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Wenn Affen den Pinsel schwingen: Max-Planck-Institut in Leipzig zeigt Schimpansen-Kunst

Wenn Affen den Pinsel schwingen: Max-Planck-Institut in Leipzig zeigt Schimpansen-Kunst

Wenn die Gesellschaft für Primatologie (GfP) nächste Woche in Leipzig ihre Konferenz abhält, dann stehen nicht nur spannende Vorträge und eine Visite des Pongolandes im Zoo auf dem Programm, sondern auch eine Ausstellung der besonderen Art: Ab Montagnachmittag ist die Schau "Schimpansen-Kunst" im Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Eva) zu sehen, das am Deutschen Platz seinen Sitz hat.

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Schimpanse Pancho beim Mal-Experiment Ende der 1960er-Jahre. Was Affen sonst noch alles können, sehen Sie in einem Video. Bitte Bild scannen.

Quelle: GfP

Bestückt ist sie mit Malereien, bei denen Menschenaffen den Pinsel führten. Die 20 Bilder stammen aus dem Nachlass des 2011 verstorbenen Professors Robert Glaser, der bis zur Emeritierung an der Uni Gießen wirkte und in den späten 1960er-Jahren in den USA seine Schimpansen-Schützlinge zum Zeichnen animierte. Die beteiligten Tiere waren zwischen 2,5 und fünf Jahren alt und damit in der jugendlich-kreativen Schaffensphase.

Nun werden ihre Werke erstmals öffentlich gezeigt, darunter die von Pancho, der sehr leidenschaftlich und produktiv agierte. "Damals gab es eine rege Debatte, ob das als sogenannte Protokunst gedeutet werden könnte, ob also in diesem Arbeiten die biologischen Wurzeln des menschlichen künstlerischen Potenzials erkennbar sind", erklärt Tobias Deschner vom Eva. 2007 habe dann eine vergleichende Studie, in die Kinder und Menschenaffen eingebunden waren, durchaus erstaunliche Gemeinsamkeiten erbracht, beispielsweise eine übergreifende Präferenz für Gelb als erster Malfarbe und einen hohen Anteil diagonaler Linienführung, meint der Experte und lädt die Besucher dazu ein, sich in der Ausstellung "selbst eine Meinung zu bilden".

Bis Ende April ist sie zugänglich - und damit weit über die Konferenz hinaus, die vom kommenden Mittwoch bis Freitag am Eva und am Biologie-Institut der Universität rund 150 Affenforscher und Naturschützer aus aller Welt vereinen wird. Das Themenspektrum ist breit gefächert, besonders im Fokus stehen aber Faktoren, die den Fortpflanzungserfolg bei den Primaten beeinflussen, und Fragen des Artenschutzes. Denn viele Menschenaffen-Populationen sind durch Wilderei und Verdrängung aus ihren angestammten Lebensräumen bedroht. Beispielsweise schrumpften in Afrika die geeigneten Siedlungsgebiete für Gorillas in den vergangenen 20 Jahren um die Hälfte.

Zu den Referenten bei der Konferenz gehört Hjalmar Kühl, der seit 2014 eine Juniorprofessur an dem in Leipzig ansässigen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung inne hat und vorher am Eva seine Doktorarbeit zu zeitlichen und räumlichen Dynamiken in Gorilla- und Schimpansen-Populationen schrieb. Dafür war er in verschiedenen Ländern Zentralafrikas unterwegs und entwickelte Datenbanken, die nun für den Schutz von Menschenaffen genutzt werden. Dabei sein wird ebenso Esther Carlitz mit einem Vortrag, der sich um ein Stress-Monitoring bei Schimpansen rankt. Im Zuge ihrer Promotion sammelte sie dafür im Dschungel Ugandas Haare von Schimpansen - hoch droben in den Bäumen, wo sie ihre Schlafnester haben. Anschließend wurden die Haare hinsichtlich des Stresshormons Cortisol analysiert. Carlitz, nunmehr Doktorandin an der Uni in Zürich, hatte 2008 für Schlagzeilen gesorgt, als sie bei Feldforschungen des Eva im Kongo als Diplomandin dabei war und zwölf Tage als vermisst galt.

Die damalige Bio-Studentin an der Leipziger Uni hatte sich im Salonga-Nationalpark verirrt und stieß dann glücklicherweise auf Jäger. Später gab es einen Rechtsstreit zwischen der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und ihr um die Kosten der aufwändigen Suchaktion und Schmerzensgeld, der mit einem Vergleich endete. Er beinhaltete die Zahlung von 15 000 Euro in Raten an die MPG durch Esther Carlitz.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.02.2015

Mario Beck

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