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Wird Geisteswissenschaftliches Zentrum an der Leipziger Uni künftig Leibniz-Institut?

Begutachtung Wird Geisteswissenschaftliches Zentrum an der Leipziger Uni künftig Leibniz-Institut?

Das bisher als An-Institut der Leipziger Uni firmierende Geisteswissenschaftliche Zentrum für die Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas könnte perspektivisch zum Institut der Leibniz-Gemeinschaft werden. Im April 2016 soll der Wissenschaftsrat dazu eine Stellungnahme abgeben.

In Specks Hof hat das Geisteswissenschaftliche Zentrum für die Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas seinen Sitz.

Quelle: André Kempner

LEIPZIG. Für das vor 15 Jahren an der Leipziger Universität gegründete Geisteswissenschaftliche Zentrum für die Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) könnte im kommenden Jahr ein wichtige Weichenstellung für die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft erfolgen. Darauf deutet ein Schreiben der gemeinsamen Wissenschaftskommission von Bund und Ländern hin, in dem der Wissenschaftsrat gebeten wird, zu diesem Vorhaben eine Stellungnahme abzugeben. Im April 2016 soll sie auf der Basis einer Begutachtung der Einrichtung vorliegen, die ihren Sitz in Specks Hof hat und seit 2003 als sogenanntes An-Institut der Alma mater firmiert.

An dem von Professor Christian Lübke geleiteten GWZO wirken rund 100 Experten, darunter zahlreiche Gastwissenschaftler. Grundfinanziert wird das Zentrum vom Freistaat Sachsen mit rund 1,3 Millionen Euro jährlich, hinzu kamen 2014 etwa 2,4 Millionen Euro an eingeworbenen Geldern für Forschungsprojekte.

Wenn die Evaluierung durch den Wissenschaftsrat positiv ausfällt, wäre das ein wichtiger Schritt hin zu einem Statuswechsel, der schon seit 2010 im Gespräch ist. In jenem Jahr hatte die damalige sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer angedeutet, dass sie sich eine Integration des GWZO in die Leibniz-Gemeinschaft aufgrund seiner Forschungsexzellenz vorstellen könne. 2013 war das relativ komplizierte Verfahren dann angelaufen.

Sollte es zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, könnte das Zentrum zu einem Leibniz-Institut werden, von dem es in Leipzig bisher drei gibt: Das für Troposphärenforschung, das für Oberflächenmodifizierung und das für Länderkunde. Sie werden jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land grundfinanziert. Jüngst veranstaltete das GWZO seine traditionelle Jahrestagung. Sie stand unter dem Titel „Leipzig und das östliche Europa – Kapitel einer Beziehungsgeschichte aus 1000 Jahren“.

Einer der Gastredner war der einstige sächsische Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer, der sich Anfang der 1990er-Jahre für die Einrichtung von außeruniversitären Instituten der sogenannten Blauen Liste im Freistaat stark engagiert hatte. Diese wurden 1997 in Leibniz-Institute umbenannt.

Auch für das ebenfalls als An-Institut der Universität agierende Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur wird seit geraumer Zeit eine Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft angestrebt. Allerdings ist es momentan offenbar noch nicht auf der entsprechenden Checkliste des Wissenschaftsrates. Vormals hieß es, erst müsse der Direktorenwechsel vollzogen werden. Der fand inzwischen statt.

Wie berichtet, leitet seit diesem Jahr der aus der Schweiz stammende Historiker Professor Raphael Gross das 1995 eingerichtete Institut, das in der Goldschmidtstraße sein Domizil hat. Er übernahm das Direktorat nach der Emeritierung des langjährigen Chefs Professor Dan Diner.

Von Mario Beck

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