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Wissenschaftliche Durchbrüche 2011 gekürt - Leipziger Urmenschenforschung auf Platz 3

Wissenschaftliche Durchbrüche 2011 gekürt - Leipziger Urmenschenforschung auf Platz 3

Eine nunmehr im wahrsten Sinn des Wortes ausgezeichnete Arbeit leisten Forscher am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Eva).Die Wissenschaftler des Institutes hatten im September im US-Journal für Humangenetik neue Ergebnisse zur Besiedelungsgeschichte Asiens, der pazifischen Inselwelt und Australiens vorgelegt.

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Svante Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Quelle: MaxPlanckInstitut für evolutionäre Anthropologie

Leipzig. enisova-Menschen auf Platz 3.

Die Wissenschaftler des Institutes hatten im September im US-Journal für Humangenetik neue Ergebnisse zur Besiedelungsgeschichte Asiens, der pazifischen Inselwelt und Australiens vorgelegt. Federführend bei der Studie, an der Experten  aus sieben Ländern mitwirkten, war Eva-Professor Mark Stoneking.

Quintessenz der Untersuchung: Vor mehr als 44.000 Jahren hat es nicht nur eine, sondern mehrere Wanderungswellen des anatomisch modernen Menschen in den asiatischen Raum und darüber hinaus gegeben. Und auch die als Denisova-Mensch mittlerweile in die Evolutionsgeschichte eingegangene Spezies war großräumig in den Gefilden Südostasiens, Australiens und Ozeaniens heimisch - zeugte dort mit Homo-sapiens-Vertretern gemeinsamem Nachwuchs.

Das Ergebnis der intimen Begegnungen manifestiert sich noch heute im Erbgut zahlreicher Gruppen von Ureinwohnern, wie die Fachleute um Stoneking durch DNA-Vergleiche feststellten. Bei bestimmten Eingeborenen-Stämmen in Australien, in Papua-Neuguinea und auf den Salomonen-Inseln konnten sie einen vergleichsweise hohen Anteil von Denisova-Erbgut ausmachen, auf den Philippinen war er etwas geringer, aber ebenso vorhanden wie beispielsweise auf den Fidschi-Inseln. Fehlanzeige dagegen auf dem asiatischen Festland, was verwundert, weil jenes Fossil, das zur Identifizierung des Denisova-Menschen führte, im russischen Teil des Altai-Gebirge aufgetaucht war, das sich bis nach China erstreckt.

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Backenzahn eines Menschen, der in der Denisova-Höhle im südlichen Sibirien gefunden wurde. (Archivbild)

Quelle: dpa

2008 hatten russische Wissenschaftler in der Denisova-Höhle ein Stück Fingerknochen gefunden, das beim Gen-Check am Eva für eine faustdicke Überraschung sorgte: Das 30.000 Jahre alte Rudiment stammte weder von einem Homo sapiens noch von einem Neandertaler, sondern von einer bis dahin unbekannten Menschenform.

Nach und nach konnten die versierten Leipziger Fahnder um Eva-Professor Svante Pääbo  im uralten Erbgut ein detailliertes DNA-Profil des großen Unbekannten vorlegen, von dem in der Altai-Gruft auch noch ein Zahn auftauchte. Wie die ausgestorbenen Hominiden aussahen und warum sie wie die Neandertaler von der Bildfläche verschwanden, lässt sich zwar nicht nachvollziehen, wohl aber die Spur des so genannten genetischen Fußabdrucks, den sie auf der Erde im Zuge der Fortpflanzung hinterließen. Denn sie hatten neben dem Sex mit ihresgleichen auch Verkehr und gemeinsame Nachkommen mit anatomisch modernen Menschen.

„Die Denisova-DNA hat einen so hohen Wiedererkennungswert, dass man selbst geringe Mengen davon in heute lebenden Individuen nachweisen kann“, erklärte David Reich von der Harvard Medical School, der mit Stoneking das aktuelle Projekt maßgeblich vorantreibt.

Populationsgenetiker Stoneking bilanziert: „Denisova-Menschen waren über ein außerordentlich großes geografisches Gebiet verteilt.“ Die Tatsache, dass sich ihr Erbgut in einigen, aber bei weitem nicht in allen heute in Südostasien lebenden Ureinwohnern dokumentiert, zeige auch, dass es dort in grauer Vorzeit zahlreiche Homo-sapiens-Populationen gab, die in mehreren Wellen dorthin kamen. 

 

stb / Mario Beck

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