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Zwischen Karzer und Toilettentür - Ausstellung über das Leipziger Studentenleben seit 1409

Zwischen Karzer und Toilettentür - Ausstellung über das Leipziger Studentenleben seit 1409

Die Universität Leipzig, genauer gesagt ihre Kustodie, ist dem Dasein ihrer Hochschüler nachgegangen. Das Ergebnis: Eine Ausstellung, über der "Studentisches Leben in Leipzig 1409 bis heute - eine Spurensuche" steht.

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Die Ausstellung "Studentisches Leben in Leipzig 1409 bis heute - eine Spurensuche" ist in der Galerie im Neuen Augusteum der Universität zu sehen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Bevor die Schau am Donnerstag um 19 Uhr in der  Galerie im Neuen Augusteum offiziell eröffnet wird, durfte sich Felix Kretz ein Bild von den rund 220 Exponaten machen, die auf 180 Quadratmetern zu sehen sind.

Paulus Behaim hat ein Problem: Die Garderobe des 15-jährigen Nürnbergers passt nicht zum Zeitgeist anno 1572/73 in Leipzig, zumindest wenn es nach seinen Kommilitonen geht. Der junge Jura-Student beklagt in drei Briefen an die Frau Mama in der Heimat immer wieder, wie unmodern er doch gekleidet ist - und das er Geld braucht. Obwohl Paulus einem durchaus wohlhabenden Patriziergeschlecht entstammt, ist die Familie nicht amüsiert über den Lebensstil des Juniors. "Die Mutter verlangt ständig Rechenschaft darüber, was der Sohn ausgibt", rezitiert Cornelia Junge aus den Briefen.

 Die Korrespondenz aus dem 16. Jahrhundert ist Teil der neuen Ausstellung zum studentischen Leben der Uni-Kustodie, Junge deren Sammlungskonservatorin. In dieser Position hat die 58-Jährige die Exposition mit auf die Beine gestellt. "Leipzig hatte allein als Messestadt schon immer eine große Anziehungskraft und dadurch viele Studenten", erklärt sie. Zu Paulus Behaims Zeiten seien es bereits Tausende gewesen.

 Rudolf Hiller von Gaertringen, 52 Jahre, seines Zeichens Kustos der hauseigenen Kunstsammlung der Alma mater, kann sich das erklären: "Leipzig war diese brodelnde Metropole im Vergleich zu anderen traditionellen Uni-Städten." Ein altehrwürdiger Wesenszug der Stadt, den die universitäre Kunstverwaltung mit ihrer Exposition zeigen will - nicht zuletzt deshalb, weil Leipzig bis heute durch die hiesige Studentenkultur geprägt wird. Von Gaertringen: "Die Studierenden sind der Daseinsgrund, warum es die Universität gibt." Erste Überlegungen, diesem Sujet eine eigene Plattform zu widmen, liegen schon vier Jahre zurück. Anlässlich der 600-jährigen Jubiläumsfeier im Jahr 2009 wurde die Idee geboren und ist jetzt so weit gereift, um sie öffentlich zur Schau zu stellen.

 Den Großteil der Exponate schöpft die Kustodie aus dem eigenen Bestand. Leihgeber sind zudem die Universitätsbibliothek und das -archiv, das Stadtgeschichtliche Museum sowie das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Das klingt zunächst sehr würdig. Doch die Ausstellung besticht nicht nur durch historische Elemente wie die originalen Briefe aus Paulus Behaims Feder, die Leipziger Studentenfahne aus dem Jahr 1830 - ein Geschenk der Stadt zum Dank an die Hochschüler während des Vormärz - und antiquarische Möbel aus dem Karzer. In die sogenannte Arrestzelle der Uni wurden bis ins Jahr 1892 noch Studierende gesteckt, etwa für drei Wochen, wenn sie bei einem Duell nur zugesehen hatten.

 Die Schau lebt genauso davon, dass ihre Macher sich nicht zu fein sind, eine Tür aus der Damentoilette des Hörsaalbaus von 1995/96 in die Augusteum-Galerie zu stellen, die ebenso von studentischem Leben zeugt. Sprüche über Drogen, Sex, Gott und die Welt in verschiedenen Sprachen sind auf dem Holz verewigt. Kostprobe: "Drogen braucht man, um wieder Gefallen am Nüchternsein zu finden!" Cornelia Junge und Kustos Hiller von Gaertringen sind sich mit Blick auf das Stück einig: "Subkultur gehört auch dazu."

Die Ausstellung ist mit Unterbrechung während der Weihnachtsfeiertage bis zum 31. Januar 2014 zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr, samstags 11 bis 14 Uhr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2013

Felix Kretz

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