Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Wenn Affen den Pinsel schwingen: Max-Planck-Institut in Leipzig zeigt Schimpansen-Kunst

Wenn Affen den Pinsel schwingen: Max-Planck-Institut in Leipzig zeigt Schimpansen-Kunst

Wenn die Gesellschaft für Primatologie (GfP) nächste Woche in Leipzig ihre Konferenz abhält, dann stehen nicht nur spannende Vorträge und eine Visite des Pongolandes im Zoo auf dem Programm, sondern auch eine Ausstellung der besonderen Art: Ab Montagnachmittag ist die Schau "Schimpansen-Kunst" im Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Eva) zu sehen, das am Deutschen Platz seinen Sitz hat.

Voriger Artikel
Stefflers Buch beleuchtet braunen Leipziger Branddirektor Hans Rumpf
Nächster Artikel
Man(n), diese Frauen

Schimpanse Pancho beim Mal-Experiment Ende der 1960er-Jahre. Was Affen sonst noch alles können, sehen Sie in einem Video. Bitte Bild scannen.

Quelle: GfP

Bestückt ist sie mit Malereien, bei denen Menschenaffen den Pinsel führten. Die 20 Bilder stammen aus dem Nachlass des 2011 verstorbenen Professors Robert Glaser, der bis zur Emeritierung an der Uni Gießen wirkte und in den späten 1960er-Jahren in den USA seine Schimpansen-Schützlinge zum Zeichnen animierte. Die beteiligten Tiere waren zwischen 2,5 und fünf Jahren alt und damit in der jugendlich-kreativen Schaffensphase.

Nun werden ihre Werke erstmals öffentlich gezeigt, darunter die von Pancho, der sehr leidenschaftlich und produktiv agierte. "Damals gab es eine rege Debatte, ob das als sogenannte Protokunst gedeutet werden könnte, ob also in diesem Arbeiten die biologischen Wurzeln des menschlichen künstlerischen Potenzials erkennbar sind", erklärt Tobias Deschner vom Eva. 2007 habe dann eine vergleichende Studie, in die Kinder und Menschenaffen eingebunden waren, durchaus erstaunliche Gemeinsamkeiten erbracht, beispielsweise eine übergreifende Präferenz für Gelb als erster Malfarbe und einen hohen Anteil diagonaler Linienführung, meint der Experte und lädt die Besucher dazu ein, sich in der Ausstellung "selbst eine Meinung zu bilden".

Bis Ende April ist sie zugänglich - und damit weit über die Konferenz hinaus, die vom kommenden Mittwoch bis Freitag am Eva und am Biologie-Institut der Universität rund 150 Affenforscher und Naturschützer aus aller Welt vereinen wird. Das Themenspektrum ist breit gefächert, besonders im Fokus stehen aber Faktoren, die den Fortpflanzungserfolg bei den Primaten beeinflussen, und Fragen des Artenschutzes. Denn viele Menschenaffen-Populationen sind durch Wilderei und Verdrängung aus ihren angestammten Lebensräumen bedroht. Beispielsweise schrumpften in Afrika die geeigneten Siedlungsgebiete für Gorillas in den vergangenen 20 Jahren um die Hälfte.

Zu den Referenten bei der Konferenz gehört Hjalmar Kühl, der seit 2014 eine Juniorprofessur an dem in Leipzig ansässigen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung inne hat und vorher am Eva seine Doktorarbeit zu zeitlichen und räumlichen Dynamiken in Gorilla- und Schimpansen-Populationen schrieb. Dafür war er in verschiedenen Ländern Zentralafrikas unterwegs und entwickelte Datenbanken, die nun für den Schutz von Menschenaffen genutzt werden. Dabei sein wird ebenso Esther Carlitz mit einem Vortrag, der sich um ein Stress-Monitoring bei Schimpansen rankt. Im Zuge ihrer Promotion sammelte sie dafür im Dschungel Ugandas Haare von Schimpansen - hoch droben in den Bäumen, wo sie ihre Schlafnester haben. Anschließend wurden die Haare hinsichtlich des Stresshormons Cortisol analysiert. Carlitz, nunmehr Doktorandin an der Uni in Zürich, hatte 2008 für Schlagzeilen gesorgt, als sie bei Feldforschungen des Eva im Kongo als Diplomandin dabei war und zwölf Tage als vermisst galt.

Die damalige Bio-Studentin an der Leipziger Uni hatte sich im Salonga-Nationalpark verirrt und stieß dann glücklicherweise auf Jäger. Später gab es einen Rechtsstreit zwischen der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und ihr um die Kosten der aufwändigen Suchaktion und Schmerzensgeld, der mit einem Vergleich endete. Er beinhaltete die Zahlung von 15 000 Euro in Raten an die MPG durch Esther Carlitz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.02.2015

Mario Beck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Die Multimedia-Reportage erzählt elf spannende Geschichten entlang der Linie 11 - der längsten Straßenbahnlinie Leipzigs. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr