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Abends nur noch Badewanne und Bett

Abends nur noch Badewanne und Bett

Drehtage von 12 bis 16 Stunden Länge - so sieht das Tagespensum in Leipzig für Benno Fürmann, Herbert Knaup und Maria Schrader aus. Die drei Schauspieler haben fast den ganzen Februar in der Stadt verbracht und davon die meiste Zeit unterirdisch gedreht: im Keller der Sternburg-Brauerei oder in der Kanalisation.

Für das Weltkriegsdrama "Hidden" wurde in einer ehemaligen Industriehalle in Mölkau ein Teil des verborgenen Kanalsystems der polnischen Stadt Lvov nachgebaut. Dort versteckten sich 1943 zwanzig polnische Juden bis zu 14 Monate lang.

Doch nicht das Drehen in Wasser, Dunkelheit und Enge ist für Benno Fürmann besonders anstrengend. "Wir drehen dreisprachig in Deutsch, Polnisch und Hebräisch. Das ist interssant und kompliziert zugleich. Man muss die Rollen der anderen mit lernen, viel darüber reden, das ist extrem viel Büffelei und trockenes Proben. Da komme ich an meine Grenzen", so der 38-jährige Berliner. Zeit für Leipzig bleibt da null: "Zero", sagt Fürmann. "Im Hotel sehe ich nur noch Badewanne und Bett. Ich gehe früh im Dunklen und komme im Dunklen zurück. Ich hoffe, dass Leipzig und ich irgendwann mal die Gelegenheit haben werden, uns kulturell näher zu kommen." Fürmann war schon zu Presseterminen und Filmpremieren in Leipzig, dies ist sein erster Dreh in der Stadt.

Auch Herbert Knaup bedauert, dass er keine Zeit für die Stadt hat: "Interesse hätte ich großes, aber ich komme ja nicht raus. Es wird eher spät nachts."  Der 53-Jährige wollte die Rolle in "Hidden" zuerst gar nicht spielen. Doch nachdem wohl auch andere Kollegen absagten, wurde sie ihm noch einmal angeboten. "Die Rolle sucht sich ihren Schauspieler", so wertet es der Allgäuer inzwischen, der in Berlin lebt. Knaup hat vorher schon zweimal in Leipzig gedreht: "Jenseits der Mauer" und einen zweiten Film, der noch nicht gelaufen ist. Darin spielt er einen Stasi-Offizier.

Für Schauspielerin Maria Schrader wurden die Drehtage in Leipzig auch schon mal 18 Stunden lang. "Heute wurde ich erst 7 Uhr abgeholt, das war schon spät." Aber die Arbeit mit den Crewmitgliedern und Kollegen sei ausgesprochen angenehm und sehr freundlich. Allerdings, verrät die 44-Jährige, ist ihr nach dem ersten Set-Besuch schlecht geworden, obwohl der typische Kanalisationsgestank fehlt. „Aber die Wucht der Geschichte macht jeden Einzelnen betroffen. Das ist der pure Luxus gegenüber den Zuständen, die die echten Ghettobewohner ertragen mussten. Da kriegt man ein Gefühl, was das für eine Endstation war." Ihr Film-Ehemann Herbert Knaup bestätigt, „dass die Drehbedingungen gepampert wirken. Aber wir versuchen, es realistisch darzustellen. Da muss man sich konzentrieren, um in die Stimmung reinzukommen, weil die ganze Technik ablenkt." Noch bis Sonnabend wird in Leipzig gedreht, danach zwei Wochen in Polen. 2011 soll der Film in die Kinos kommen.

Kerstin Decker

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