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Wett-Trampen: Ohne Zaster in die Ferien fahren

Wett-Trampen: Ohne Zaster in die Ferien fahren

Sprit fürs Auto, ein Ticket für den Zug - wer wegfahren will, muss Geld ausgeben. Dass man auch ohne einen Cent von A nach B kommen kann, bewiesen jetzt Studenten der Leipziger Uni.

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Tramper auf dem Weg nach Dresden.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Der Stura hatte zum Jailbreak, einem Wettkampf im Trampen, aufgerufen. Die Idee: Sich so weit wie möglich vom Campus entfernen - und zwar ganz ohne Bares.

"Wir wollen zeigen, dass man auch mit wenig Geld in den Urlaub fahren kann" sagt Friedemann Goerl, Referent für nachhaltige Mobilität, der das erste Leipziger Tramprennen organisiert hat. Die Regeln sind streng: Nur Mitfahren ist erlaubt. Selbst wenn jemand für ein Zugticket bezahlen würde - sie müssten das Angebot ablehnen. Ursprünglich stammt die Idee des Um-die-Wette-Trampens aus Großbritannien. Während die Engländer 36 Stunden Zeit haben, gab Goerl den Teilnehmern nur 24 Stunden. "Das reicht für den Anfang."

Startpunkt war am vergangenen Freitag der Augustusplatz. Punkt neun stehen am Mendebrunnen sechs Zweierteams, beladen mit Rucksäcken, Wasserflaschen, Bananen. Martin Bönewitz ist einer der Teilnehmer und will "einfach mal raus aus der Stadt". Bisher ist der 22-jährige Geografiestudent nur einmal getrampt - von Rumänien nach Leipzig. Wohin es diesmal gehen soll, weiß er noch nicht: "Wir lassen uns überraschen." Sein Teampartner Sebastian Hutsch ist optimistisch, dass sie schnell aus der Stadt rauskommen. "In 24 Stunden kann man viel erreichen", meint der 22-jährige Physikstudent.

Und dann laufen die sechs Teams auch schon los - im Entenmarsch zur Tankstelle hinter dem Hauptbahnhof.

24 Stunden später ist klar, wer den Wettkampf gewonnen hat und die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen darf: einen selbst gebastelten goldenen Papp-Daumen. Den ersten Platz belegt das Team von Tiermedizinstudentin Klarissa Kaiser. 870 Kilometer legten die 20-Jährige und ihr Kumpel Tim per Anhalter zurück und landeten schließlich in dem kleinen Ort Brampton, 100 Kilometer nördlich von London. "Dabei wollten wir eigentlich in Richtung Südwesten", sagt Klarissa und lacht. Doch das erste Auto, das sie mitnahm, fuhr nach Hannover. Von da an war die Richtung klar. Neun Mal streckten sie ihre Daumen heraus - und warteten nie länger als eine halbe Stunde. "Einmal hat uns sogar die französische Polizei mitgenommen", erzählt die Studentin. Das zweitbeste Team schaffte es bis ins 840 Kilometer entfernte Montbeugny in Frankreich, die drittbesten nach Marijampole in Litauen. Team Airwaves wurde bis München mitgenommen.

Ein bisschen weiter kamen Martin Bönewitz und sein Kommilitone. Ein Geschäftsreisender, ein Bauarbeiter, ein türkischer Großhändler und eine Krankenschwester öffneten ihnen ihre Autotür. 560 Kilometer legte sein Team per Anhalter zurück - und fuhr so kreuz und quer durch Europa bis nach Brüssel. Dort schossen beide dann schnell ein Beweisfoto - mit der aktuellen Tageszeitung in der Hand. Auch ein Kassenzettel mit Ort und Datum gilt als Beleg, dass man tatsächlich in der angegebenen Stadt war.

Auch Organisator Friedemann Goerl schloss sich den Trampern an, allerdings außerhalb der Wertung. Er schaffte es mit seinem Kommilitonen ins 200 Kilometer entfernte Prag. "Von der Autobahn aus hat uns Trödel-Uwe in einem Reisebus bis an die tschechische Grenze mitgenommen", erzählt er. Zwei ältere Herren chauffierten die Studenten dann bis nach Prag. Zusammengerechnet legten alle Teams eine Strecke von 3600 Kilometern zurück - weiter als von Leipzig nach Hammerfest ganz im Norden Norwegens.

Dass Trampen mitunter als gefährlich gilt, weil man nie weiß, zu wem man ins Auto steigt, will Goerl nicht gelten lassen. Das sei eine Angst, die er nicht bestätigen könne. "Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2013

Gina Apitz

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