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Bildung Weltgrößte Pflanzen-Datenbank erstellt: Professor der Uni Leipzig ist Initiator
Leipzig Bildung Weltgrößte Pflanzen-Datenbank erstellt: Professor der Uni Leipzig ist Initiator
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15:28 24.06.2015
Christian Wirth, Professor am Institut für Biologie der Uni Leipzig, ist Initiator der weltgrößten Datenbank für Pflanzenmerkmale. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Sammlung von Eigenschaften wie Größe, Verbreitung, Samengewicht oder chemische Inhaltsstoffe ist für Pflanzenforscher und Naturschützer von grundlegendem Nutzen – und kann zudem helfen, das Klima der kommenden Jahrzehnte vorauszusagen.

Nach vier Jahren Arbeit kann Uni-Professor Christian Wirth durchaus überzeugt sein von dem Projekt, das er anfänglich zögernd nur TRY, also Versuch, nannte. „Damals dachten wir: Das ist so ein verrücktes Vorhaben, das kriegen wir nie auf die Reihe.“ Der Name ist geblieben, ein echter Erfolg ist daraus geworden: Das Verzeichnis von Pflanzenmerkmalen vereint 93 auf der ganzen Welt verteilte Datenbanken von über 100 internationalen Forschungsinstituten – und ist damit das größte seiner Art. „Alles, was in diesem Bereich Rang und Namen hat ist dabei, zum Beispiel Wissenschaftler aus Princeton und Harvard, aus Sydney und Argentinien“, sagt Wirth.

In dem Katalog, der für Forscher im Internet abrufbar ist, werden etwa 1000 verschiedene Merkmale von einem Fünftel aller bekannten Pflanzenarten festgehalten. So spielen zum Beispiel Samengewichte eine Rolle – sie geben Auskunft darüber, wie weit ein Keimling fliegen und die Pflanze sich ausbreiten kann. Ebenso werden chemische Inhaltsstoffe vermerkt; je mehr Stickstoff enthalten ist, desto aktiver ist das Gewächs. Aber auch Eigenschaften wie die maximale Größe, die Verbreitung, die Tiefe der Wurzeln und ob die Pflanze Feuer ertragen kann werden gespeichert.

Interessant für Klimaforscher und Naturschützer

Durch die vernetzte Flut an Daten ist das Projekt vor allem Klimaforschern ein großer Nutzen: „Pflanzen nehmen Kohlenstoffdioxid auf, das sie der Atmosphäre entziehen. Je mehr sie wachsen, desto mehr wirken sie dem Treibhauseffekt entgegen. Die Informationen aus der Datenbank können Forscher verwenden, um sie in globale Modelle einzubinden. Wenn sie im Radio eine Prognose über das Klima im Jahr 2050 hören, basiert diese auf solchen Pflanzendaten“, erklärt Wirth. Bisher seien diese Informationen nur begrenzt verfügbar gewesen. „Früher hatten Forscher ein schrecklich schlechtes Gewissen, weil sie Prognosen anhand von 10 bis 15 verschiedener Pflanzentypen aus der Literatur abgeleitet haben. Jetzt freuen sie sich, dass es eine Datenbank gibt, in der die Eigenschaften handfest ermittelt wurden.“

Auch für Naturschützer ist das Projekt interessant, denn die Vielfalt von Pflanzen hat einen wesentlichen Einfluss auf Anzahl und Vielfalt der nachfolgenden Mitglieder der Nahrungskette. Nimmt die Zahl der Pflanzen ab, vermindert sich auch die Zahl pflanzenfressender Tiere – und damit auch die der Fleischfresser. „Und natürlich lässt sich auch erkennen, welche Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind.“

Internationalen Standard gesetzt

Computer am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena – wo das Projekt der Leitung von Wirth und Institutsforscher Jens Kattge 2007 entstanden ist – verwalten die stetig wachsenden Datensätze, auf die Forscher weltweit zugreifen können. „Pflanzen-Datenbanken gibt es wie Sand am Meer, viele davon sind aber nicht gut gefüllt. Wissenschaftler haben oft Skrupel, ihre Daten zu teilen. Wir animieren die Forscher, uns ihre Daten zugänglich zu machen, indem wir diese nicht öffentlich machen – Einsicht bekommt nur, wer einen Antrag stellt – und ihnen eine Co-Autorenschaft an der wissenschaftlichen Studie über das Projekt anbieten. Bisher funktioniert das gut.“ Durch die Datenbank habe man einen internationalen Standard gesetzt, „Forscher können sich nicht mehr nur irgendwelche Daten für ihre Arbeiten nehmen. Die Latte ist jetzt einen halben Meter höher“, so Wirth.

Auch die Leipziger Universität profitiert von dem Pflanzen-Lexikon: Wirth betreut hier Forschungsarbeiten zur Datenbank und nutzt die Informationen natürlich auch beim wissenschaftlichen Arbeiten mit seinen Studenten.

Tobias Ossyra

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