfahren hat, zeigt auch, dass Leipzigs Gesellschaft hier zusammensteht." 

Zu dem Übergriff ermittelt seit der vergangenen Woche der Staatsschutz der Polizei. Eva-Maria Stange fordert schnelle Aufklärung. „Die Akzeptanz und der Respekt vor anderen Lebensformen gehören zu den Grundwerten unserer offenen, demokratischen Gesellschaft. Das Bekenntnis zur Transsexualität darf kein Anlass für Hass und Gewalt gegen Menschen sein“, so die Wissenschaftsministerin.

Die gemeinsame Erklärung im Wortlaut

Mit Bestürzung haben wir in der vergangenen Woche von einem verbalen und physischen Übergriff auf eine an der Universität Leipzig studierende Transgenderperson erfahren. Solchen Angriffen treten wir entschieden entgegen. Als gesellschaftliche Akteur_innen positionieren wir uns eindeutig gegen jede Form von Hass und Gewalt. Aus diesem Grund verurteilen wir alle Arten von Übergriffen auf das Schärfste. Wir stehen für eine offene und vorurteilsfreie Gesellschaft.

Wir beziehen Position gegen jegliche Gewalt, Anfeindung oder Benachteiligung von Personen aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Alter, Familienstand, Aussehen, Staatsangehörigkeit, sexueller Orientierung, religiöser Überzeugung und geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung. Als Institutionen des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens unterstützen wir vorbehaltlos eine Gesellschaft ohne Diskriminierung.

Wir fordern eine proaktive und ernsthafte Auseinandersetzung mit bestehenden Vorurteilen und eine Sensibilisierung für gruppenbezogene Ausgrenzung und Gewalt. Zur Vorbeugung müssen weitergehende Angebote geschaffen werden, damit die Behandlung solcher Themen nicht erst im Nachgang solch erschreckender Taten stattfindet. Wir rufen zu einer breiten Koalition von Unterstützer_innen auf, um Toleranz gegenüber verschiedensten Lebenssituationen zu etablieren.

• Berufsakademie Sachsen - Staatliche Studienakademie Leipzig

• Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

• Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

• Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping

• Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange

• Studentenwerk Leipzig

• Student_InnenRat der Universität Leipzig

• Studierendenrat der Hochschule für Musik und Theater ‚Felix Mendelssohn Bartholdy’ Leipzig

• StudierendenRat der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

• Universität Leipzig

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